Artikel versenden

Artikel drucken

Artikel kommentieren



AAA

Defensiver Molterer macht VP nervös

24.07.2008 | 18:04 |  KARL ETTINGER UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

ÖVP nach Druck von SPÖ-Chef Faymann für Entlastungen in Zwickmühle: Sie will nicht als Bremser gelten, ihre Wahlkampfmunition aber nicht zu früh verpulvern.

Die ÖVP-Spitze hat es nicht eilig – zumindest wenn es um die Nachbesetzung des Posten des stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden nach dem Rückzug der Tirolerin Elisabeth Zanon geht. Das Amt soll bis zum nächsten regulären Parteitag 2011 nicht nachbesetzt werden. Laut Statuten muss die Wahl durch einen Parteitag erfolgen.

Bleiben noch drei Stellvertreter: die Minister Josef Pröll und Andrea Kdolsky sowie der Steirer Christian Buchmann, der in dieser Funktion öffentlich nicht in Erscheinung getreten ist. In der ÖVP wird die Situation nun als Gelegenheit gesehen, dass sich Josef Pröll, der ohnehin bisher schon als „Kronprinz“ von Parteiobmann Vizekanzler Wilhelm Molterer wahrgenommen werde, noch stärker in den Wahlkampf einbringt.

Die ÖVP-Spitze hat es auch nicht eilig, nach dem Bruch der rot-schwarzen Regierung voll in den Wahlkampf einzusteigen. Das hat allerdings in der Partei zuletzt die Nervosität über den zu „defensiven“ Spitzenkandidaten Molterer steigen lassen. Auch wenn von den schwarzen Funktionären sehr wohl registriert wird, dass die am 7. Juli verkündete Scheidung („Es reicht“) Molterer in der Bevölkerung positiv angerechnet wurde.

In Umfragen liegt die ÖVP zwar weiter vor der SPÖ, die noch immer mit den Folgen der parteiinternen Krise kämpft. Aber von den schwarzen Spitzenpolitikern abwärts wird der Vorsprung längst nicht als Ruhekissen angesehen. Die Unruhe in der ÖVP ist deutlich gestiegen, seit SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann zu trommeln begonnen hat, dass es Maßnahmen gegen die Teuerung und ein Vorziehen der Steuerreform von 2010 auf 2009 geben müsse.

Die Reaktionen in der ÖVP darauf sind unterschiedlich. Bei manchen wächst die Sorge, dass Molterer zu lange in der Defensive bleibt. Andere hingegen warnen davor, mitten im Sommer zu früh loszulegen. „Molterer taktiert sehr gut, er weiß aus langjähriger Erfahrung genau, wann er etwas zu tun hat“, beruhigt ein hochrangiger Mitstreiter im Gespräch mit der „Presse“. Und fragt: „Was nützt es uns denn, wenn wir bereits Ende Juli unser ganzes Pulver verschossen haben? Dann geht uns doch bis zur Wahl die Luft aus.“

Molterer gibt sich nach außen hin unbeeindruckt. Bei einer Pressekonferenz mit Vorarlbergs ÖVP-Landeschef Herbert Sausgruber bekräftigte er, dass der klassische Wahlkampf erst in der letzten August-Woche starten soll.

Damit die ÖVP aber nicht nach Faymanns populären Entlastungs-Vorstößen nicht allein als sozial „kalte“, bremsende Partei dasteht, wird die Spätstart-Strategie doch über den Haufen geworfen. Molterers getreue Helfer in der Parteizentrale bemühen sich vorerst, aufzuzeigen, dass Faymanns Wünsche in Summe gar nicht finanzierbar wären. Der ÖVP-Obmann und Finanzminister selbst wird voraussichtlich Anfang August – jedenfalls vor dem SPÖ-Parteitag am 8. August – „sein“ eigenes Anti-Teuerungspaket auf den Tisch legen. In Bregenz hat Molterer die Dämpfung der Teuerung neben den „klassischen“ ÖVP-Themen Sicherheit und Europa als zentrale Vorhaben genannt. Bleibt das Problem der Mobilisierung: „Wie bringen wir die eigenen Leute wieder in die Gänge?“ Freude hat man mit einem Wahlkampf keine.


