Warum sind Sie Schauspielerin geworden? Zugegeben, die Frage ist ein wenig platt, bei Katharina Scholz-Manker muss man sie aber gleich zu Beginn stellen. Denn schließlich hätte es auch ganz anders kommen können.
Gerade als älteste Tochter der Vollblutschauspielerin Hilde Sochor und des langjährigen Wiener Volkstheater-Direktors Gustav Manker hätte sie sich auch partout gegen die Bühne und das Theater entscheiden können. So wie die elf Jahre jüngere Schwester Magdalena, die sich für die Medizin entschied. „Zuerst wollte ich das auch“, erzählt Scholz-Manker im Gespräch mit der „Presse“. Sie habe sich oft gefragt, was aus ihr geworden wäre, wenn die Eltern nicht Schauspieler, sondern beispielsweise Besitzer eines Zuckerlgeschäfts gewesen wären. „Vielleicht hätte ich dann auch Zuckerln verkauft.“ Nach der Matura war zuerst klar, dass sie andere Wege als die Eltern geht. „Ich habe mit 18 nach etwas anderem gesucht, aber nach zwei Jahren war irgendwie klar, es geht nicht ohne.“ Nicht ohne das Schauspiel. Weshalb sie von der Angewandten, wo sie Keramik und Textil studierte, und nach einem kurzen Ausflug ins Germanistikstudium, doch noch auf das Reinhardt Seminar wechselte (Max Reinhardt persönlich hatte ihren Vater Gustav in den dreißiger Jahren unterrichtet). Dort aber blieb die junge Katharina Manker auch nicht länger als ein Jahr.
Stattdessen stürzte sie sich in die Praxis, begann als Elevin am Theater an der Jugend und schloss die Schauspielausbildung privat ab. Kurz danach zog es sie von Wien nach Deutschland. In erster Linie, um sich in gewisser Distanz zu den in Wien doch sehr bekannten Eltern zu behaupten. Am Deutschen Theater in Göttingen blieb Scholz-Manker dann ein paar Jahre, bevor sie nach Wien zurückkehrte. „In meinem Fall muss man beweisen, dass man trotzdem, auch mit meinem Namen, etwas kann.“ In jüngster Zeit hat die heute 52-Jährige ein bisschen weniger gespielt, mehr Lesungen gemacht, weil sie sich der Erziehung ihrer Söhne widmete.
Seit Ende September steht sie im Theater Walfischgasse auf der Bühne. Mit ihrer Mutter. Das zwar nicht zum ersten Mal, aber erstmals in einem Zweipersonenstück, das die Autorin Lida Winiewicz eigens für Hilde Sochor (80) geschrieben hat.
In der Tragikomödie „Paradiso“ lernen einander eine alte und eine nicht mehr ganz junge Frau im Park kennen. Aus der Begegnung wird zuerst eine Zweckgemeinschaft, und später Freundschaft.
Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht erst seit dieser engen Zusammenarbeit sehr gut. „Es ist im Laufe der Jahre stark gewachsen“, sagt Katharina Scholz-Manker.
Stimmt es, dass sie ungern über ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Paulus spricht, der, wie sie, den Weg zum Schauspiel gefunden hat? „Ich rede gar nicht ungern über ihn“, sagt sie. „Es ist nur so, dass ich mich immer ein bisschen gegen die Klischees wehren muss, die existieren.“ Seine manchmal aufbrausende Art akzeptiert sie. „Das ist seine Schiene.“ Miteinander gearbeitet haben die beiden nie. „Die Frage hat sich nie gestellt. Ich glaube, wir haben beide nicht das Bedürfnis danach.“
Etwas anderes hingegen könnte durchaus einmal Thema werden. Die Zusammenarbeit mit einem ihrer Söhne, denn das leise Interesse für die Schauspielkunst ist auch in der nächsten Generation schon spürbar.
■Das Stück „Paradiso“ vonLida Winiewicz, gespielt von Hilde Sochor und ihrer Tochter Katharina Scholz-Manker, wird noch am 15., 17. und 18.Oktober im Stadttheater Walfischgasse aufgeführt.
Beginn: jeweils 20 Uhr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2008)

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