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Sarah Palin: Die Entzauberung der „Hockey Mom“

12.10.2008 | 18:24 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Schwere Vorwürfe des Amts-Missbrauchs gegen Sarah Palin. McCains „Wunderwaffe“ geht nach hinten los.

WASHINGTON. Was war sie nicht bejubelt worden von der republikanischen Basis beim Parteitag in St. Paul vor gerade einmal sechs Wochen, als John McCain sie als Vizepräsidentschaftskandidatin aus dem Hut zauberte. Sarah Palin eroberte die Herzen der Republikaner im Sturm.

Frisch und fröhlich sprach die 44-jährige Gouverneurin aus Alaska den Delegierten aus der konservativen Seele. Und dass ihre 17-jährige Tochter ein uneheliches Kind erwartet, machte die patente Politikerin – eine deklarierte Abtreibungsgegnerin – noch sympathischer.

Missbrauchte Palin ihr Amt?

Die „Hockey Mom“ und Elchjägerin dominierte die Schlagzeilen und verlieh der Kampagne der Republikaner neuen Schwung. Endlich, so der Tenor, hatte der republikanische Kandidat McCain einen Treffer gelandet.

Rasch stellte sich allerdings heraus, dass Palins Weste keineswegs so makellos ist, wie sie vorgab. Ihr Vorleben hielt einer sorgfältigen Prüfung nicht stand, Anekdoten machten die Runde. Kaum nominiert, stießen die Medien auf dunkle Flecken. Sofort nach ihrer Nominierung durchstöberten Journalisten Wasilla, die Heimatstadt der ehemaligen Schönheitskönigin. Sie beförderten gleich zu Beginn ihrer Recherchen einiges zutage.

Doch McCains Wahlkampfteam ging der Gag, der Überraschungseffekt über alles: Die unerfahrene Politikerin, gepriesen als „Wunderwaffe“, sollte den jugendlichen Charme des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama konterkarieren. Und das gelang ihr auch – wenngleich nur für wenige Wochen. Schon bald schrumpfte der Vorsprung, den sich McCain nach der republikanischen Convention erarbeitet hatte. Seither geht es nur noch bergab.

Obwohl von Polit-Profis instruiert, gab Palin sich nach und nach politische Blößen, die ihre Unbedarftheit und Ahnungslosigkeit in zentralen Fragen etwa der Außenpolitik enthüllten. Dass sie bei klarer Sicht über die Bering-See nach Sibirien blicken könnte, sollte ihre Kompetenz in der Russlandpolitik veranschaulichen – und das war nicht als Witz gedacht.

Die Entzauberung der Sarah Palin ist indessen in vollem Gang. Nachdem ein Parlamentsausschuss im heimatlichen Alaska ihr den schwerwiegenden Vorwurf des Amtsmissbrauchs um die Ohren gehauen hat, steht die vermeintliche Sauberfrau plötzlich ziemlich angepatzt da. Bei der Entlassung des Polizeichefs von Alaska, Walt Monegan, verquickten sich Privates und Politik. Trotz massiven Drucks hatte der sich nämlich geweigert, einen Untergebenen zu feuern: Mike Wooten, gerade in einem bösen Scheidungskrieg mit Palin-Schwester Molly verstrickt. Insbesondere Sarah Palins Mann Todd soll sich bei den Machenschaften hervorgetan und auch die Amtsräume der Gouverneurin benutzt haben.

Obama zieht davon

Die Untersuchungskommission, bereits vor der Berufung Palins zur Nummer zwei des republikanischen Tickets eingesetzt, wirft der Gouverneurin vor, ihrem Mann freien Lauf gelassen zu haben. In einer notariellen Erklärung behauptet Todd Palin zwar Gegenteiliges, und auch McCain nimmt seine Kandidatin in Schutz.

Die Anschuldigungen sind ein weiterer Rückschlag für die Republikaner. Denn unterdessen zieht Obama in den Umfragen davon. Je nach Meinungsforschungsinstitut summiert sich sein Vorsprung auf sechs bis elf Prozent, und er wächst von Tag zu Tag. In einigen umstrittenen „Swing-States“ hat sich das Blatt gewendet, die Kampagne zur Registrierung neuer Wähler schlägt zugunsten der Demokraten zu Buche. Obama profitiert insbesondere vom galoppierenden Vertrauensverlust gegen die Bush-Regierung in der Finanzkrise.