Seinen Kopf vorerst „gerettet“

Eines hat Molterer jedenfalls erreicht: Mit seinem Neuwahl-Vorstoß habe er sich „in der eigenen Partei drüber gerettet“, meint ein ÖVP-Mann. „Die Funktionäre sehen ihn schon länger nicht mehr als aufgehenden Stern“, weshalb der Ruf nach einer neuen Nummer eins zuletzt lauter geworden sei. Aber: „Jetzt, wo wir wählen, ist die Debatte um seine Person wieder beendet.“

AUF EINEN BLICK

Anfang August will Finanzminister ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer sein Anti-Teuerungs-Paket vorstellen. Ab Mitte August gibt es Besuchstage des ÖVP-Regierungsteams in den Bundesländern. In der letzten Augustwoche will die Volkspartei dann mit dem „klassischen“ Wahlkampf beginnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2008)


| Artikel versendenVersenden | Artikel DruckenDrucken | AAA Schriftgröße

Bookmarken bei [?]: Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen

35 Kommentare
 
1 2
Von Dr.Gernot Stöckl am 25.07.2008 um 15:48

Molterer hat "seine" Partei, die bereits weiß, daß sie mit ihm keinen Blumentopf mehr gewinnen wird, düpiert!

Eigentlich wollte die ÖVP ja mit einem "neuen" Spitzenkandidaten antreten, getraut sich aber nun nicht mehr, den Leithammel auszutauschen. Daher werden die "Funktionäre" Molterer anrennen und die Wahl verlieren lassen, um ihn endlich los zu sein! Für die schwarzen Landesfürsten ist ein roter Bundeskanzler ohnehin viel bequemer, können sie doch leichter ihr eigenes Versagen auf den Bund abladen.

Die ÖVP hat nur mehr eine einzige Chance: Molterer läßt sich von seiner Leib- und Lieblingsärztin Kdolsky eine Krankheit erfinden, mit der er ohne daß die Partei und er das Gesicht verlieren, abtreten kann! Blaß genug ist er ja ohnehin, daß man ihm das dann obwohl Politiker auch glaubt.

Der Bauernbund kann im Alleingang höchstens noch in Niederösterreich eine Wahl gewinnen, Tirol hat er ja auch schon verloren!

Antworten Von Gast: Dieses war des Willis Streich und der letzte folgt sogleich am 27.07.2008 um 11:01

Re: Molterer hat

Willi klein
ging allein
in die nächste Wahl hinein.
Stock unf Hut
steht ihm gut,
ist gar wohlgemut!

Doch der Wähler lachet sehr,
gibt jetzt bald kan Willi mehr ...

Antworten Von modestus am 25.07.2008 um 19:13

Re: Molterer hat

tirol ist fest in bauernhand und die tvp die stärkste partei.
die tvp hat stimmen verloren aber nicht die wahl......immer schön realist bleiben herr dr. stöckel.
das szenario welches sie für molterer entworfen haben, kommt mir bekannt vor....es ist die spö und gusenbauer 2006...dmit dem an die wand fahren hat nicht so ganz geklappt.

wir haben nicht im traum daran gedacht molterer auszutauschen..ausser vielleicht erwin pröll zu gunsten seines neffen...hat auch nicht funktioniert.

diesmal tritt das team gesammt zur wahl an. ende august anfang september.....kurz, hart und intensiv.....bis dahin sind analysen nichts als scharlatanerie ......ein paar nervöse gibt es immer.
das team molterer wiord das schaffen.
über die möglichen koalitionen zu spekulieren ist ebenfalls nicht seriös...weis man doch noch nicht einmal wer aller antritt....ausser bei dinkhauser...der hat kein geld und bleibt zu hause

Antworten Antworten Von Gast: tc_t am 26.07.2008 um 17:49

"tirol ist fest in bauernhand"


gilt auch für dich, gell krampfposter?


