
KHARTUM(red.). Vor dem Gerichtsgebäude der sudanesischen Hauptstadt drängen sich hunderte Demonstranten, Polizisten mit Schilden und Helmen bahnen der Angeklagten einen Weg durch die aufgebrachte Menge. Aber die 54-jährige Britin Gillian Gibbons ist keine Mörderin, keine Terroristin: Sie ist Lehrerin. Am Sonntag war sie wegen Beleidigung des Islam und des Propheten Mohammed verhaftet worden.
Im August hatte Gibbons ihre Position als stellvertretende Direktorin einer Volksschule in Liverpool aufgegeben, um zwei Jahre lang an einer Privatschule im Sudan Biologie zu unterrichten. An der christlichen Unity High School in Khartum, die auch muslimische Schüler aufnimmt, startete Gibbons im September ein verhängnisvolles Klassenprojekt: Die sechs- bis siebenjährigen Schüler sollten abwechselnd einen Teddybären mit nach Hause nehmen und über seine Erlebnisse schreiben. Um die Schüler zusätzlich zu motivieren, ließ Gibbons sie einen Namen für das Stofftier auswählen. Aus den Vorschlägen Abdullah, Hassan und Mohammed, die die Kinder eingebracht hatten, stimmten schließlich 20 von 23 für letzteren. Das Buch über die Erlebnisse des Teddys erhielt daher den Titel „Mein Name ist Mohammed“.
Geld, Gefängnis oder Hiebe
Das ist einigen strenggläubigen Eltern im großteils muslimischen Khartum unangenehm aufgestoßen: Einer Beschwerde beim sudanesischen Erziehungsministerium folgte schließlich die Verhaftung der Lehrerin am Sonntag.
Gestern klagte der Sudan Gillian Gibbons wegen Blasphemie an. Weil sich dort im Bürgerkrieg zwischen 1983 und 2005 der islamische Norden und der christliche Süden gegenüberstanden, ist man in religiösen Angelegenheiten höchst empfindlich: der islamische Gesetzeskodex, die Scharia, sieht für die Beleidigung der Religion oder des Propheten Mohammed eine Geldstrafe, bis zu sechs Monate Haft oder bis zu 40 Peitschenhiebe vor. Eine Strafe, die Gillian Gibbons nach Ansicht des Schulleiters der Unity High School, Robert Boulos, nicht verdient: „Es war ein Missverständnis. Sie würde niemals den Islam beleidigen.“ Der Vorsitzende des Schulrates, Bischof Ezekiel Kondo, vermutet unterdessen, dass die Lehrerin Opfer einer Auseinandersetzung der Schule mit den Steuerbehörden geworden sein könnte: „Es ist eine Art Erpressung.“
„Sie muss sterben“
Wo auch immer die Ursachen liegen, die Affäre um den Teddy Mohammed zieht weite Kreise: Der britische Außenminister David Miliband hat den sudanesischen Botschafter zu sich zitiert, Premierminister Gordon Brown zeigt sich enttäuscht von den Vorgängen, die USA sind „besorgt“.
Es droht auch Gefahr, dass die Angelegenheit von radikalen Gruppen instrumentalisiert wird: Ein Flugblatt, das am Donnerstag von muslimischen Studenten formuliert wurde, um Proteste gegen die Beleidigung Mohammeds zu entfachen, hält fest: „Wenn sie den Propheten gemeint hat, ist das für Muslime ein großes Problem. Sie muss sterben.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2007)
Polizei: Karlsplatz-Szene gewaltbereit
Der neue Goldrausch in Amazonien
Verrückte Wetten: Reich werden mit Paris Hilton und dem Papst
European Dog Show: Schöne, schräge und sportliche Hunde
Himmlischer Genuss: Süßes im Namen Gottes
Über den Ärmelkalal: Der ''Fusionman'' ist gelandet
Schiiten: Blutiges Gedenken an Imam Ali
Blickfang: Bilder des Tages
Schnappschuss: Die besten Sportbilder
RSS