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Das Kärntner „Guantanamo“ auf der Saualm

07.10.2008 | 19:04 |  ROBERT BENEDIKT (Die Presse)

Haiders „Sonderanstalt“ für Flüchtlinge erregt große Aufmerksamkeit.

GRIFFEN. Die Frage nach dem Weg zum Asylantenheim sorgt am Stammtisch des Dorfcafés für Heiterkeit: „Nach Guantanamo willst? Da musst ganz rauf auf die Saualm fahr'n!“ Die Kärntner Marktgemeinde Griffen hat in den letzten Tagen fast europaweit Bekanntheit errungen durch die „Sonderanstalt“ für „verdächtige Asylwerber“, die Landeshauptmann Jörg Haider auf einer Seehöhe von 1.200 Metern einrichten hat lassen. In einem ehemaligen Jugendheim wohnen vorerst acht Flüchtlinge aus Georgien, Kasachstan und Gambia.

Laut Darstellung des Kärntner Flüchtlingsreferates sind sie allesamt krimineller Handlungen verdächtig. Deshalb gäbe es für die Asylwerber oben auf der Alm „Sonderbewachung“ und „Sonderbehandlung“ hatte der Landeshauptmann bei einer Pressekonferenz verlauten lassen. Von alldem ist allerdings nichts zu bemerken, wenn man nach einer halbstündigen Fahrt durch den herbstlich gefärbten Wald im Griffener Ortsteil Wölfnitz ankommt. Von der Saualm herunter leuchten die Schneefelder, auf der großen Wiese vor dem ehemaligen Jugendheim spielen kleine Kinder mit einem jungen, aufgeweckten Hund. Schnell wird klar, dass es sich um die Enkel der Wirtin handelt. Denn als die die gezückte Kamera erblickt, scheucht sie schnell Kinder und Hund ins Haus hinein. „Keine Fotos!“ lautet die unfreundliche Begrüßung noch ehe man Gelegenheit hat, sich vorzustellen. „Erzählen tu ich Ihnen sowieso nichts. Wenn'S was wissen wollen, müssen'S das Flüchtlings-Referat in Klagenfurt anrufen“, so die resolute Blondine.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei der unfreundlichen Dame um Maria Steiner handelt, die das Jugendheim auf der Saualm zum Zweck der Unterbringung von Asylwerbern von der Kärntner AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe) gepachtet hat. Unten in St. Kanzian am Klopeiner See betreibt sie ein weiteres Flüchtlingsheim. Aber „so etwas“ habe sie noch nie erlebt. Fast rund um die Uhr kämen Journalisten und Kamerateams herauf auf die Alm, schimpft sie. Sogar tagsüber müsse sie die Vorhänge zuziehen, weil auf alles, was sich bewegt, Kameras gerichtet werden.

Überhaupt verstehe sie die ganze Aufregung nicht, sagt Maria Steiner trotz der selbstauferlegten Informationssperre. Das hier heroben sei doch ein wunderschöner Platz mit einer phantastischen Aussicht weit ins Land hinein: „Andere würden viel Geld bezahlen, um hier Urlaub machen zu dürfen.“ Und gesund sei es obendrein: „Mein Sohn hat an Asthma gelitten. Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt hier auf der Saualm ist's ihm viel besser gegangen.“

Direkten Kontakt mit den Asylwerbern erlaubt die Wirtin nicht. Den gibt's allerdings „illegal“. Als Maria Steiner verschwunden ist, tauchen am Balkon im ersten Stock zwei Männer auf, die den Besucher neugierig beobachten. Einer zückt sogar seine Digital-Kamera, um scherzhalber auf den Reporter „zurückzuschießen“. Der 23-jährige Alex aus Georgien klagt, hier sei es „wie im Gefängnis“. „Katastroph'“ ist eines der wenigen Worte aus seinem mageren deutschen Wortschatz. Er versteht nicht, warum man ihn hier eingesperrt hat, wo er sich doch nichts habe zuschulden kommen lassen.

 

Bürgermeister erstattet Anzeige

Aber „Chef“ sei in Ordnung, und „Chefin“ koche ausreichend. Dann erschallt von innen ein Ruf und die kurze radebrechende Unterhaltung ist zu Ende.