Anders als in den vergangenen Wahlen wollen die Demokraten den sicher scheinenden Sieg diesmal nicht mehr aus der Hand geben. Wenige Tage vor der Wahl hat Obama soeben zwei halbstündige Werbesendungen zur Hauptsendezeit gekauft. Einen solchen Luxus hat sich zuletzt der Milliardär Ross Perot als unabhängiger Kandidat 1992 geleistet, als er Präsident George Bush sen. Millionen Stimmen wegnahm.

AUF EINEN BLICK

Barack Obama, der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, baut seinen Vorsprung auf John McCain aus. Laut einer Reuters/C-Span/Zogby-Umfrage führt er mit 49 zu 43 Prozent vor seinem republikani-schen Konkurrenten John McCain. Vor einer Woche erst hatte das Institut Obama nur drei Prozentpunkte voran gesehen. In anderen Umfragen hat er sich sogar um elf Prozentpunkte abgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)


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26 Kommentare
 
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Von Gast: Berga am 13.10.2008 um 19:44

Ich würde sagen

sie ist sowas wie die Ferreo-Waldner der USA.

Von Kito am 13.10.2008 um 13:57

Vielzitierter Sack Reis in China

Gibt es etwas, das mir noch wurschter ist als das Ansehen und die Machenschaften einer Frau Palin?
Wer mir ad hoc drei Beispiele nennen kann, wie sehr Aktionen der Frau Palin mein tägliches wirtschaftliches Gebahren, mein Wohlbefinden und meinen Tagesablauf bestimmen, bzw beeinflussen, erhält von mir das Kitoverdienstkreuz in Holz 1. Klasse.

Von grisutheguru am 13.10.2008 um 09:00

is doch wurscht

in den Medien ist Palin damit unten durch, bei den Wählern auch. Ob's gestimmt hat, fragt hinterher niemand.

Von topiltzin am 13.10.2008 um 06:18

Linke Umfärbungen wohl egal...

Spiegel Online, sicher nicht im Verdacht politischer Unkorrektheit, schreibt zum - ohnehin politisch gefärbten - Ergebnis der Untersuchung: "Die Entlassung sei zwar gesetzeskonform gewesen, doch habe sich die Gouverneurin von dem privaten Streit beeinflussen lassen."

Äääähm... wenn alles gesetzeskonform läuft, ist es dann nicht sch***egal, aus welchem Grund jemand etwas macht?

Wer hat sich je darüber aufgeregt, dass die Demokraten willkürlich den Supreme Court links eingefärbt haben?

Antworten Von Gast: nolan am 13.10.2008 um 09:31

Linke Umfärbung??

Demokraten haben nicht mehr oder weniger den Obersten Gerichtshof eingefärbt wie die Republikaner, denn es ist nun mal das RECHT des Präsidentes diese Richter vorzuschlagen, was ja auch noch vom Senat abgesegnet werden muß.

Die Gesetzeskonformität bezüglich der Entlassung durch Palin bezieht sich auf den formalen Ablauf, wo der rechtliche Weg eingehalten wurde. Die Frage aber ist, inwieweit ihre Entscheidung eine aus privaten Motiven heraus gefärbt war und hierbei nicht Amts- und Privatbereich vermischt wurde.

Antworten Antworten Von topiltzin am 13.10.2008 um 10:05

Re: Linke Umfärbung??

Wenn ich die Frau oder Tochter meines Chefs beleidigen oder ihr sonst wie nahe treten würde, könnte ich mir auch relativ schnell meine Arbeitspapiere abholen und mich beim Arbeitsamt melden. So etwas zerstört das Vertrauensverhältnis, das im Betrieb genauso wie in einer Behörde unerlässlich ist zur konstruktiven Zusammenarbeit.

Und so lange der gesetzlich vorgeschriebene Dienstweg eingehalten wird, ist es das gute Recht Sarah Palins, den Typen zu entfernen.

Von Igo am 13.10.2008 um 05:25

Presseaussendung

Dieser Artikel wurde von Obamas Pressebüro in den Medien verstreut. Die Presse fühlte sich bemüssigt, ihn aufzunehmen.

