
Washington/Tokio. Wer sich bisher schon unwohl fühlte, weil er bei der Einreise in die USA einen Fingerabdruck hinterlassen musste, wird sich bald endgültig als Verbrecher vorkommen. Denn die USA stellen ihr System um: Touristen werden künftig alle zehn Fingerabdrücke abgenommen, kündigte das Heimatschutzministerium in der Nacht auf Mittwoch an.
„Wir glauben, dass wir mehr Verbrecher fassen können, wenn wir die Abdrücke aller Finger haben“, erklärte Robert Mocny, Chef des Programms „US-Visit“ im Heimatschutzministerium. „Alle Datenbanken arbeiten mit zehn Fingern, unsere soll kompatibel werden.“ Bisher wurde Einreisenden nur der Abdruck der beiden Zeigefinger genommen und in einer Datenbank mit den Fingerabdrücken von Kriminellen und vermeintlichen Terroristen abgeglichen.
Verwechslung durch Ähnlichkeit
Bei „einem Zehntel von einem Prozent“ der Reisenden habe es dabei Probleme gegeben: Ihr Zeigefingerabdruck sei dem registrierter Personen ähnlich gewesen und daher falsch identifiziert worden. Erst eine zweite Kontrolle habe Klarheit geschafft. Diese „Unbequemlichkeit“ hoffe man, mit dem Zehn-Finger-System vermeiden zu können. Die zehn Fingerabdrücke werden von einem optischen Scanner genommen, der keine Spuren hinterlässt.
Erstmals wird die Neuerung am Washington-Dulles-Flughafen ab 29. November umgesetzt. Das werde die Einreise „in der ersten Phase etwas verlängern“, hieß es im Ministerium. Ab 2008 werden schrittweise alle Flughäfen und Häfen auf das neue System umgestellt. Alle Reisenden aus Österreich sind von der Neuerung betroffen.
Auf die so gesammelten Fingerabdrücke haben Strafverfolgungsbehörden der USA Zugriff. Mocny erklärte, man habe auch die Möglichkeit, die Daten dem jeweiligen Herkunftsland zur Verfügung zu stellen. Die österreichische Polizei könnte also zur Aufklärung einer Straftat in Österreich auf die Fingerabdrücke jener Österreicher zugreifen, die in die USA einreisten. Derzeit würden die Fingerabdrücke regelmäßig von einem Land abgefragt. Von welchem, wollte Mocny nicht sagen.
Befragt, ob er nicht fürchte, dass Touristen aufgrund der neuen, verschärften Maßnahme ausbleiben, meinte Mocny: „Wir haben Reisende befragt, sie fühlen sich dadurch überhaupt nicht gestört.“
Japanische Terror-Datei
Nach den USA hat nun auch Japan seine Einreisebedingungen für Ausländer verschärft. An den Flughäfen bildeten sich von den frühen Morgenstunden an riesige Schlangen mit Abfertigungszeiten von mehreren Stunden. Alle Ausländer, mit Ausnahme von Kindern und Diplomaten, müssen sich bei der Ankunft mit Fingerabdrücken und Foto für eine Terroristen-Datei registrieren lassen. Verdächtige werden verhört und im Zweifel sofort abgeschoben.
Wer sich weigert, wird postwendend abgeschoben, ebenso wessen biometrische Daten Übereinstimmungen mit den rund 750.000 „Terrorverdächtigen“ einer geheimen Liste der US-Behörden aufweist. Sonoko Kawakami von Amnesty International in Tokio nennt das eine „entwürdigende Prozedur, deren tiefer Sinn nur darin bestehen kann, Ausländer aus dem Land fernzuhalten“.
Keine Extrawürste
Auch Ausländer mit einer permanenten Aufenthaltserlaubnis („Green Card“) – davon gibt es in Japan rund 2,1 Millionen – müssen sich bei jeder Einreise derselben Prozedur stellen. Außerdem werden die Daten mit Listen der Polizei und Interpol abgeglichen. Amtlich wird dieser Schritt als „effektive Vorbeugung und Werkzeug gegen Terrorismus und ansteckende Krankheiten“ deklariert. Es hat aber noch nie einen Terroranschlag von Ausländern in Japan gegeben. Die Giftgas-Attacke 1995 auf die Tokioter U-Bahn war von einer japanischen Sekte verübt worden.
USA: Ab Ende November muss künftig jeder Einreisende nicht nur einen Iris-Scan über sich ergehen lassen, sondern auch Abdrücke aller zehn Finger abgeben.
Japan: Die Fingerabdrücke und Fotos von allen Ausländern – mit der Ausnahme von Kindern und Diplomaten –, die nach Japan einreisen werden gespeichert. Straffälligen kann die Einreise verweigert werden, ebenso Terror-Verdächtigen.
EU-Länder: Visum-Antragsteller für EU-Staaten müssen künftig ihre biometrischen Daten abliefern. Geplanter Start des Visum-Informationssystems: Anfang 2008
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)


Gay Pride Parade: Grellbunte Kostüme und nackte Haut
Foto-Saboteure: Wenn sich Idioten ins Bild schmeißen
Russische Hippies: Alles, was die Eltern verboten haben
Daspu: Vom Strich auf den Laufsteg