Die – spärlichen – Anrainer des Jugendheims haben wenig Freude mit den Nachbarn. Der Pensionist, der sich im alten Widum eingemietet hat, klagt: „80Jahre alt hab' ich werden müssen, damit ich zum ersten Mal die Haustüre zusperren muss.“ Der Griffener Bürgermeister Josef Müller fühlt sich und seine Gemeinde überfahren: „Alles was ich weiß, habe ich in der Zeitung gelesen.“ Bei der Gewerbeverhandlung (Maria Steiner hat eine Gastgewerbekonzession angemeldet) habe man der Marktgemeinde keine Parteienstellung zuerkannt. Das will sich der Gemeindechef nicht gefallen lassen. Beim Meldeamt sind acht Flüchtlinge angemeldet worden: „Bei jeder Meldung erstatten wir Anzeige, weil Frau Steiner keine Gewerbeberechtigung hat.“ Am liebsten sähe es der Bürgermeister, wenn die „Sonderanstalt“ schließen müsste: „Für eine solche Einrichtung ist das nicht der richtige Platz.“

Auf einen Blick

Asylantenheim. Haiders „Sonderanstalt für verdächtige Flüchtlinge“ sorgt in der Kärntner Marktgemeinde Griffen – und nicht nur dort – für Aufregung. Hoch oben auf dem Berg sei es nicht möglich, traumatisierte Flüchtlinge fachgerecht zu betreuen, argumentiert Bürgermeister Josef Müller. Außerdem verfüge die Betreiberin des Heimes über keine Gewerbeberechtigung.
Um das Heim wieder loszuwerden, erstattet die Gemeinde bei jedem neu angemeldeten Asylanten Anzeige beim Gewerbeamt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2008)


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29 Kommentare
 
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Von Gast: It's the history, stupid! am 11.10.2008 um 00:54

Wo bleiben unsere Fallschirmjäger?

Wo bleiben unsere Fallschirmjäger und

a: stellen endlich zweisprachigen Ortstafeln auf,
b: beenden umgehend Haider's Menschentransporte[!],
b: schließen umgehend dieses "Lager"[!]

(Werden bei diesen Deportationen und Internierungen nicht Erinnerungen wahr? Kärntner, warum wendet Ihr Euch vom Rechtsstaat ab?)

Als in Arkansas 1957 ein weißer Mob dunkelhäutigen Studenten den Zugang zu Bildungseinrichtungen versperrte, schickte Eisenhower Fallschirmjäger um den Rechtsstaat durchzusetzen.

Der Rechtsstaat ist in Kärnten wiederherzustellen. Zur Not auch mit Gewalt gegen österreichische Staatsbürger, sofern sie sich den Maßnahmen widersetzen.

Si Vis Pacem, Cole Iustitiam

Antworten Von Gast: kaerntnerin am 21.10.2008 um 17:24

Re: Wo bleiben unsere Fallschirmjäger?


Was würden Sie hier von einem weißen Mob mit Heugabeln halten?

http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/klagenfurt/1588957/index.do

Dann doch besser auf die Saualm, dem Tschetschenen zuliebe!

Wo sind die Fallschirmjäger die 18 jährige Mädchen vor Kapitalverbrechen schützen?

Ein klassischer Fall für die Saualm, denn der Allgemeinheit kann man so einen Menschen nicht zumuten!

Von Lichtherz am 09.10.2008 um 19:14

Ins Elend geratene Landsleute

wären dankbar für eine kostenlose Wohngelegenheit, Verpflegung und dazu noch Taschengeld, Krankenversicherung, Geld für Schulbedarf und und und ... aber ÖsterreicherInnen werden von dieser Regierung ja nach wie vor diskriminiert!

Von beardsley am 08.10.2008 um 20:29

kondolenzposting

eine einzige zumutung für die autochthone bevölkerung in der gegend. gibt es solidaritäts- oder unterstützungslisten? wann kommen endlich gesetze, die eine abschiebung innerhalb von 24 stunden ermöglichen?

Von DI Josef Gebauer am 08.10.2008 um 15:43

Überschrift

Wer diese Überschrift verbrochen hat, demonstriert unmissverständlich, dass er nichts, absolut gar nichts verstanden hat - und erst recht nicht Guantanamo und das diesbezügliche "Rechtsverständnis" von Bush.

Antworten Von topiltzin am 08.10.2008 um 15:54

Re: Überschrift

Setzt man in Relation, wie groß die Gfraster jeweils sind, die sich in Guantanamo und auf der Saualm aufhalten, ist in beiden Fällen die Verhältnismäßigkeit gewahrt...

Von POLEMIKER am 08.10.2008 um 15:17

Der Jörgl ...


... verwöhnt halt seine "Randgruppen" genauso wie Wiens Bürgermeister, der den "Punkern" gleich ein ganzes Haus um 750.000 Euro Steuergeld geschenkt hat, damit sie mitten im Wohngebiet ihre Nachbarn terrorisieren können.

