Sudan: Ein Teddy namens Mohammed

29.11.2007 | 18:16 |   (Die Presse)

Einer britischen Lehrerin drohen vierzig Peitschenhiebe – wegen Blasphemie.

EPA

KHARTUM(red.). Vor dem Gerichtsgebäude der sudanesischen Hauptstadt drängen sich hunderte Demonstranten, Polizisten mit Schilden und Helmen bahnen der Angeklagten einen Weg durch die aufgebrachte Menge. Aber die 54-jährige Britin Gillian Gibbons ist keine Mörderin, keine Terroristin: Sie ist Lehrerin. Am Sonntag war sie wegen Beleidigung des Islam und des Propheten Mohammed verhaftet worden.

Im August hatte Gibbons ihre Position als stellvertretende Direktorin einer Volksschule in Liverpool aufgegeben, um zwei Jahre lang an einer Privatschule im Sudan Biologie zu unterrichten. An der christlichen Unity High School in Khartum, die auch muslimische Schüler aufnimmt, startete Gibbons im September ein verhängnisvolles Klassenprojekt: Die sechs- bis siebenjährigen Schüler sollten abwechselnd einen Teddybären mit nach Hause nehmen und über seine Erlebnisse schreiben. Um die Schüler zusätzlich zu motivieren, ließ Gibbons sie einen Namen für das Stofftier auswählen. Aus den Vorschlägen Abdullah, Hassan und Mohammed, die die Kinder eingebracht hatten, stimmten schließlich 20 von 23 für letzteren. Das Buch über die Erlebnisse des Teddys erhielt daher den Titel „Mein Name ist Mohammed“.


Geld, Gefängnis oder Hiebe

Das ist einigen strenggläubigen Eltern im großteils muslimischen Khartum unangenehm aufgestoßen: Einer Beschwerde beim sudanesischen Erziehungsministerium folgte schließlich die Verhaftung der Lehrerin am Sonntag.

Gestern klagte der Sudan Gillian Gibbons wegen Blasphemie an. Weil sich dort im Bürgerkrieg zwischen 1983 und 2005 der islamische Norden und der christliche Süden gegenüberstanden, ist man in religiösen Angelegenheiten höchst empfindlich: der islamische Gesetzeskodex, die Scharia, sieht für die Beleidigung der Religion oder des Propheten Mohammed eine Geldstrafe, bis zu sechs Monate Haft oder bis zu 40 Peitschenhiebe vor. Eine Strafe, die Gillian Gibbons nach Ansicht des Schulleiters der Unity High School, Robert Boulos, nicht verdient: „Es war ein Missverständnis. Sie würde niemals den Islam beleidigen.“ Der Vorsitzende des Schulrates, Bischof Ezekiel Kondo, vermutet unterdessen, dass die Lehrerin Opfer einer Auseinandersetzung der Schule mit den Steuerbehörden geworden sein könnte: „Es ist eine Art Erpressung.“


„Sie muss sterben“

Wo auch immer die Ursachen liegen, die Affäre um den Teddy Mohammed zieht weite Kreise: Der britische Außenminister David Miliband hat den sudanesischen Botschafter zu sich zitiert, Premierminister Gordon Brown zeigt sich enttäuscht von den Vorgängen, die USA sind „besorgt“.

Es droht auch Gefahr, dass die Angelegenheit von radikalen Gruppen instrumentalisiert wird: Ein Flugblatt, das am Donnerstag von muslimischen Studenten formuliert wurde, um Proteste gegen die Beleidigung Mohammeds zu entfachen, hält fest: „Wenn sie den Propheten gemeint hat, ist das für Muslime ein großes Problem. Sie muss sterben.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2007)


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1 Kommentar
 
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Von Kerberos am 29.11.2007 um 19:50

Da gibts es weit ärgere ungesühnte Beleidigungen des Propheten

Nach dieser Sichtweise müsste jeder Rechtsbrecher, der den Namen Mohammed trägt, wegen Beleidigung der Religion und/oder des Propheten noch extra bestraft werden - schon ein Dieb namens Mohammed wäre unter diesem Gesichtspunkt absolut unerträglich und Anlass für Massenaufstände und Demonstationen Hunderttausender Muslime.

Wo hat jemand solche Aufstände schon beobachtet?
Welcher Religionslehrer hat je einen Schüler namens Mohammed darauf hingewiesen, dass er den Prophet beleidigt, wenn er als Träger dieses Namens Unrecht tut? Wie wäre das, wenn solcherart völlig korrekt in einer Zeitung stünde: "Mohammed hat gestohlen!" - Oder macht das nur Probleme, wenn's in einer Zeitung ohne islamischen Hintergrund steht?

 
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