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Gesucht: Soldaten für EU-Einsätze

28.09.2007 | 18:37 |   (Die Presse)

Beispiel Tschad. In der Union werden die Kapazitäten für Friedensmissionen knapp.

AP

Évora/Wien (do, ag.).Im Tschad warten an die 400.000 Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg in der Darfur-Region des Sudan auf internationale Hilfe. Die EU hat sich zwar prinzipiell bereit erklärt, diese Hilfe zu leisten, ist aber mit ihren Beratungen über die Mission noch nicht sehr weit. Von den 4000 Mann, die in den Tschad reisen sollen, hat man bisher erst Zusagen für 2000. Auch Österreich überlegt, sich mit 50 bis 60 Soldaten an dem Einsatz zu beteiligen.

Das Thema stand am Freitag ganz oben auf der Themenliste des informellen Ratstreffens der EU-Verteidigungsminister in Évora in Portugal. Der Gastgeber, Portugals Verteidigungsminister Nuno Severiano Teixeira nahm seine Amtskollegen noch vor der Zusammenkunft in die Pflicht: „Die verzögerte Reaktion auf Konflikte wie in Darfur weckt Zweifel an unserem Engagement für die Menschenrechte“, schrieb er im „Figaro Magazine“.

Das Problem sitzt jedoch tiefer. Die EU hat ambitionierte Pläne, auch sicherheitspolitisch zu einem „global player“ zu werden, viele Mitgliedsländer – vor allem die größeren – sind aber bereits mit ihren derzeitigen internationalen Verpflichtungen personell überdehnt. Großbritannien etwa ist im Irak aktiv, Deutschland in Afghanistan. Dazu kommt der Einsatz in Bosnien-Herzegowina, mit rund 2500 Mann die bisher größte Militäroperation in der Geschichte der Europäischen Union.

Die EU arbeitet langfristig an der Aufstellung einer „schnellen Eingreiftruppe“ mit einer Gesamtstärke von 60.000 Mann. Teil dieser Truppe sollen die „battle groups“ mit je 1500 Mann sein, die zum raschen Eingreifen in Krisenregionen gedacht sind. Sie sollen humanitäre Missionen erfüllen, sind aber auch für friedenserhaltende und -schaffende Maßnahmen vorgesehen. Derzeit sind 19 „battle groups“ geplant, Österreich will bis Mitte Oktober entscheiden, wie viele Soldaten es dafür abstellt. Darabos kann sich mehr als 200 vorstellen.

Nachdem die meisten EU-Staaten auch Nato-Mitglieder sind, ergeben sich daraus notgedrungen Doppelbelastungen. Dementsprechend wurde vor kurzem im Nato-Hauptquartier die Sorge geäußert, dass die Dreifachbelastung durch EU-, UNO- und Nato-Missionen bald nicht mehr von dem vorhandenen Pool an gut ausgebildeten Soldaten abgedeckt werden könne. „Das sind zum Teil Doppelgleisigkeiten, die reiner Luxus sind“, zitierte der „Standard“ vor kurzem einen Nato-Sprecher.

Die Flüchtlingskrise im Tschad wird die EU-Staaten nun zwingen, Farbe zu bekennen. Denn am Donnerstag fiel die letzte institutionelle Hürde für den Hilfseinsatz, der auf eine Initiative des neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zurückgeht.


EU-Parlament, UNO stimmen zu

Das Europaparlament gab grünes Licht für die Entsendung einer Eufor-Truppe, allerdings mit strengen Auflagen. Das Mandat müsse auf ein Jahr befristet sein, es müsse eine Abzugstrategie geben sowie Klarheit über die Nachfolgeoperationen. Bereits am Dienstag hatte der UN-Weltsicherheitsrat das Mandat der EU-Truppe abgesegnet.

Bisher haben Frankreich, Polen, Belgien und Österreich ihre Teilnahme signalisiert. Verteidigungsminister Norbert Darabos will allerdings nächste Woche erst noch zu einer Informationsreise in die Region aufbrechen und die Bedingungen für eine Entsendung des österreichischen Kontingents prüfen. Darabos denkt an strikt humanitäre Aufgaben. Irland und Schweden überlegen ebenfalls ernsthaft, sich an der Tschad-Mission zu beteiligen. Damit hat man aber noch lange nicht das angepeilte Kontingent von 4000 Soldaten erreicht.

Doch die Zeit drängt: Die endgültige Entscheidung über die Entsendung sollen die Außenminister bereits bei ihrem Ratstreffen am 20. Oktober fällen, schon Ende Oktober soll ein Vorauskommando im Tschad eintreffen, im November ein erster Teil der Truppen, bis Ende des Jahres soll der Großteil der Soldaten vor Ort sein.

DER KONFLIKT. Darfur

Sudans Krisenregion ist seit vier Jahren Schauplatz eines blutigen ethnischen Kriegs. 200.000 Menschen starben. 2,5 Mio. wurden vertrieben. 400.000 Flüchtlinge sitzen im Tschad, wo sie aber zunehmend von Angriffen aus Darfur bedroht sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2007)


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18 Kommentare
 
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Von Gast: solo am 01.10.2007 um 19:07

Wer glaubt das

Die EU Frieden sichert ,glaubt auch das ein Zitronenfalter ,Zitronen faltet

Antworten Von Gast: AEIOU am 02.10.2007 um 07:10

Re: Wer glaubt das. Die ÖSIS.

