Gesundheit: Ärzte fordern Werbeverbot für Handys

06.11.2007 | 18:24 |   (Die Presse)

Krebsrisiko sei längst belegt. Mobilfunker sprechen von „konstruierter Aufregung“.

AP

Wien (awe). Die nächste Runde im Streit zwischen Mobilfunk-Skeptikern und -Betreibern ist eröffnet. Dienstag veröffentlichte die Wiener Ärztekammer eine Reihe von Forderungen zum Schutz von Kindern vor elektromagnetischer Mobilfunkstrahlung. Die Mobilfunk-Branche wies diese als „konstruierte Aufregung“ zurück.

Die Wiener Ärzte fordern:


•Auszeichnung aller Handys mit dem sogenannten SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate). Dieser Wert gibt jene Energie an, die das Gerät beim Telefonieren ans Gehirn abgibt.


•Eine Art Beipackzettel für Handys, der vor möglichen Gefahren (Krebs) warnt, und eine Anleitung zum sicheren Umgang gibt.


•Werbeverbot für Handys. Die Ärzte wollen das zumindest an Schulen umgesetzt wissen, können sich aber auch weiterreichende Verbote vorstellen.


•Verzicht auf 0-Cent-Tarife, die insbesondere Kinder, die wegen ihres dünneren Schädelknochens ein höheres Krebsrisiko hätten, zu längerem Telefonieren verleiten würden.

Kammer-Präsident Walter Dorner: „Das Image des Handys in unserer Gesellschaft muss sich grundlegend ändern.“ Seriöse Wissenschaftler würden sich längst nicht mehr streiten, ob Handystrahlung das Erbgut schädigt, sondern wie. Das Problem der Ärzte sei, dass diese von einer übermächtigen Industrie regelmäßig als unglaubwürdig hingestellt würden.

Die Reaktion der Industrie folgte prompt. Das Forum Mobilkommunikation (FMK), das die Interessen der Mobilfunker hierzulande vertritt, bezeichnete die Aktion der Ärzte als „konstruierte Aufregung“, die nicht auf wissenschaftlichen Fakten basiere. Kommentar S. 39

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2007)


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2 Kommentare
 
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Von Gast: Handynutzer am 06.11.2007 um 20:34

Wer hat recht?

Ein Dank an die Ärzte, dass sie diese Fragen wieder thematisieren.
Irgendwie erinnert mich das Szenario an die Raucherdiskussion. Auch da kam nach Jahren ans Tageslicht, welche Schäden durch Tabakrauch verursacht werden können. Hier wie dort steht eine mächtige Industrielobby dahinter, die ordentlich vernebelt, denn die Gesundheit der Konsumenten ist für sie zweitrangig, nämlich nach dem Profit. Daher bedarf es objektiver Ansätze, um als Konsument wirklich zu wissen, wie die Dinge stehen.
Im übrigen wüsste ich nicht, aus welcher Motivation die Ärzte Intersse an einer "konstruierten Aufregung" haben sollten. Sie sind ja keine Konkurrenten der Industrie, im Gegenteil, man könnte ja eher meinen - das Verantwortungsbewusstsein für einen Moment ausgeblendet - heilen ist ja ihr job. Umso glaubwürdiger und beachtenswerter sind diese Ausagen, während die aufgeregte Reaktion der Telebranche klar subjektiv ist.

Antworten Von Gast: gast am 06.11.2007 um 22:04

Re: Wer hat recht?

Ohne jetzt werten zu wollen (ich hab keine Ahnung ob die Strahlung schädlich ist oder nicht) - es gibt eine Anti-Strahlungs-Lobby, genauso wie es eine Anti-Impf-Lobby gibt. Finanziell profitieren von einem eventuellen Verbot würden wohl nur obskure Firmen, die Stoffe zur Abwehr der Strahlung verhökern (ja, die gibts wirklich!)

 
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