Von Peregrin am 12.10.2008 um 19:51

Lächerlicher Kommentar

Wenn sich der Autor die Mühe gemacht hätte, den Untersuchungsbericht zu lesen, dann hätte er festgestellt, daß nicht der Vorwurf des Amtsmißbrauchs, sondern der Vorwurf des Verstoßes gegen eine Ethikkodex erhoben wird, diesen allerdings auf keinerlei Fakten begründet. Im Gegenteil stellt der Bericht ausdrücklich fest, daß die Entlassung des Polizeichefs nach dessen Verstößen gegen Palins Budgetvorgaben völlig rechtmäßig war, behauptet aber, daß es "wahrscheinlich auch" persönliche Gründe gegeben habe. Dieser Befund stütz sich auf die nachweislich häufigen Interventionen nicht etwa Palins, sondern ihres Ehemannes gegen Trooper Wooten. Nun ist der Mann ein freier Mensch, der auf der Polizei anrufen kann, sooft es ihm beliebt.

Antworten Von Gast: Sehen wir nach... am 13.10.2008 um 00:41

Bitte Link und genaue Fundstelle angeben.

Ich würde sagen, dann sehen wir doch alle einfach selbst nach, bevor wir uns hier weiter balgen.

Und bitte die genauen Seitenzahlen angeben, ich fürchte der Bericht ist etwas ausführlich...

Dank!

Antworten Antworten Von Gast: Geiger HR am 13.10.2008 um 19:46

Sie glauben doch nicht wirklich

dass peregrin Ihnen das Gewünschte antwortet ....

Antworten Von mick232 am 12.10.2008 um 20:54

Re: Lächerlicher Kommentar

Der Amtsmißbrauch ist doch völlig klar.

Nur aufgrund der persönlichen Beziehungen des Polizisten zu den Palins hat es der Fall überhaupt in das Büro der Gouverneurin bzw. deren Mann geschafft.

In jedem anderen Fall wäre die Sache nie so weit nach oben gegangen, weil es die Gouvernerin (zu Recht) abgelehnt hätte, sich um solche Dinge selbst zu kümmern.

Sie hat daher aufgrund der persönlichen Nähe zu den Beteiligten anders gehandelt als sie es sonst gemacht hätte.


Antworten Antworten Von Peregrin am 12.10.2008 um 22:22

Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Wenn der Governeur von so einem Fall zufällig - und sei es durch Verwandtschaft - Kenntnis erhält und daher aktiv wird, ist das kein Amtsmißbrauch, sondern im Gegenteil seine Pflicht. Was wäre denn, wenn dieser instabile Polizist etwa bei einem Verkehrsstop einen Autofahrer niederknüppelt oder -tasert und dann herauskommt, daß die Regierung schon die ganze Zeit von dem Mann und seiner Gewaltneigung wußte, aber nichts unternommen hat? Alles paletti?

Antworten Von Peregrin am 12.10.2008 um 19:56

Re: Lächerlicher Kommentar

Was überhaupt daran schlecht sein soll, daß er versucht hat, einen Polizisten aus dem Polizeidienst entfernen zu lassen, der gegen seine Schwester und seinen Neffen nicht nur gefährliche Drohungen ausgesprochen hatte, sondern auch (mit seinem Diensttaser!) gewalttätig geworden war und außerdem schon wegen betrunkenen Autofahrens und Wilderei amtsbekannt war, erklärt der Bericht nicht. So jemand ist doch in keinem zivilisierten Land als Polizist tragbar. Auch blebt unklar, was Sarah Palin nach Meinung des Ausschusses eigentlich gegen die Interventionen ihres Mannes unternehmen hätte sollen. Ihn im Keller einsperren?

Antworten Antworten Von topiltzin am 13.10.2008 um 10:30

Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Nee, ich wäre für bissige Hechte Jagen im Becharof-See gewesen. Aber mit bloßen Händen… *lol*

Antworten Antworten Von anna89 am 12.10.2008 um 21:32

Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Ojeojeoje ... Da freuen wir uns doch über eine Bären und Elche jagende, Waffenlobbyistin, die auf Naturschutzgebiete pfeift, die Welt vor 4-/oder 5000 Jahren erschaffen glaubt, Dinosaurier gleichzeitig mit Menschen leben läßt und in den Schulen im Biologieunterricht die bibl. Schöpfungsgeschichte gleichberechtigt unterrichten lassen will und den Job in Alaska vermutl. nur bekommen hat, weil man dort angesichts der großen Ressourcen eine geliftete und gebotoxte Schönheitskönigin braucht.

