Serbien wartet auf seine „Belohnung“

23.07.2008 | 18:09 |  HELMAR DUMBS (Die Presse)

Nach der Verhaftung von Radovan Karadzic hofft Belgrad, dass die EU auf Serbien zugeht und ihm noch 2008 Kandidaten-Status verleiht. Noch bremsen einige EU-Staaten aber sogar beim Handelsabkommen.

Wien. Schon in den nächsten Tagen dürfte Radovan Karadzic an das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien überstellt werden. Und in Belgrad erwartet man, dass Brüssel diese (Aus)Lieferung nach Den Haag im Wortsinne honoriert – und die EU-Staaten das auf Eis liegende Assoziierungsabkommen auftauen.

In den Beifall für die Verhaftung Karadzics mischte sich aber die Forderung mehrerer EU-Staaten, dass zuvor auch der noch flüchtige Ex-Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic gefasst werden muss. „Es gab eine Festnahme, aber das genügt nicht“, beschied Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner. In der serbischen Regierung will man von Enttäuschung aber nichts hören – und setzt darauf, dass auch vor einer Auslieferung Mladics zumindest ein Interims-Abkommen möglich ist: „Es gibt keinen Grund, uns dieses Handelsabkommen zu verweigern. Jetzt ist es unbestreitbar, dass nicht nur der Wille zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal existiert, sondern dass es auch Taten gibt“, sagt Ksenija Milivojevic, EU-Beauftragte von Vizepremier Bozidar Djelic, im Gespräch mit der „Presse“. Sie hofft, dass Serbien bis Jahresende mit dem EU-Kandidaten-Status belohnt wird.

Dass Karadzic nur Wochen nach dem Regierungswechsel geschnappt wurde, ist für Milivojeviceine „Frage der politischen Verantwortung“. Wenn niemand diese übernimmt, passiert eben nichts. „Ein wichtiger Aspekt ist sicher, dass die neue Regierung die Kontrolle über den Geheimdienst übernommen hat“, meint Milivojevic.


Mehrheit ist für Auslieferung

Der Haken bei der Sache: Auch wenn Serge Brammertz, Chefankläger des Tribunals, Serbien die volle Kooperation bescheinigt, kann ein einzelnes EU-Land sogar das Interimsabkommen verhindern. Und wenn es mittelfristig keine „Belohnung“ von der EU gibt, würde das die proeuropäischen Kräfte in Serbien schwächen, meint auch der Belgrader Meinungsforscher Srdjan Bogosavljevic. Eine Mehrheit der Serben sei zwar für eine Auslieferung Mladics nach Den Haag – aber nur, „um damit negative Konsequenzen abzuwehren“.

Wird Serbien auf Mladics Verhaftung warten müssen, damit die EU die Beziehungen auf eine neue Stufe hebt? „Das war hier nie die vorherrschende Meinung“, heißt es in EU-Ratskreisen: Wenn Brammertz grünes Licht gebe, werde der EU-Rat der Empfehlung wohl folgen. Wesentlich sei, dass man den Eindruck habe, Serbien unternehme alles, um die noch Flüchtigen zu fangen. Doch das kann dauern: Zunächst muss Karadzicaber einmal überstellt werden, dann Brammertz sein Urteil sprechen – und im August finden keine Ratssitzungen statt. Serbien dürfte sich also zumindest bis September gedulden müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2008)


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7 Kommentare
 
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Von Gast: Shqip20 am 24.07.2008 um 13:42

Behlonen?

Für was bitte schön soll Serbien belohnt werden, dass die eine Kriegsverbrecher erst jetzt ausgeliefert haben?

Ich glaube eher dass jeder Belgrader wusste wo der sich versteckt und gerade die "Sicherheitsdienste".

Die haben Ihn freilaufen lassen, bis sie einen Moment gefunden haben, die für Serbien gelegen kommt.

Ich hoffe dass Serbien nicht vor dem Kosovo in der EU kommt, sonst wird der Konflikt viel größer als 1999.
Und damit meine ich nicht uns Albaner sonder es wird brenslich für die Serben.

Antworten Von Gast: cccc am 26.07.2008 um 15:24

Re: Behlonen?

liefer du erst mal thaci aus

Von Gast: zantana am 23.07.2008 um 23:08

Belohnung

Für was soll Serbien belohnt werden? Für die Auslieferung
eines Kriegsverbrechers?

Ich hoffe, dass man sich mit der Auslieferung von
Mladic noch weitere Jahre Zeit lässt, damit sich die
EU diese Nationalistengeneration erspart.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass man eine
EU-weite Volksabstimmung für neu aufzunehmende
Beitrittsländer durchführen muss und dies nicht den
Politikern überlassen darf.

Von Störenfried am 23.07.2008 um 20:40

......

Ganz klar jetzt wollen sie belohnt werden für die Selbstverständlichkeit einen Kriegsverbrecher auszuliefern. Dafür soll ihnen nun in einiger Zeit eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt werden was Milliardensubventionen erfordert. Dafür kriegen wir in Westen - besonders in Österreich dann eine erneute Einwanderungslawine Hunderttausender "Kulturbereicherer". Ist jetzt schon in den Straßen Wiens die deutsche Sprache auf dem Rückzug.

Sieht nach einen guten Geschäft für die Serben aus - westliche Dummheit machts möglich.

Antworten Von Gast: mandolino am 24.07.2008 um 06:20

Re: ......

An Störenfried
Ihr Beitrag erinnert mich an eine Zeit, wo man noch die Hand zum H....gruss erhob und alles was nicht deutsch war mit Wagons nach Polen karrte...
Interessant ist bloss, dass wie immer mit verschiedenen Massstäben gemessen wird. Über kroatische, bosnische und albanische Kriegsverbrecher, welcher das Haager Tribunal wieder nach hause sendet "mangels beweisen" haben sie sich nicht so echauffiert...
Bitte deshalb zuerst "Denken, schlucken, sprechen" oder einfach Klappe zu

Antworten Antworten Von Gast: zantana am 24.07.2008 um 08:30

Re: Re: Mandolino

Es sind auch kroatische + bosnische KV in Haft, allerdings
sind die K-Verbrechen der serb.Aggressoren weit aus
schlimmer gewesen, als die der Gegenseite(n).

Bitte halten Sie sich an die Fakten , wenn Sie schon
mitdiskutieren wollen, ansonsten sollten Sie sich an Ihr eigenes Motto der letzten 2 Zeilen halten.

Antworten Antworten Antworten Von Gast: Kenner am 24.07.2008 um 11:50

Re: Re: Re: Mandolino

Was für Agressoren? Es war ein Bürgerkrieg. Sie sollten sich zuerst informieren, bevor Sie jemanden belehren.

mfg. Kenner

 
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