2010 singt sie an der Staatsoper die Carmen. So viel steht längst fest. Direktor Ioan Holender, der die lettische Mezzosopranistin von Anbeginn gefördert hat, bot ihr die Traumrolle ihres Fachs vor kurzem an. „Mariss Jansons wird dirigieren“, freut sich Elina Garanca über das Engagement ihres prominenten Landsmannes, der damit sein Wiener Operndebüt feiern wird. „Und Anna ist die Micaela“, sagt sie. Anna, das ist die Netrebko. Die Augen der Kollegin leuchten, wenn sie den Namen ausspricht. Konkurrenzneid kennt die Garanca nicht. Zumal die Netrebko in einem ganz anderen Fach reüssiert. „Ich würde ja kein Sopran sein wollen“, sagt die überzeugte Vertreterin der tieferen Stimmfärbung und widerspricht damit sämtlichen Klischees. Schließlich wollten die meisten Mezzos irgendwann höher hinaus. Viele haben es mit dem Verlust der Strahlkraft ihrer Stimme bezahlt.
Immer nur Mezzo.
Daran denkt Elina Garanca gar nicht. „Ich bin gern Mezzosopran“, sagt sie, „jeden Tag als Gilda zu sterben oder als Violetta, das wäre ja langweilig. Ein Mezzo hat viel mehr Möglichkeiten, sich auszuleben.“ Und das tut sie gern auf der Bühne. „Außerdem bin ich ein Fan von tiefen Stimmen. Für mich ist im „Rosenkavalier“ ja nicht das Terzett der Höhepunkt, sondern das tiefe C, wenn der Ochs auf Lerchenau eins hat“, verkündet eine der im Moment weltweit favorisierten Darstellerinnen der Titelpartie in Richard Strauss’ Oper.
„Wird kommen über Nacht“, singt der apostrophierte Baron Ochs in jenem Stück. Über Nacht ist bei Elina Garanca gar nichts passiert, auch wenn sie schon in jungen Jahren auf eine Traumkarriere zurückblickt. „Bei mir ist alles recht ruhig und stetig gegangen“, erzählt die Künstlerin, „ich könnte nicht sagen: Dieser oder jener Auftritt bei den Salzburger Festspielen oder an der Wiener Oper hätte für mich den Durchbruch gebracht.“ Doch weiß sie die Fördererrolle, die Wiens Opernchef Ioan Holender gespielt hat, sehr zu schätzen. Immerhin erhielt sie von ihm nach und nach interessante Rollenangebote. Bald mit der Charlotte in Massenets „Werther“ eine Premierenpartie, von der ein Mezzo nur träumen kann. Und irgendwann kam die Frage: „Carmen“ oder nicht „Carmen“.
Herausforderungen auszuweichen, das ist nicht Garancas Sache. Aber sanft vorbereitet will ein solches Debüt schon sein. „Zuerst suche ich mir einmal ein Tanzstudio und lerne, Flamenco zu tanzen. Ich singe meine erste Carmen dann daheim in Lettland.“ Erst 2010 in der Staatsoper, wo es zuvor Aufgaben wie den Part des Komponisten in Strauss’ „Ariadne“ geben wird – einmal noch mit Edita Gruberova als Zerbinetta. Und eine weitere Serie von Bellinis „Norma“, mit Elina Garanca als Adalgisa. Im Konzerthaus gibt man schließlich konzertant Bellinis „Capuleti ed i Montecchi“: „Das machen wir in Covent Garden auch szenisch, mit Anna ...“
Lieder aus Leidenschaft.
Auch sonst kann sich die Garanca wirklich nicht über mangelnde Engagements an prominenten Häusern beklagen. Die New Yorker Met bittet zu Aufführungen von Rossinis „Barbier von Sevilla“ und „Cenerentola“, Offenbachs „Hoffmann“ („Mit Anna!“) und dann ebenfalls zur „Carmen“, in San Francisco gibt es „Werther“. „Und aufs Liedersingen möchte ich nicht verzichten“, sagt die Sängerin in Erinnerung an ihre Mutter: „Sie war Liedsängerin. Von ihr habe ich das ganze Repertoire gehört. Ich mache nur die Noten auf und kenne schon die Musik. Ich muss nur mehr die Texte lernen“, sagt sie. Während ihres ersten Engagements in Meiningen – „Dort habe ich zum Glück einige schwere Sachen ausprobieren dürfen, sodass ich an großen Häusern schon wusste, wo die schweren Stellen sind“ – hat Elina Garanca übrigens perfekt Deutsch gelernt, indem sie einfach konsequent die Nachrichten im Fernsehen belauschte.
Rundum Zufriedenheit also, angesichts herrlicher Aussichten. Und doch: „Reisen, probieren, singen, reisen, probieren, singen, das ist nicht mein Leben. Ich gehe ja auch nicht als Charlotte oder Carmen durch die Welt, sondern als Elina. Auch Kinder möchte ich haben“, sagt die frischvermählte Diva, „obwohl meine Kolleginnen sagen, der ideale Zeitpunkt dafür käme nie...“

Starmania: Die Teilnehmer der Runde vier
Paul Newman: Eine Hollywood- Legende ist tot
Film-News: Neue Filme, bekannte Stars

RSS