
Kairo/Bagdad(gaw). Eine Türe wurde aufgestoßen, die fast drei Jahrzehnte verschlossen war. Erstmals seit 27 Jahren trafen sich am Montag die USA zu offiziellen bilateralen Gesprächen mit Iran, die von den USA im Anschluss als „positiv und sachlich“ bezeichnet wurden. Das Treffen fand in Bagdad in der Residenz des irakischen Ministerpräsidenten Nuri el Maliki in der schwer bewachten, sogenannten „Grünen Zone“ statt. Thema der vierstündigen Zusammenkunft soll ausschließlich die Lage im Irak und nicht das iranische Atomprogramm gewesen sein.
Für Washington nahm der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, an dem Gespräch teil. Iran wurde durch den Botschafter in Bagdad, Hassan Kasemi-Qomi, vertreten. Die Gespräche seien „sachlich und positiv“ gewesen und es gebe eine „breite Übereinstimmung die Irak-Politik beider Länder betreffend“, erklärte Crocker im Anschluss an das Treffen. Die Iraner sollen nach US-Angaben eine weitere Zusammenkunft vorgeschlagen haben. Teheran soll vorgeschlagen haben, das Instrument einer „Dreiergruppe“ einzurichten. Iran, der Irak und die USA sollen sich im Rahmen dieses Gremiums regelmäßig mit irakischen Sicherheitsfragen beschäftigen.
Iran betrachtet die US-Präsenz in seinem Nachbarland Irak als eine direkte Bedrohung seiner nationalen Sicherheit, während Washington Teheran immer wieder vorwirft, den iranischen Einfluss im Irak zu nutzen, um die dortige Lage zu verschärfen, etwa durch die Unterstützung der schiitischen Milizen.
Crocker: „Taten, nicht Worte“
Das US-Militär im Irak bezichtigt die Iraner, hochentwickelte Straßenminen zu liefern, denen US-Soldaten fast täglich im Irak zum Opfer fallen. Auch US-Botschafter Crocker hatte seine iranischen Gesprächspartner erneut aufgefordert, das Training und die Bewaffnung der mit Teheran verbündeten schiitischen Milizen zu unterlassen. Dabei gelte es, die „Taten und nicht die Worte Teherans zu beurteilen“, sagte Crocker.
Die iranische Regierung hatte im Vorfeld des Treffens gemischte Signale ausgesandt. Irans Außenminister Manouchehr Mottaki ließ verlauten, dass die Gespräche nur dann Erfolg haben könnten, wenn Washington „seine verfehlte Politik” ändere. Gleichzeitig lancierte die Regierung in Teheran am Wochenende Meldungen, laut denen die iranische Spionageabwehr mehrere amerikanische und westliche Agentenringe enttarnt habe. Der Schweizer Botschafter als Vertreter der US-Interessen im Iran wurde inzwischen ins Außenministerium in Teheran einberufen.
Laut den Meldungen sollen auch irakische Gruppen in die nachrichtendienstlichen Tätigkeiten verwickelt gewesen. Die Spionageringe seien im Westen, im Südwesten und im Zentraliran mit Sabotageakten aktiv gewesen. Einzelheiten werde die Regierung in den kommenden Tagen mitteilen, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur.
Dagegen hatte der oberste US-Kommandeur im Mittleren und Nahen Osten versucht, im Vorfeld der Bagdader Gespräche für gutes Klima zu sorgen, indem er „Teheran als bedeutenden Akteur in der Region“ bezeichnet hatte. Washington könne Iran nicht ignorieren, sagte Admiral William Fallon. „Wir müssen einen Weg finden, mit ihnen zu einer Vereinbarung zu kommen.“ Zugleich bekräftigte Fallon, die Vereinigten Staaten würden sich nicht wie von Iran erhofft aus der Region zurückziehen. Die USA hielten ihre Präsenz dort wie seit Jahrzehnten weiter aufrecht.
KommentarSeite 351953: CIA-Putsch gegen den iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh.
1980: Geiselnahme von 66 Menschen in der US-Botschaft in Teheran. Krise dauert 444 Tage.
2002: US-Präsident George W. Bush nennt den Iran als Mitglied der „Achse des Bösen“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2007)



