
WIEN. „Es riecht nach Fußball“. Da hatte Heinz Palme, Euro-Koordinator der Regierung, ganz recht. Was zum einen am Kunstrasen lag, auf dem er die „Zwischenbilanz“ zur Euro 2008 präsentierte. Zum anderen an der Jubelstimmung, die Kanzler Alfred Gusenbauer und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka zu verbreiten versuchten.
(So gut wie) erledigt
Die Stadien in den vier Host-Cities (Wien, Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck) sind so gut wie fertig. Die Werbemaßnahmen im In- und vor allem im Ausland wurden teilweise gestartet. Die Strategie heißt offenbar: Sich an erfolgreiche Aushängeschilder anzuhängen: So soll in der Pause des Neujahrskonzerts der Kurzfilm „Mountain Kickoff“ Stimmung für Österreich machen – unter anderem mit einem kickenden „Jedermann“ Peter Simonischek. Mit dem Opernball wird ein weiteres mediales Großereignis in Fußball-Stimmung daherkommen: In die Ball-Eröffnung sollen Fußball-Elemente eingebaut werden. Fixiert wurden auch Werbemaßnahmen während sportlicher Events (Skirennen etc. ) und in Schulen („Kick Kultur“).
Erledigt ist auch die Suche nach den Botschaftern der Leidenschaft, die ihre Umgebung mit dem Euro-Fieber anstecken sollen. Die angestrebte Zahl von 2008 Botschaftern, darunter Promis von Assinger bis Stenzel, wurde erreicht. Christina Stürmer als offizielle Stimme des ÖFB-Song steht im Unterschied zum Uefa-Lied fest: Im Internet wird über einer gemeinsamen Performance von DJ Bobo und DJ Ötzi spekuliert. Die Uefa schweigt noch.
Schon seit längerem steht fest, wie die Sicherheitsvorkehrungen ablaufen werden. Die Feinabstimmung, heißt es immer wieder, könne erst erfolgen, wenn die Qualifikationsspiele abgeschlossen und die Gruppen (am 2. Dezember) ausgelost wurden. Fix ist, dass sich amtsbekannte Gewalttäter während bestimmter Spiele bei der Polizei melden müssen. Weiters wird das Schengen-Abkommen bei bestimmten Spielen aufgehoben – die Polizei wird also an den Grenzen kontrollieren. Die „Präventivhaft“ für Hooligans, die Innenminister Platter vorschwebte, ist vom Tisch. Die Eurofighter werden während der Euro 2008 nicht zum Einsatz kommen.
Weitgehend klar ist auch das Verkehrskonzept. Auch hier beruft man sich auf die Gruppen-Auslosung, ehe offene Fragen geklärt werden können. Das Ziel: Die Fans sollen 50 % aller Fahrten mit der Bahn erledigen, in den Städten sollen 70 % auf Öffis umsteigen.
Einige Kulturprojekte, deren Präsentation immer wieder verschoben wurde, sind mittlerweile konkret. Wie „Eleven Minutes“: Kurzfilme zum Thema Fußball, die von Schweizer und österreichischen Regisseuren gedreht werden. Fix ist auch, dass von 6. bis 21. Mai in Wien die Literaten-EM „Doppelpass“ über die Bühne geht, an der sich Fußball-affine Schriftsteller aus vier Nationen auf dem Fußballplatz messen werden.
(Weitgehend) Offen
Andere Kulturprojekte sind hingegen noch recht vage. So sollen in den Host Cities „Kunstzonen“ das kreative Schaffen der Städte widerspiegeln (in Innsbruck etwa vor dem Landestheater, in Wien am Karlsplatz). Was die Fans dort erwartet, wird aber erst im Frühling feststehen. Erst in Planung ist laut Jürgen Weishäupl von „Österreich am Ball“, die „Kunstmeile Donaukanal“. Wann, wie und wo (vermutlich rund um die Strandbar Herrmann) die Outdoor-Galerie stattfindet, soll in etwa einem Monat feststehen.
Weiters sind die Verträge für das Kombiticket – Fans mit Eintrittskarte können an Spieltagen die Öffis gratis benutzen – trotz Zusagen von ÖBB und Verkehrsbetrieben noch nicht unterschrieben. Das soll noch heuer passieren.
Wie sagte Lopatka, der sich als Fußball-Song übrigens „Immer wieder Österreich“ wünscht? „Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir müssen das Tempo erhöhen.“
Österreich und die Schweiz tragen die Euro 2008 gemeinsam von 7. bis 29. Juni 2008 aus.
Das Eröffnungsspiel findet in Basel, das Finale in Wien statt.
16 Mannschaften nehmen teil, die Auslosung der Gruppen findet am 2. Dezember in Luzern statt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2007)

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