
WIEN (ewi).Politiker Josef Broukal und Staatsoperndirektor Ioan Holender schlagen Anton Zeilinger &Co. Sie sind laut einer Umfrage die bekanntesten Wissenschafter des Landes, den dritten Platz belegt Tiefseetaucher Hans Hass, dann erst folgt Österreichs wissenschaftliche Prominenz: Quantenphysiker Anton Zeilinger, Sozialwissenschafterin Helga Nowotny, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, Molekularbiologe Josef Penninger, Historiker Walter Pohl, Philosoph Konrad Paul Liessmann, Molekularbiologin Renée Schroeder und Mathematiker Rudolf Taschner.
Das Gallup-Institut befragte im August 1000 Österreicher ab 16 Jahren zum Stellenwert der Wissenschaft, wobei ein Nachholbedarf offenkundig wurde. Mit Tourismus und der Kultur sehe es im Großen und Ganzen „zufriedenstellend“ aus (das sagten 78 und 77 Prozent), der Wirtschaftsstandort und das Gesundheitswesen schneiden auch noch passabel ab (je 57 Prozent), dann folgt der Schul- und Uni-Standort Österreich, die Umweltsituation im Lande und – weit abgeschlagen – der Forschungsstandort Österreich: Nur 23 Prozent der Befragten finden hier die Situation „zufriedenstellend“, 64 Prozent meinen, es sollte mehr getan werden, 13 Prozent haben keine Meinung.
Während also die Österreicher zumindest einen Defizit im Wissenschaftsbereich erkennen, können 60 Prozent keine Angabe über ein einziges ihnen bekanntes Forschungsergebnis nennen. Und wie viele haben den Namen eines Forschers parat? Wiederum passen hier 67 Prozent. Ein Drittel nennt aber Anton Zeilinger, Josef Broukal, Hans Hass, Ioan Holender und Helga Kromp-Kolb (in dieser Reihenfolge). Konfrontiert man nun wiederum alle 1000 Befragten mit diesen Namen, dann führt Broukal – bis 2002 ORF-Moderator und seit damals SPÖ-Wissenschaftssprecher – haushoch (siehe Grafik).
Nobelpreisträger wichtig
Wissenschaftsminister Johannes Hahn präsentierte die Umfrageergebnisse im Biocenter Vienna, wobei die Abschlussklassen der HTL Krems anwesend waren. Die Meinung der Maturaklasse fiel geteilt aus. „Es ist irgendwie schockierend, dass die Österreicher so wenig Bescheid wissen“, sagt eine Schülerin, während ihr Nachbar zugeben muss: „Ich kenne keinen einzigen dieser Namen.“
Hahn selbst stellt lapidar fest, dass das Wissen über Österreichs Forschung gering sei, dass aber die Wissenschaft als wichtig für den Standort Österreich eingestuft wird. Österreich benötige „Leuchttürme“, und das seien Nobelpreisträger. „Wir brauchen einen in den nächsten zehn Jahren“, sagt Hahn.
Mit einem neuen Maßnahmenpaket will der Wissenschaftsminister das Bewusstsein für Forschung und Wissenschaft erhöhen:
•Sparkling Science. Das Projekt läuft bis 2017, pro Jahr stehen drei Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden ausschließlich Projekte, bei denen Jugendliche eingebunden sind und aktiv an den Forschungsprokjekten mitarbeiten.
•Jungforscher-Events. Nachwuchsforscher erhalten vermehrt Möglichkeiten, ihre Tätigkeit zu präsentieren (Projekt FameLab).
•Forschung am Puls. Auszeichnung von Unternehmen, die an ihrem Standort forschen.
•Forschungsdialog. Bildung einer Plattform, bei der neue Ideen diskutiert werden. Bei den Alpbacher Technologiegesprächen 2008 werden diese präsentiert. Im Sucher S. 43
1000 Befragte, Interviews per Telefon, Gallup Institut.
Forschung in Österreich. 60 Prozent können kein konkretes Forschungsprojekt nennen.
Öffentlichkeit. 64 Prozent sagen, in den Medien wird zu wenig über Wissenschaft und Forschung berichtet, 28 sagen ausreichend, 8 Prozent haben keine Meinung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2007)


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