Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ist es zu einem Eklat gekommen: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den Ehrenpreis der Stifter zurückgewiesen. "Ich nehme diesen Preis nicht an", erklärte der 88-Jährige am Samstagabend überraschend vor den geladenen Gästen in Köln. Vielleicht hätte er dies früher sagen müssen, räumte er ein, aber: "Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet." Er fügte hinzu: "Ich finde es auch schlimm, dass ich das erleben musste."
Am Sonntag meinte Reich-Ranicki gegenüber der Nachrichtenagentur AP , die Produzentin Katharina Trebitsch habe den Preis in Verwahrung genommen. Er wolle ihn definitiv nicht haben.
"Widerwärtige" Verleihung
Er habe zunächst nicht die Absicht gehabt, die Auszeichnung abzulehnen, erklärte Reich-Ranicki. Dass er den Ehrenpreis der Stifter erhalten würde, war bereits am 7. Oktober bekanntgegeben worden. Der Verlauf des Preisverleihung sei für ihn aber so "widerwärtig" gewesen, "dass ich es nicht ertragen konnte", sagte der 88-Jährige. "Es ist unglaublich, dass so etwas gesendet wird." Reich-Ranicki schränkte allerdings ein, es sei "nicht alles schrecklich" gewesen, insgesamt aber so unerträglich, dass er die Entgegennahme des Preises spontan abgelehnt habe. Auf die Frage, ob er damit ein Zeichen setzen wolle, sagte er, die Bekundung persönlichen Unmuts sei immer auch ein Zeichen.
Bei der Verleihung hatte Reich-Ranicki die gezeigten Ausschnitte aus Fernsehsendungen als "Blödsinn" kritisiert. Der irritierte Moderator Thomas Gottschalk versuchte ihn zu besänftigen, indem er eine ZDF-Sendung zur Kritik Reich-Ranickis anbot. Das ZDF erklärte am Sonntag: "Ein Sendungskonzept soll bei einer Zusage des Kritikers bald erarbeitet werden." Er werde sich an einem Klärungsgespräch beteiligen, sagte Reich-Ranicki der AP.
(APA)

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