
Wien. Den Tag vor der Österreich-Reise des Papstes beging man im Vatikan mit einem Dementi: Eine Zeitung, dem Herbeisehnen und – Schreiben von Krisen nicht abgeneigt, vermeldete, dass der Papst krank sei. So heiser gar, dass er seine Reden kürzen werde. Stimmt nicht, ließ Vatikansprecher Federico Lombardi wissen. „Es gibt keinerlei Besorgnis um die Gesundheit des Papstes. Die Heiserkeit löst sich bereits.“ Heute, Freitag, gegen 11.15 Uhr wird Papst Benedikt XVI., heiser oder nicht, in Schwechat landen und bis Sonntagabend in Österreich bleiben.
1. Warum kommt der Papst überhaupt nach Österreich?Offizieller Anlass ist das 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell. Das Programm in Wien und Heiligenkreuz kam später dazu. Dass seine einzige Europa-Reise in diesem Jahr hierher führt, mag auch an der engen Verbundenheit des Papstes mit Österreich liegen. 30 Jahre lang verbrachte er seine Urlaube in Bad Hofgastein. Immer wieder besuchte er auch Kärnten, als der heutige Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari dort von 1981 bis 2001 Bischof war. Mit ihm, wie auch mit dem Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn verbindet den Papst eine jahrzehntelange enge Bekanntschaft.
2. Wieso ist die erste Station des Papstes die Kirche Am Hof?Die Kirche Am Hof, wo 1806 das Ende des Heiligen Römischen Reiches verkündet wurde, ist ein für die katholische Kirche geschichtsträchtiger Ort. Der erste Papst, der Österreich besuchte, Pius VI., spendete hier am Ostersonntag 1782 vor 50.000 Gläubigen den Segen „Urbi et orbi“, ehe er nach Rom zurück reiste, ohne Joseph II. von seiner Kirchenreform abbringen zu können. Papst Johannes Paul II. traf 1983 Am Hof mit Gastarbeitern zusammen. Die Mariensäule am Platz, vor der Papst Benedikt XVI. beten wird, ist eine Reverenz an die Marienfrömmigkeit des Oberhaupts der Katholiken sowie an Mariazell – und der Ort soll auch an den Marienplatz erinnern, den der Papst bei seiner Deutschlandreise in München gleichfalls zuallererst aufgesucht hat.
3. Wie kam es zum Termin auf dem Judenplatz?Der kam relativ spät, auf Betreiben von Kardinal Schönborn, zustande. Um 13.35 Uhr wird der Papst auf dem Judenplatz mit dem Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, und dem Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg vor dem Mahnmal der österreichischen Opfer des Holocaust gedenken. Schweigend – was ganz in Eisenbergs Sinn ist. „Am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu schweigen ist besser als viele Worte“, sagte der Oberrabbiner. Danach wird der Papst auch vor jene Tafel treten, auf der die katholische Kirche ihre Mitschuld an der Judenverfolgung einräumt. Um 13.40 Uhr fährt der Papst laut Protokoll wieder ab.
4. Wie kann man noch an eine Zählkarte für Mariazell kommen?Gar nicht. Alle Zählkarten sind vergeben. Für Mariazell wurden 33.000 Karten ausgegeben, die meisten gingen an Pilger der Diözese Graz-Seckau (7500), gefolgt von Wien (7100). Von den ausländischen Pilgern kommen die meisten (über 1000) aus der Slowakei. Aus Bayern, der Heimat des Papstes, werden 350 Pilger erwartet.
5. Kann man den Papst trotzdem live sehen?Ja, etwa entlang der Strecke, die der Papst heute im Papamobil vom Rennweg in Richtung Innenstadt ab ungefähr 12.15 Uhr (Ring, Augustinerstraße, Kohlmarkt) zurücklegt. Oder direkt am Platz Am Hof um 12.45 Uhr, der frei zugänglich ist (Zugang: Freyung). Oder man ist per TV dabei: ORF2 überträgt ab 11.05 Uhr.
6. Wie groß ist das weltweite mediale Interesse?1600 Journalisten haben sich für den Papstbesuch angemeldet. 1100 haben's allerdings nicht weit – sie kommen aus Österreich. Die größte ausländische Berichterstatter-Mannschaft stellt mit knapp 300 Journalisten Deutschland. 100 italienische Presse-Vertreter bringt der Papst mit; Frankreich, Großbritannien und Polen schicken jeweils 30 bis 40. Aus den USA reisen 12 Berichterstatter an, darunter Vertreter der großen TV-Stationen wie CNN, ABC und NBC. Insgesamt werden Fernseh-Bilder des Papst-Besuchs von 300 TV-Journalisten in 34 Länder übertragen.
7. Wie streng sind die Sicherheitsvorkehrungen?Der Papst gilt als „grundsätzlich hochgefährdet“, dementsprechend groß ist das Aufgebot von Polizei (rund 1900 Mann, darunter 150 Cobra-Beamte) und Bundesheer (1350 Soldaten, 50 Luftfahrzeuge). Seit Donnerstag sind Sprengstoffexperten im Einsatz. Besucher (etwa am Freitag am Platz Am Hof und Sonntag am Stephansplatz) werden an Zugängen kontrolliert, andere Zufahrtsstraßen werden gesperrt und sind nur für Anrainer und Einsatzkräfte zugänglich. Die Buslinien 1A, 2A und 3A sind am Freitag eingestellt, die Linien 71, J, 77 A verkehren eingeschränkt.
8. Was macht der Papst eigentlich heute am Abend?Um 17.30 trifft der Papst in der Hofburg mit Bundespräsident Heinz Fischer zusammen, später mit der Bundesregierung. Um 18.00 Uhr wird er vor Vertretern internationaler Organisationen und des Diplomatischen Corps eine Rede halten. Darin wird es um die christlichen Wurzeln Europas gehen. Mit Spannung wird erwartet, ob zu einem EU-Beitritt der Türkei Stellung nehmen wird.
9. Was kostet der Besuch des Heiligen Vaters in Österreich?4,9 Millionen Euro. Zwei Millionen tragen die Diözesen bei – somit kostet der Papstbesuch jeden Kirchenbeitragszahler rund 50 Cent.
10. Wie geht es für den Papst weiter?Am Samstag reist der Papst gegen 8.15 Uhr per Hubschrauber nach Mariazell, wo er um 10.30 Uhr auf dem Vorplatz der Basilika die Heilige Messe zelebrieren wird. Am Sonntag folgt eine Messe im Stephansdom.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2007)
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