Schon seit längerem haben hauptberufliche Journalisten das Potenzial von Bloggern entdeckt. Sie sind manchmal informativer als jede Zeitung, weil sie Geschichten entdecken (können), an die ein normaler Redakteur nicht kommt - trotz guten Kontakten. Sie sind meist näher am Geschehen dran oder selbst die Beteiligten einer Szene. Sie sind an mehr Orten als berufliche Schreiberlinge und manchmal versuchen sie auch, richtig journalistisch zu sein. Zugegeben: Oftmals wird der Blogeintrag vermischt mit einem Kommentar, sodass „Kommentar" oder - meinetwegen - „Kolumne", allenfalls eine „Reportage" als Beitragsform eher passen würde. (. . .) Trotzdem: Auch Journalisten schreiben Kommentare, Kolumnen und Reportagen. Weblogs sind genauso Journale wie die Tageszeitung. Natürlich fehlt meist die gute Schreibe oder das Gegenchecken von Informationen. Daran kann man noch arbeiten. Bürgerjournalismus wird hingegen salonfähig, zum Beispiel auf der „Readers Edition", die nichts anderes ist als ein Weblog, geformt als Magazin. (. . .) Näher dran sein am Geschehen, bürgernahe Geschichten - das ist das Potenzial von Bloggern, die auch Journalisten sein können. Bestimmt.
Frederic Schneider
Deutschland
("Die Presse" Print-Ausgabe, 24.05.2007)

Mandela: Freiheits- Kämpfer, Gefangener, Präsident
Auf der Flucht: Die 10 meist- gesuchten Nazi- Verbrecher
Politiker: Fegefeuer der Eitelkeiten
RSS