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Erweiterung: Mehr Härte gegen EU-Neulinge

27.04.2007 | 19:19 |   (Die Presse)

Rumänien und Bulgarien sollen für mangelnden Reformeifer bestraft werden.

EPA

Brüssel (ag., basta, do.). Unter den „alten“ EU-Staaten wächst der Unmut über die schleppenden Reformen in den beiden jüngsten Mitgliedsländern Bulgarien und Rumänien. Laut einem Bericht der „Financial Times“ machen Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Schweden jetzt gemeinsam Druck auf die EU-Kommission, damit diese mit Sofia und Bukarest strenger ins Gericht geht und eventuell auch von Strafmaßnahmen Gebrauch macht.

Vor allem bei der Korruption und der Justizreform gehe kaum etwas weiter. Der für Juni geplante Fortschrittsbericht sollte deshalb „rigoros“ ausfallen, fordern die vier EU-Botschafter. Die Kommission wies den Vorwurf der Milde zurück: „Im Juni werden wir einen sehr genauen und strengen Bericht zu den Reformfortschritten veröffentlichen“, so ein Sprecher.

Die „kleine Erweiterung“ um Bulgarien und Rumänien war von Anfang an umstritten. Die beiden Staaten seien schlicht nicht reif für einen EU-Beitritt, meinten viele. Einige bereuen die Entscheidung bis heute ganz offen. Die deutsche EU-Abgeordnete Doris Pack (CDU) etwa meinte erst vor kurzem: „So einen Fehler werden wir kein zweites Mal machen.“

Um die Skeptiker zu beruhigen, wurden Bulgarien und Rumänien in der EU-Geschichte bisher einmalige Sanktionen angedroht, falls ihr Reformeifer nach dem Beitritt erlahmen sollte. Die EU-Kommission kann Fördermittel kürzen oder aussetzen sowie die Anerkennung justizieller Entscheidungen Bulgariens oder Rumäniens verweigern und die beiden Staaten von der automatischen Durchsetzung europäischer Haftbefehle ausnehmen.

Tatsächlich haben Rumänien und Bulgarien in den vier Monaten seit ihrem EU-Beitritt nicht gerade durch überschwänglichen Reformeifer geglänzt. Vor allem die Korruption bleibt ein Problem. Rumänien versank vor einigen Wochen vollends in der schwelenden Regierungskrise zwischen Premier Calin Popescu Tariceanu und dem mittlerweile abgesetzten Präsidenten Traian Basescu. Dieser Krise fiel auch die Justizministerin und Korruptionskämpferin Monica Macovei zum Opfer.

Bulgarien hat kaum Fortschritte bei der Austrocknung der korrupten Sümpfe rund um seine politischen Biotope gemacht. So wurde seit dem Beitritt praktisch keine hochrangige Persönlichkeit für Bestechlichkeit oder Geschenkannahme vor Gericht gestellt. „Transparency International“ schätzt, dass jeder Bulgare rund 80 Euro Schmiergeld im Jahr bezahlt. Ein Beamter etwa genehmigte Anträge für Hausbauten nur, wenn die Antragsteller vorher die Zeichnungen seiner Kinder zu etwas übertriebenen Preisen erwarben.


Kritik an EU-Justizkommissar

In den Konflikt um Brüssels Nachsichtigkeit gegenüber den EU-Neulingen ist auch der direkt mit dem Korruptionsproblem befasste EU-Innenkommissar Franco Frattini hineingeraten. Ihm wird vorgeworfen, ein zu nahes Verhältnis zu Bulgariens Innenminister Rumen Petkov zu pflegen. Mit diesem war Frattini im Februar Skifahren. Frattinis Sprecher verwahrte sich gegen diese Unterstellung. Der Ausflug habe im Rahmen eines Arbeitsbesuchs stattgefunden. Man weise jede Behauptung eines Interessenskonflikts weit von sich. Glosse Seite 39

SCHUTZKLAUSELN

Die strengen Beitrittsregeln für Rumänien und Bulgarien erlauben der EU-Kommission, noch drei Jahre bei Justiz, Wirtschaft oder Binnenmarkt „Schutzklauseln“ in Kraft zu setzen. Die Strafen reichen vom Exportverbot für Lebensmittel bis zu Kürzungen der Struktur- und Agrargelder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2007)


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4 Kommentare
 
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Von diogenes am 30.04.2007 um 18:55

Aber das ist doch nicht wahr

Die dafür zuständige Kommission hat vor dem Beitritt gesagt, dass alles in Ordnung, die beiden Staaten aufnahmswürdig sind.
Jahre vorher hat man gesagt: Eintritt 2007 aber wenn ihr eure Aufgaben nicht macht, ganz sicher 2008.

Jetzt sind sie drin und wir haben den Salat.

Jeder Schüler wäre verrückt, würde er bei diesen Zusagen statt ins Bad zu gehen,oder zum Fussballspielen, zuhause lernen.

Von Gast: Kaywillnow am 28.04.2007 um 15:05

Rumänien

Ich bin zur Zeit in RO und erlebe die Politkrise.Hier giebt zwei Wochen keine freie Presse mehr der Chef von TVR wurde abgesetzt.Ein ander Fehrnsehsender musste strafe bezahlen weil er über Basescu berichtet hat.Basescu darf nicht mehr im Fehrnsehen auftreten.Die menschen haben Angst.Pure Angst.Die PSD geht in die Dörfer und schenkt den armen Leuten Brot damit sie mit dem Bus zu einer Anti Basescu Demo fahren.Ich köntte ihnen noch weitere Sachen mitteilen aaber ich weiss nicht ob sie wirklich intresse daran haben.sollten sie aber doch interresse haben rufen sie mich an.0040723475328.
Bitte bitte berichten sie den leuten in Westeuropa was in RO gerade abgeht.

Von Gast: österreicher am 28.04.2007 um 10:27

die wichtigste sanktion wäre...

daß die bürger der beiden staaten nicht mehr herumreisen dürfen!
österreicher

Antworten Von Kaywillnow am 28.04.2007 um 15:45

Re:

Dasbringt auch nicht viel,das wichtigste ist meiner Meinung nach das dass Parlament nicht mit hohen besuch belohnt wird.ich bin gerade in RO und was hier abgeht ist die Hoelle.Es giebt keine freie presse mehr und Basescu darf nicht mehr im Fehrnsehen erscheinen.Ich ist ein rueckgang in den kommunismus.die Menschen haben pure ANGST.

 
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