
Nach den Parlamentswahlen im Kosovo hat Hashim Thaci angekündigt, dass "jetzt die Zeit der Entscheidung" sei. Thaci ist der wahrscheinlichste Nachfolger des scheidenden Premiers Agim Ceku. "Wir können nicht warten, bis alle Staaten bereit sind, uns anzuerkennen", betonte der ehemalige Untergrundkämpfer, der einen unabhängigen Kosovo durchsetzen will. Thacis Demokratische Partei (PDK) ist Siegerin des Urnengangs vom Samstag. Auch nach Auszählung der Stimmen aus neun von zehn Wahllokalen war sie mit 34 Prozent stimmenstärkste Partei und verdrängte damit die regierende Demokratische Liga (LDK) von Präsident Fatmir Sejdiu von Platz eins.
EU warnt Kosovo vor Alleingang
Mehrere EU-Außenminister warnten unterdessen in Brüssel vor einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung der UNO-verwalteten serbischen Provinz. Der schwedische Außenminister Carl Bildt appellierte am Montag an Thaci, sich künftig als "verantwortungsvoller Premierminister" zu verhalten. "Kosovo ist de facto unabhängig von Serbien. Ich glaube nicht, dass Kosovo unabhängig von der internationalen Gemeinschaft sein will", sagte Bildt.
VP-Außenministerin Ursula Plassnik sagte, die EU müsse sich "realistischerweise mit dem Gedanken beschäftigen", dass es bei den Troika-Verhandlungen über den völkerrechtlichen Status des Kosovo "zu keinem Einvernehmen kommt". Die EU habe Interesse daran, dass sich alle Partner "umsichtig verhalten".
Russland warnte die EU vor Parteinahme. "Die Unterstützung der Separatisten im Kosovo durch einige EU-Politiker führt den Verhandlungsprozess in eine Sackgasse", sagte der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses der Staatsduma, Konstanin Kossatschow.
Abstimmung mit EU und USA
Eine Unabhängigkeitserklärung werde es nur nach Abstimmung mit den USA und der EU geben, bemühte sich Thacis stellvertretender Parteichef Hajredin Kuci, die Wogen zu glätten. Die USA haben bereits angekündigt, die Unabhängigkeit anzuerkennen, Russland lehnt sie ab. Unter den EU-Ländern herrscht darüber bisher keine Einigkeit.
Wahlsieger Thaci ist seit Beginn der Verhandlungen mit Belgrad über den Status des Kosovo Mitglied der kosovo-albanischen Delegation. Unter Vermittlung der sogenannten Kosovo-Troika kommen die Konfliktparteien am Dienstag zum fünften Mal zusammen - diesmal in Brüssel. Damit treten die Gespräche in die Endphase. Serbiens Präsident Boris Tadic zeigte sich aber pessimistisch, dass es doch noch zu einer "wunderbaren Lösung" in den Verhandlungen kommen könne. (APA/Red.)





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