Denn wie die Wahlergebnisse immer zeigen, kann man den Älplern alles einreden. Und was nicht, das vergessen sie. Weil Alheimer ist mehr verbreitet als man glaubt.

Von pennpatrik am 01.10.2007 um 12:52

Haben wir nicht noch ...

... vor 3 Wochen über die Neutralität gestritten? Hat nicht die SPÖ den Gedanken an eine Aufweichung der Neutralität empört von sich gewiesen? Und jetzt sind wir unter den ersten 4 die in eine Europa Kampt (äh - Friedens-) truppe eintreten?
Nur damit das klar ist: Ich bin für eine europäische Armee (ohne Engländer). Aber mit offenem Visier und nicht so schleimig verborgen und aus einer Halbwahrheit heraus.

Von dresak am 01.10.2007 um 10:20

Kleines Problem...

Das ist eine gute Sache, wenn man was gemeinsam unternimmt, und sich das auch noch von den EU Institutionen absegnen lässt. Der schwache Punkt: Diese Missionen finden im Rahmen der "3. Säule" der EU Politiken statt. Das heisst die Finanzierung erfolgt exklusiv durch die Mitgliedsstaaten. Die EU hat daher wenig operationellen Einfluss. Die Gefahr dass ein Mitgliedsstaat den Geldhahn abdreht ist ziemlich kritisch für solche Projekte.

Von Gast: sepp am 01.10.2007 um 07:14

Für welche Art von Frieden ???

Steht die EU für den nach Vorstellung der USA !!!

Von Gast: ernst am 01.10.2007 um 07:13

Die USA ruft

Und die Vasallen der "Wirtschafts/Friedensmacht EU" streiten sich wer darf der Erste sein der Hinten reinkriecht.

Von Raphae1 am 29.09.2007 um 17:59

UN vs. NATO

Österreichische Soldaten sollten sich besser an einem UN-Einsatz im Tschad als am NATO-Einsatz in Afghanistan beteiligen.

Von Gast: heinz am 29.09.2007 um 08:26

Welcher normale Mensch

Hält schon gerne den Kopf hin für Politiker und deren leere Sprüche ????

Antworten Von Gast: europäer am 29.09.2007 um 16:00

Friedenssicherung und

Schutz von Flüchtlingen sind keine leeren Sprüche, Punkt.

Antworten Antworten Von Gast: Idefix am 01.10.2007 um 06:15

Re: Friedenssicherung und

Dann bitte keine leeren Sprüche mehr vom "Europäer", sondern ab mit ihm zur angeblichen Friedenssicherung in den Tschad, Punkt.

Antworten Antworten Von Gast: Redner am 30.09.2007 um 19:51

Re: Friedenssicherung und

blablabla...
Frieden, das ich nicht lache, noch dazu unter amerikanischer Anleitung. Ach da fällt mir ein: im Sudan gibt es viel Öl.....

Antworten Antworten Von raeter am 30.09.2007 um 16:13

Re: Friedenssicherung und

50 österr. Soldaten werden dort - den Frieden sichern - aha.

Die Leichensäcke für die Österreicher hat der Minister sicher schon bestellt.

Warum sichert nicht Afrika ihre "Mitbürger"?

Wie war das noch? Ach ja, Punkt!

Antworten Antworten Antworten Von Gast: drehmoment am 01.10.2007 um 10:54

Re: Re: Friedenssicherung und

Wahrscheinlich weil Europa Jahrzehnte dafür gesorgt hat das es Afrika nicht kann.

Ein Hoch auf die koloniale Ausbeutung!

Antworten Antworten Von Paco am 30.09.2007 um 10:33

Re: Friedenssicherung und

Es geht wohl eher um den Schutz von Pumpanlagen amerikanischer Ölfirmen im Tschad.

Auch auf die von der Weltbank finanzierte Ölpipeline (zum Seehafen in Kamerun) sollen die europ. Truppen ein Auge werfen, nehme ich an.

Tja, Europa weltweit als Hilfssheriff im Dienste der Gringos, ohne Nutzen, aber alle Kosten, ...

Antworten Antworten Antworten Von Gast: europäer am 30.09.2007 um 12:33

Wer's glaubt, wird Kleinkünstler.


Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: Idefix am 01.10.2007 um 06:13

Re: Wer's glaubt, wird Kleinkünstler.

Sind sind wohl ein kurzsichtig-naiver EU-Gläubiger? Falls EU-Wahn heilbar ist, bestehen ja noch Chancen.

Von Gast: radwar70 am 29.09.2007 um 00:16

solidarität schön und gut....

.....aber langsam wird es zeit, dass jemand unserem herrn minister sagt, dass des nimmer mehr lang so weiter geht. weil langsam aber sicher gehen uns die kameraden aus!
abgesehen von der frage mit welchen fortbewegungsmittel wir unsere soldaten in solche einsätze schicken?
mit dem geilen gitter-puch g? oder mit dem letzten pandur der schon drei mal verkauft worden ist? oder mit dem so tollen dingo? aber womit verlegt dann die kompanie für das deutsche orf-bataillon?
is eh´ egal, irgend ein ehrlicher hoher general hat dem herrn minister sicher die wahrheit über die qualitative befähigung zur entsendung von österreichischen soldaten in personeller unbd materieller hinsicht geflüstert. oder doch nicht?

Antworten Von alice am 29.09.2007 um 21:31

Re: solidarität schön und gut....

na ein alter rucksack und ein bajonett vom opa wird ja wohl reichen

 
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