Antworten Antworten Antworten Von modestus am 27.07.2008 um 07:05
Antworten Antworten Antworten Antworten Von Cool am 28.07.2008 um 15:13

Re: Re:

unterste schublade,oder?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von modestus am 29.07.2008 um 14:50
Antworten Antworten Von Gast: Faröer-Pepi am 26.07.2008 um 09:20

Re: Re: Molterer hat

Ja, never change a winning team! Da werden die gottlosen Sozis schön schauen, wenn unser Team weihrauchumwabert unter dem Verfassungsbogen hervorstürmt! Diese unbesiegbare Phalanx aus Molti, Wolfi, Schützi, Drexi und Kuki, vom Neugebauer-Fritzi und dem Busek-Erhardl erst gar nicht zu reden, wird vom Öko-Pepi auf seinem mit Bio-Diesel aufgetankten Zweittraktor angeführt! Als Cheerleader das Estag-Muatterl, die Wurstsemmel-Fuhrmann und die Nina Blum, und der Sieg ist unser! Dem Gegner bleibt nur noch die Flucht ins Kanzleramt und die Hofburg, die wir aber später, so um 2075 herum, auch wieder zurückerobern werden, wenn die dritte Generation unserer Wolfi-Importe in immerwährender Dankbarkeit geschlossen für uns stimmt, denn was sollten denn Schwarze anders wählen als Schwarze? Was in Harare funktioniert, funktioniert auch in St. Pölten! Dann werden in 101 Sprachen unsere Sieges-Choräle von Mariazell bis Maria Roggendorf erklingen! Veni, vidi, willi! Und das ist gut so! Pax vobiscum!

Antworten Antworten Antworten Von modestus am 27.07.2008 um 07:07

Re: Re: Re: Molterer hat

wie heisst die regierungspartei auf den FARÖRS??
N*S*D*A*P ???

Antworten Antworten Von Dr.Gernot Stöckl am 25.07.2008 um 21:15

Re: Re: Molterer hat

Ich danke für den Stimmungsbericht aus der ÖVP-Zentrale! Sie sollten aber die rosarot Brille abnehmen und den Tatsachen ins Antlitz blicken, sonst gibt es am Wahltag ein böses Erwachen! Wetten, daß Molterer nicht länger als bis zum 29. September Parteiobmann ist!

Antworten Antworten Antworten Von modestus am 26.07.2008 um 07:28

Re: Re: Re: Molterer hat

ihren einsatz bitte

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Dr.Gernot Stöckl am 27.07.2008 um 16:04

Re: Re: Re: Re: Molterer hat

Der Molterer darf mit seiner Frau zu mir zum Abendessen kommen! Meine Frau kocht vorzüglich!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von modestus am 27.07.2008 um 17:38

Re: Re: Re: Re: Re: Molterer hat

gilt nicht.....ich gewinne und molterer speist???

Von Fritz Hermann am 25.07.2008 um 15:08

Teilreform nützt nichts mehr

Vollständige Steuerreform jetzt gleich und vor allem für die Einkommen zwischen 4000.- und 8000.- Euro brutto.

Von geheimrat am 25.07.2008 um 12:52

Die Bevölkerung wacht schon auf, die Politik schläft noch immer


Ja, die Balkanisierung Westeuropas zeigt ihre ersten Früchte. Je weniger die Mehrheitsgesellschaft wird, desto “bunter” wird das “Treiben”. Und keine Macht der Welt kann es aufhalten.
Es kommt nämlich nicht zu einer Vermischung von Kulturen, sondern zu einem Nebeneinanderherleben, mit den entsprechenden Reibungsflächen. Die sind zwar in Westeuropa durch den relativen Wohlstand noch geglättet aber wenn es keine Mehrheitsgesellschaft mehr gibt (das wird in der nächsten Genewration in Europa passieren - spätestens, wen die heute 50jährigen nicht mehr sind!), sondern nur noch Minderheiten, dann werden die Karten neu gemischt: Jedes ethnische Gruppe wird versuchen, so viel wie möglich “vom Kuchen der Macht und des Reichtums” abzubekommen. Man schaue auf Jugoslawien, man schaue auf den Libanon, man schaue auf alle Vielvölkerstaaten dieser Welt……. Willkommen im neuen 30-jährigen Krieg!