Von Gerald am 08.10.2008 um 13:13

Mittlerweile

hat sich auch die SPÖ Klagenfurt zu den Befürwortern dieses Asylantenheims gesellt.

http://kaernten.orf.at/stories/313101/


Von topiltzin am 08.10.2008 um 12:53

Vll sollte man ...

... die Saualm in "Ehemaliger-Bundesbankpräsident-Tietmeyer-Alm" umbenennen. Für die Betroffenen klänge das sicher besser und laut Schüssel soll das ja ohnehin ein Synonym sein... :)

Antworten Von Panzer am 09.10.2008 um 09:07

Re: Vll sollte man ...


Der Name "Saualm" ist doch recht passend für die neuen Bewohner!

Oder?


Von Gast: Underberg am 08.10.2008 um 12:27

Auf dem Niveau der Fellner Blattln

agiert nunmehr auch die "Presse". Aber Fleischhacker warnt ja seine Leser zu denken, die "Presse" würde so schreiben, wie es deren Leser es eventuell vermuten.
Da hat Fleischhacker einmal ausnahmsweise Recht!
Robert Benedikt kreiert eine Übeschrift, die unter dem Niveau der "Krone" rangiert und jenem von "Österreich" oder dem "Profil" entspricht.
Guantanamo - wo Menschen ohne Anklage und Verteidigung jahrelang widerrechtlich festgehalten und gefoltert werden - mit der Kärntner Saualm zu vergleichen, wo kriminelle Asylwerber auf unsere Kosten durchgefüttert werden, ist eine journalistische Meisterleistung!
In den Kübel damit!!!!

Antworten Von michaelcollins am 08.10.2008 um 13:04

Re: Auf dem Niveau der Fellner Blattln

sie haben recht. die überschrift und der artikel ist österreich (zeitung) niveau.

mfg
mc

Von harbard am 08.10.2008 um 09:51

Das Kärntner „Guantanamo“ auf der Saualm

...scheint mir (lt. photo) doch sehr überzogen formuliert
...aber der presse-redakteur mit der "angst" vor
...resoluten blondinen wirds schon wissen!

Antworten Von Gast: Guantanamo Bay am 08.10.2008 um 17:27

Re: Das Kärntner „Guantanamo“ auf der Saualm

Geh, Guantanamo. Die zweitgrößte Sehenswürdigkeit in KUba ist inzwischen das Herunterschauen mit dem Fernglas auf Guantanamo Bay. Jeder kann schauen, daß es dort net so nett ist wie auf der Saualm, halt ein wenig wie in Georgien außerhalb Tiflis.

Antworten Von draken am 08.10.2008 um 12:37

Re: Das Kärntner „Guantanamo“ auf der Saualm

Gegen GUANTANAMO leben diese Leute wie im Paradies! Natürlich gibt es dort Oben nichts zu stehlen, niemanden zu belästigen oder zu berauben!
Sollte es Denen zu schlecht sein dann haben sie die Möglichkeit nach Hause zurückzukehren und den dortigen Sozialstellen zur Last zu fallen!
Wir weinen ihnen keine Träne nach!
Danke Herr Landeshauptmann, dass Sie ein Zeichen setzen und den meisten Menschen aus der Seele sprechen!

Von arki am 08.10.2008 um 00:13

aus Wikipedia:

Die Xenophobie (gr. ξενοφοβία „Fremdenangst“, von ξένος xénos „Fremder“ und φοβία phobia „Angst“, „Furcht“), auch Fremdenfeindlichkeit, bezeichnet ein mit persönlicher Abneigung und Abwehr verbundenes Verhalten der Scheu oder Furcht gegenüber als "anders" oder "fremd" vorgestellte Personen oder Gruppen, das vielfältige Formen der Ausgrenzung zur Folge hat. Sozialpsychologisch gesehen wird hier ein negativ konnotiertes Fremdbild geschaffen, um ein überlegenes Selbstbild zu erzeugen. Xenophobes Verhalten wird sozial gelernt und kann somit verändert und abgelegt werden.

Antworten Von Gast: Bösewicht am 08.10.2008 um 18:52

Steht nicht in Wikipedia:

Ja, das ist arg mit den Phobien. Die Ergophobie haben Sie noch vergessen. Diese schlimmste aller Phobien ist unter Zuwanderern verbreitet, sie ist ansteckend und kann bei Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung bei dieser auch Xenophobie auslösen.

