wien(her). Seit jeher leidet die Universitätsbibliothek Wien unter Platznot. Mit einem riesigen Bauprojekt soll jetzt Abhilfe geschaffen werden: Links des Haupteinganges entsteht ein neues Entlehncenter. Dort, wo sich jetzt noch Turnsäle des Universitätssportinstitutes befinden, soll man bald Bücher ausborgen können.
Geplant ist, dass die Entlehnstelle direkt vom Ring aus zugänglich sein wird. Ein Selbstbedienungssystem soll die Entlehnschalter ersetzen: Mittels Bibliotheksausweis soll man sich die Bücher aus einer Art Kästchen holen können. Und zwar länger als bisher: Bis 22 Uhr soll das Center geöffnet haben, sagt die Direktorin der UB Wien, Maria Seissl. Mitarbeiter wird es in dem Center trotzdem geben: Für Rückgabe und Beratung. Der laufenden Betrieb soll von den Umbauarbeiten nicht beeinflusst werden. Dorthin, wo jetzt die Entlehnstelle ist, kommt dann die Zeitschriftenabteilung, die derzeit in einem Zwischenstock ein Stiefkind-Dasein fristet. Geplant ist auch eine Buchbeförderungsanlage, mit der die Mitarbeiter die Bücher aus dem Magazin quer durch die Uni ins Entlehncenter schicken können. Von den Veränderungen verspricht sich Seissl eine wesentliche Beschleunigung des Betriebs.
In einer weiteren Ausbaustufe soll ein neuer Tiefenspeicher dazukommen. Dann wird die UB wohl endlich Platz für die mehr als 2,6 Millionen Bände umfassende Sammlung haben.
Verhandlungen verzögert
Noch ist das Zukunftsmusik. Wann genau der Spatenstich erfolgen soll, wissen weder Seissl noch Ernst Eichinger, der Pressesprecher der Bundesimmobliengesellschaft (BIG). Die BIG ist im Besitz des Gebäudes am Ring, die Uni Wien lediglich Mieterin. Die Planung ist weitestgehend abgeschlossen. Momentan verhandeln Uni und BIG aber noch über eine Art „Zuschlagsmiete“, sagt Eichinger. Über diese Mieten wird der Umbau refinanziert. Bis jetzt ist man sich noch nicht einig. Starten wollte man mit dem Bauvorhabens eigentlich noch im Herbst. „Wir sind etwas in Zeitverzug“, sagt Seissl.
Irgendwann im Jahr 2010 soll die neu gestaltete UB planmäßig fertig sein. Dann sind die Zeiten vorbei, in denen man sich auf der Suche nach der Unibibliothek auf den zum Verwechseln ähnlichen Feststiege verirrt hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)

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