Im Urlaub hat mich eine Mücke gestochen. Ich weiß, das ist nichts besonderes, aber diese Mücke war echt sekkant und schwarz-weiß-gestreift. „Stell dir vor“, wollte ich meinem Mann sagen, nachdem ich das Biest erwischt hatte: „Ich habe gerade eine schwarz-weiß gestreifte Mücke erlegt! Hast du so etwas schon gesehen?“ Aber ich sagte nichts, vermutlich, weil es in diesem Moment nicht so wichtig war: Wir beobachteten gerade die Schwalben über den Ziegeldächern von Numana, tranken den Wein, den Bademeister Emilio in den Bergen südlich von Ancona anbaut, und sprachen über Tauben. Dass es in Numana nämlich keine gibt. Und dass es in Eisenerz, wo mein Mann aufgewachsen ist, früher auch keine gab.
Numana ist eine Stadt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Das ist nett, aber manchmal auch lästig: Als ich letztes Jahr von dort aus via E-mail eine Kolumne an die „Presse“ schicken wollte, stellte sich heraus, dass der „Internet-Point“ aus einem einzigen Computer bestand – und der war so alt, dass er mit meinem USB-Stick nichts anfangen konnte. Ach was, fragst du halt in einem Hotel, habe ich mir gedacht. Hatten aber alle keinen Anschluss. Das war 2006.
Seither hat sich nicht viel geändert. Was in Numana neu ist: Der Billig-Shop mit Tops um € 4.99. Die blau umrandeten Zebrastreifen. Die Gerüchte rund um einen Lift, der den Hafen mit der hochgelegenen Altstadt verbinden soll. Und: Die Fünfjährigen im Kindergarten lernen Englisch: „Where are you from?“, fragte mich ein kleiner Bub. Ich war beeindruckt, zumal seine Eltern kein Englisch sprechen. Kaum einer tut das dort, auch nicht Jugendliche. Vielleicht klappt es ja deshalb nicht mit dem Internet.
Aber zurück zur Mücke. Ich bin dann draufgekommen, dass es wirklich ein besonderes Tier war, das ich auf meinem Unterschenkel erlegt hatte: Es heißt Aedes albopictus, auch Tigermücke genannt. Sie stammt aus Asien und hat mit Hilfe des Menschen Italien und Spanien erobert. Auch das ist Globalisierung.
P. S. Von wegen WWW: Jetzt bin ich aus dem Urlaub zurück und der Computer (oder der Server oder die Leitung oder die Software oder irgendwas) hat sämtliche E-mails aus den vergangenen Wochen verschluckt. Es ist, als wäre ich gar nicht fort gewesen.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2007)
Geheimdienste sagen Machtverlust der USA voraus
Koalitionspoker: Endphase mit "Beichtstuhl-Verfahren"
RSS