Antworten Von DI Josef Gebauer am 08.10.2008 um 11:33

Na ja: Wikipedia ist auch nicht die letztgültige Wahrheit!

Es gibt genug seriöse wissenschaftliche Arbeiten, die Angst vor (oder Abwehr von) Fremdem als zutiefst menschliche Eigenschaft registrieren.

Das kann jeder, der Kinder hat, schon an kleinsten Kindern feststellen, die noch keine Vorurteile o.ä. "sozial gelernt" haben.

Antworten Antworten Von arki am 08.10.2008 um 14:37

Re: Na ja: Wikipedia ist auch nicht die letztgültige Wahrheit!

aus Meyers Lexikon

Vor|urteil, kritiklos, ohne persönliche Urteilsbildung oder Erfahrung übernommene Meinung, die einer sachlichen Argumentation nicht standhalten kann. Vorurteile dienen der psychischen Entlastung des Urteilenden in Angstsituationen mangels Orientierung und dem Abbau von Unsicherheit in sozialen Handlungsfeldern. Gruppenvorurteile, mit denen eigenes Unvermögen dadurch kompensiert wird, dass dieses u. a. auf fremde Völker oder nationale Minderheiten und/oder deren Wertsysteme übertragen wird, werden oft durch Manipulation vermittelt oder bestärkt.

Antworten Antworten Antworten Von DI Josef Gebauer am 08.10.2008 um 15:34

Auch wenn's vielleicht in Meyers Lexikon steht:

Ein Vorurteil muss nicht notwendigerweise falsch sein.

Wohl ist es eine übernommene, nicht selbst verifizierte Meinung - aber die kann sich durchaus auch als richtig erweisen!

Antworten Antworten Antworten Von 17und4 am 08.10.2008 um 14:57

Re: Re: Na ja: Wikipedia ist auch nicht die letztgültige Wahrheit!

und was ist damit bewiesen,
muss man jetzt sein natürliches Verhalten ändern, ohne dass die Umgebung dies vorteilhaft macht?

Zitait aus Wörterbüchern und Lexika bedeuten ohne grundkenntnis der wissenschaftlichen Diskussion gar nichts, und diese Vorkenntnis fehlt ihnen - so scheint es!

Antworten Antworten Antworten Antworten Von arki am 08.10.2008 um 16:24

Re: Re: Re: Na ja: Wikipedia ist auch nicht die letztgültige Wahrheit!

Mir geht es nicht darum Sie zu belehren, wenn Sie lieber bei ihrer Meinung bleiben wollen ist das ihr gutes Recht. Ich wollte nur zusätzlich Informationen für Leser bereit stellen, welche wie im Meyers Lexikon, von Experten geschrieben werden. Falls Sie sich für diese gesellschaftpsychologischen Hintergründe interessieren empfehle ich ihnen diesen Text über die postmoderne Identität von Heiner Keupp einer der angesehensten Wissenschaftler in diesem Bereich.
http://www.ipp-muenchen.de/texte/postmoderne_identitaeten.pdf
In den Lexikas ist es oft ganz gut zusammengefasst und entspricht häufig eher den lesegewohnheiten des Internetnachrichten- Lesers.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: ? am 09.10.2008 um 08:30

Re: Re: Re: Re: Na ja: Wikipedia ist auch nicht die letztgültige Wahrheit!

entschuldigen sie. aber xenophobie ist wohl das absolute modewort einer gewissen szene.
alles auf ängste abzuschieben ist wohl ein bisschen billig. vor allem, wer braucht, um sich die realität in wien anzusehen, experten (das nächste modewort). es geht darum, dass es probleme mit integrationsunwilligen einwanderen gibt und diese von vielen einfach negiert werden.
ich würde vielen raten: weg von den büchern und expertenmeinungen und ab in die realität.

Antworten Von lurch am 08.10.2008 um 10:35

Re: aus Wikipedia:

Na und, was wollen Sie damit sagen?

Ist wahrscheinlich eine Solidaritätserklärung für die Fremden, die auf der Saualm sind. Kennen Sie diese Leute, oder wollen Sie bloß "in" sein. Ich bin sicher, daß es genug Asylanten in Kärnten gibt, die halbwegs ein Auskommen mit ihrer Umgebung und den Einheimischen haben. Deren Ansehen wird durch Leute, die durch Unangepaßtheit, Raufereien und Streitereien mit den Einheimischen auffallen, beschädigt.

Antworten Von Recke am 08.10.2008 um 10:22

Re: aus Wikipedia:

Was wesentlich schneller und berechtigter in diesem Land abgelegt werden sollte ist die linke Dummheit.

 
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