Von Gast: FOX am 25.07.2008 um 12:45

Hauptgegner

Ich glaub die lieben Medien, als auch die SPÖVP registrieren einfach nicht, dass der stärkste Gegner weder ÖVP noch SPÖ heißt!
Der heißt nämlich FPÖ!

Von ralshob am 25.07.2008 um 12:35

Wen kann der oe noch waehlen?..................

molterer? faymann? vdb? strache? westenthaler? schmidt? dinkhauser? usw.........
laecherliche figuren - berufsluegner und blender. wenn immer einer von denen vom "wohle oesterreichs und der buerger" spricht, dreht es mir den magen um. erpresst von der wirtschaft und den konzernen bringt keiner etwas weiter. es sollten alle oe zur wahl gehen, sich registrieren lassen und einen leeren stimmzettel einwerfen. extrem hohe wahlbeteiligung und ein hoher prozentsatz an ungueltigen stimmen - oe sollte diesen unfaehigen politclowns die unzufriedenheit schriftlich geben - nicht immer nur am wirtshaustisch "sudern"

Von Schmidt am 25.07.2008 um 11:18

Überholmanöver

Faymann ist sowohl medial, PR, wie auch werblich professionell beraten und gibt sehr ordentlich Gas. Die ÖVP hechelt ihm jetzt bereits nach. Die Initiative "Es reicht" ging verloren. Es kamen keine positive Vorschläge nach. Man hat den Eindruck, bei ÖVP sind PR "Selbermacher"-Amateure am werken. Es gibt für Molterer noch eine einzige Chance die Initiative zu ergreifen, die ist jetzt. In einer, höchstens zwei Wochen wird die ÖVP hoffnungslos überholt.

Von TU Student am 25.07.2008 um 11:03

Perspektivenlos

Schaut man mit Pater Willi auf die Neuwahlen. Doch wer Frauenquoten und Homoehe beschliesst, braucht nicht mehr zu beten, die Scheinheiligkeit ist offensichtlich.


Von Gast: mike am 25.07.2008 um 10:01

Parteien, die

"kalte Progression" als willkommenes Instrument betrachten, sind mbE. derzeit unwählbar.

Von Gast: Älpler am 25.07.2008 um 07:37

die selben Fehler?

dass die Kommunikationsstrategie der ÖVP 2006 schon grottenschlecht war,ist bekannt, aber dass sich die selben Fehler unter Missethon et al. wiederholen ist ein "Kardinalfehler".
Dabei gäbe es Abgewordnete wie Ferry Maier, die wissen wie so etwas geht! Nur fragen und tun - und schon wird es besser!

Antworten Von Steininger am 25.07.2008 um 13:13

Re: die selben Fehler?

Was haben Sie denn erwartet. Göttliche Erleuchtung? Dieselben Personen die die letzte Wahlniederlage zu verantworten hatten sind jetzt wieder am Werk! Das Mauern und ablehnen ging ja ganz gut als Strategie während man noch in der Regierung war. Jetzt im Wahlkampf ist es verderblich. Molterer und seine Leute müssen auf populäre Forderungen eingehen. Klüger wäre es solche zu stellen! Da kann man sich Profil erwerben.
Aber so. Alle Parteien erheben populistische Forderungen zugunsten der Bürger und die ÖVP stellt sich hin und sagt: Das geht nicht.
Nein, so geht das wirklich nicht - so verliert man Wahlen!

Antworten Antworten Von Gast: Älpler am 25.07.2008 um 15:20

Re: Re: die selben Fehler?

DANKE!

Von Paige am 25.07.2008 um 00:52

Ganz schön störend,

dass die ÖVP noch nicht wahlkämpft, was?

Von Gast: hallo am 24.07.2008 um 22:59

Bundeskanzler Westenthaler

Liebe ÖVP und liebe SPÖ und....., keiner hat eine Chance gegen Westenthaler. Den Blog von Manfred Seeh finde ich Super! Warum Westenthaler Bundeskanzler werden soll?

 
1 2
Übersicht Politik »
zur Homepage »