
Der mögliche Komplize jenes Bosniers, dessen Anschlagsversuch auf die US-Botschaft am Montag vereitelt wurde, hat alle Anschuldigungen kategorisch zurückgewiesen. Der verdächtige Bosnier hatte ihn als Auftraggeber des Anschlags genannt. Der 42-jährige Pensionist Asim C., der den Rucksack fallen ließ, wurde weiter einvernommen. Er zeigte sich verwirrt und befand sich in der Vergangenheit auch "zumindest zeitweise in psychiatrischer Behandlung", sagte Erik Buxbaum, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit.
Asim C. sagte den Beamten, er sei von einem zweiten Mann, dem 34-jährigen Mehmed D., wie er selbst aus Bosnien und in Tulln lebend, zu der Tat aufgefordert worden. Dieser habe ihm den Rucksack übergeben. Noch in den frühen Abendstunden wurde der 34-Jährige an seiner Wohnadresse unter Mithilfe der Anti-Terroeinheit "Cobra" widerstandslos festgenommen.
Mehmed D., ein Arbeiter, der ebenso wie Asim C. mit seiner Familie in Tulln lebt, bestritt jeden Zusammenhang mit dem versuchten Anschlag. Laut Polizei sei er schon einmal im Zuge einer kriminalpolizeilich-technischen Maßnahme aktenkundig geworden. "Nicht als Verdächtiger", wie es hieß.
Asim C. rief bei Botschaft an
Asim C. war jedenfalls in der US-Botschaft kein Unbekannter. Er hatte schon einmal telefonisch Kontakt mit den US-Vertretungsbehörden aufgenommen. Ob die beiden Verdächtigen miteinander in Zusammenhang stehen und, wenn ja, wie, sei derzeit Gegenstand von Ermittlungen.
Es sehe so aus, als wolle sich der bei der US-Botschaft erwischte 42-Jährige beim zweiten Verdächtigen "abputzen", meinte Doris Edelbacher, Sprecherin des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Laut Edelbacher dürfte es keinen islamistisch-extremistischen Hintergrund geben.
Wohnungen durchsucht
Die Ermittler durchsuchten auch beide Wohnungen: Bei Asim C. fanden sie rund ein halbes Kilogramm Plastiksprengstoff, bei Mehmed D. nichts in dieser Richtung. Bei dem Sprengstoff handelt es sich um ein Fabrikat, wie es auch beim Krieg im ehemaligen Jugoslawien verwendet wurde. Es wurde aber bei beiden mehrere CD's und Schriftstücke beschlagnahmt. Deren Auswertung werde ebenso noch längere Zeit in Anspruch nehmen wie jene des bei C. sichergestellten Buches.
Die Polizei erstattete bereits eine erste Anzeige. Der Verdacht gehe in Richtung vorsätzliche Gefährdung durch Sprengmittel und Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel, sagte Buxbaum.
Anschlagsversuch aufgedeckt
Der versuchte Anschlag: Am Montag gegen 11.30 Uhr war Asim C. mit einem Rucksack in die US-Botschaft in der Boltzmanngasse am Alsergrund gekommen und hatte verlangt, den Sicherheitschef zu sprechen. Er durchlief das obligate Sicherheitsprozedur und wurde im Zuge dessen gebeten, den Rucksack durchleuchten zu lassen "Der Scanner hat angeschlagen", schilderte Buxbaum die Ereignisse in der Botschaft.
Asim C. riss den Rucksack an sich und flüchtete über die Boltzmanngasse, überquerte die Alserbachstraße und lief in die Pfluggasse. Dort entledigte er sich seines Rucksacks und versuchte, in die Nußdorfer Straße zu entkommen. Doch die unterdessen vom Botschaftspersonal alarmierten Polizeikräfte nahmen ihn dort fest.
Der Entschärfungsdienst untersuchte den Rucksack und fand darin zwei Handgranaten, deren Zündungen herausgeschraubt waren, Zündmittel und Sprengstoff. Ob und wie diese Mischung zur Detonation gebracht hätte werden können bzw. woher diese Mittel stammen, untersuchte auch am Dienstag noch die Kriminaltechnik.
(APA/Red.)

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