WASHINGTON. Es war kein gutes Wochenende für Rush Limbaugh. Das Sprachrohr der amerikanischen Konservativen redete sich in seiner millionenfach gehörten Radioshow gegen Al Gore heiser. Dass ausgerechnet dieser Faktenverdreher den Friedensnobelpreis bekommen habe, diskreditiere die Auszeichnung für alle Zeiten. „Jetzt glaubt er wahrscheinlich auch noch, als Präsident kandidieren zu müssen.“
Für Rush Limbaugh eine Horrorvorstellung. Vielleicht auch deswegen, weil Gore schon einmal einen Republikaner geschlagen hat, aber dennoch George W. Bush dank des US-Höchstgerichts Präsident wurde. Doch jetzt, 2008, sei die Zeit für Al Gore reif: „Wählen wir ihn wieder“, lautet der Aufruf auf der Internet-Diskussionsseite „democraticunderground.com“.
Seit Gore den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen den Klimawandel zugesprochen bekommen hat, rotiert die US-Politik. Auf dem größten demokratischen Internet-Forum überschlagen sich Diskutanten vor Euphorie: „Und wenn wir ihn auf das Podium zerren müssen“ – Gore müsse kandidieren, heißt es dort.
Die Beiträge klingen deswegen leicht verzweifelt, weil der einstige Vizepräsident wenig Anstalten macht, ins Rennen zu gehen. Und das trotz des Friedensnobelpreises und des in Amerika vielleicht noch wichtigeren Oscars, den er für seinen Film „Eine unangenehme Wahrheit“ bekommen hat.
Gore will Hillary nicht schaden
Gore schweigt zu allen Spekulationen und beschränkte seine öffentlichen Auftritte seit Freitag auf eine kurze Dankesrede für den Preis. In einem Interview vor mehreren Tagen mit dem Harvard-Magazin „02138“ sagte er aber: „Ich habe eine Rückkehr in die Politik nicht völlig ausgeschlossen. Ich bezweifle aber, dass es jemals passieren wird.“ Derzeit sei er für eine Kandidatur jedenfalls nicht bereit.
Warum – dafür gibt es viele Begründungen. Einmal wolle er nicht seiner guten Freundin Hillary Clinton schaden, die derzeit die unumstrittene Favoritin unter den demokratischen Kandidaten ist, lautet eine. Eine andere: Er wolle sich nicht seinen guten Ruf, den er jetzt genieße, mit einer möglicherweise wieder nicht erfolgreichen Kandidatur zerstören.
„Warum soll er als Präsident kandidieren, wenn er ein Halbgott sein kann“, sagte der Abgeordnete Rahm Emanuel, ein ehemaliger Top-Berater in Bill Clintons Administration. Ein früherer Gore-Mitarbeiter erklärte, der Vizepräsident habe mit der Politik abgeschlossen, er wolle sich nun ganz seinem Leibthema widmen: dem Klimawandel.
Nobelpreis als Abfuhr für Bush
Möglicherweise ist es auch Kalkül. Denn selbst wenn Al Gore eine Kandidatur verkünden würde, hätte das wenig Auswirkungen auf das Kandidatenfeld. Zwei brandaktuelle Umfragen sehen ihn trotz des Gewinns des Nobelpreises deutlich hinter Clinton.
Wenn es um den politischen Nutzen Gores geht, dann hat er seinen Höhepunkt jedenfalls erreicht und den Sieg gegen den Erzfeind aller Demokraten, George W. Bush, errungen: Kaum eine Zeitung, die Gore nicht mit Bush vergleicht und feststellt, um wie viel besser die Arbeit Gores für Amerika ist. Der Friedensnobelpreis für den Demokraten sei eine weitere deutliche Abfuhr an einen unpopulären Präsidenten, schrieb etwa die „Washington Post“.
Den Nobelpreis hat Al Gore für den Kampf gegen den Klimawandel erhalten. Seine Anhänger wollen, dass er sich nochmals für das Präsidentenamt bewirbt.
Aktuelle Umfragen sehen Gore aber deutlich hinter Hillary Clinton – eine mit einem Abstand von fast 30 Prozentpunkten an zweiter Stelle. In einer Gallup-Umfrage ist er sogar nur Nummer drei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2007)
Porträt: Al Gore
Friedens-Nobelpreis: Von Gorbatschow bis Gore




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