Zugegeben, so einen Ausbund an Professionalität wünscht sich der Rest der Welt, die würde, falls ihr ältlicher Kollege ausfällt, die größte Volkswirtschaft der Welt -mit dem alten Testament in der Rechten - voll im Griff haben. Da kann ein Schwarzer nie mit....

Antworten Antworten Antworten Von Peregrin am 12.10.2008 um 22:25

Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Abgesehen davon, daß das mit den 5000 Jahren und den Dinosauriern nicht von Palin, sondern von Satireseiten stammt, die Sie anscheinend mit der Wirklichkeit verwechseln, geht Ihr Beitrag am Thema vorbei, welches die verfälschende und sehr seltsam wertende Berichterstattung über den Untersuchungsbericht ist.

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: unintelligent_design am 12.10.2008 um 23:29

Re: Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Das stammt leider nicht von Satireseiten. Sie können ja mal einen Blick riskieren: http://www.creationmuseum.org/

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Ophicus am 13.10.2008 um 09:53

Re: Re: Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Ich hab da jetzt ein wenig auf der Seite herumgeklickt, aber fand nirgendwo eine Verbindung zu Palin.
Bitte genauere Angaben.

Antworten Antworten Von Gast: Blitzky am 12.10.2008 um 20:52

Mich würde interessieren, woher Sie diese interessanten

Hintergrundinfos beziehen. Könnten Sie die entsprechenden Quellen (ich nehme an Internetadressen) nennen?

Antworten Antworten Antworten Von topiltzin am 13.10.2008 um 10:50

Re: Mich würde interessieren, woher Sie diese interessanten

Vll wurde sie einmal fotografiert, als sie mit ihren Kindern einen Sonntagsausflug dorthin veranstaltete... Wie schlimm aber auch... :o

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: roderick am 13.10.2008 um 11:25

Re: Re: Mich würde interessieren, woher Sie diese interessanten

Sonntagsausflug… :) Kentucky ist ja auch nur ein paar Kilometer von Alaska entfernt ;)

Antworten Antworten Von Ophicus am 12.10.2008 um 20:19

Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Dazu kommt noch, dass der Artikel ja selbst zugibt, dass Obama Obama insbesondere "vom galoppierenden Vertrauensverlust gegen die Bush-Regierung in der Finanzkrise" profitiert. Trotzdem wird der Verlust zuerst mal in Zusammenhang mit Palin gestellt.

Antworten Antworten Antworten Von topiltzin am 13.10.2008 um 10:12

Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Was für ein Mensch ist dieser Bush eigentlich? Wenn er nicht gerade friedliebende und philanthrope Lichtgestalten wie Saddam, Mullah Omar oder Ahmadinedschad bedrängt hat, hat er arglosen Verbrauchern Kredite aufgezwungen…

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: odda wodda am 13.10.2008 um 12:08

Re: Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

11.September, Krieg, Terrorismus, Hurrikan Katrina, faule Kredite und Finanzkrise, Teenagerschwangerschaften, das Ausscheiden des US-Fußballteams bei der WM, schlechtes Wetter: Gibt es eigentlich irgendetwas, an dem George W.Bush und die Republikaner NICHT schuld sind?

Antworten Antworten Antworten Von topiltzin am 13.10.2008 um 06:27

Re: Re: Re: Lächerlicher Kommentar

Wenn es darum geht, Missliebige anzupissen, ist den Kommunisten jedes Mittel Recht. Gestern war der "Da Vinci Kot" im Fernsehen, so etwas ist das beste Beispiel für linke Manipulation. Anna89 und Konsorten glauben wahrscheinlich sogar an die Bielefeld-Verschwörung und würden diese verbreiten, wenn es nur dem politischen Anliegen dient.

Und so läuft es hier eben auch. Doublethink, Verdrehungen und das übliche Gemisch aus Halbwahrheiten und Verkürzungen.

Aber wenn Obama wirklich Präsident werden sollte, ist das nur gut, denn dann werden er und sein Anhang merken, dass es leicht ist, politisch korrekte heiße Luft in die Luft zu pusten, aber etwas anderes, ein Land zu regieren.

Und wenn er dann bei seinen "aufgeklärten" Freunden in Europa anklopfen wird, sie mögen sich doch bitte finanziell und personell entsprechend im Irak und in Afghanistan beteiligen, dann wird er bald der "neue böse Bush" sein... Und das wird sehr schnell gehen...


 
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