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Koalition: Finanzkrise erhöht Druck auf Pröll

10.10.2008 | 18:35 |  KARL ETTINGER UND OLIVER PINK (Die Presse)

Doch Rot-Schwarz? In der ÖVP wächst die Sorge, dass „Spielchen“ die Bürger verärgern könnten. Zudem steigt die Angst vor baldigen Neuwahlen bei einem Gang in Opposition und einer SPÖ-Minderheitsregierung.

Wien. „Insgesamt steigt der Druck auf alle Beteiligten, sich nicht mehr mit dem Getue abzugeben. Die Leute erwarten sich einmal eine handlungsfähige Regierung.“ In der ÖVP wurden am Freitag die düsteren Wirtschaftsaussichten als Warnung angesehen, dass SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖVP-Obmann Josef Pröll nun rasch offizielle Verhandlungen über die Bildung einer Regierung aufnehmen sollten. Damit kommt vor allem der ÖVP-Chef unter Zugzwang, der zuerst ein – nun für Dienstag fixiertes – Treffen aller Parteichefs verlangt hat, ehe der ÖVP-Vorstand überhaupt über die Aufnahme von rot-schwarzen Koalitionsverhandlungen entschieden hat.

Die Sorge, die schwarze Parteifreunde Josef Prölls äußern: Je länger der ÖVP-Obmann zuwartet, desto mehr würden die Leute verärgert, wenn sich letztlich Rot und Schwarz ohnehin wieder auf eine Neuauflage der Koalition einigen. Zumal Pröll sein Einlenken auf rasche Gespräche mit dem dramatisch geänderten wirtschaftlichen Umfeld argumentieren könnte.

Zwar heißt es in der ÖVP, dass derzeit nach wie vor eine Mehrheit für den Gang der Volkspartei in die Opposition ist (siehe auch Interview unten). Allerdings wird, sollte sich die Volkspartei tatsächlich auf die Oppositionsrolle festlegen, dies als „Hochrisikovariante“ angesehen. Begründung: Dann sei nämlich eine SPÖ-Minderheitsregierung wahrscheinlich und in weiterer Folge gäbe es „ziemlich bald“ Neuwahlen. Die ÖVP müsste in diesem Fall befürchten, wegen ihrer Koalitionsweigerung vom Wähler erneut „abgestraft“ zu werden.

Und die Alternative einer von Pröll geführten schwarz-blau-orangen Regierung, mit der etwa die Schwarzen in Kärnten oder der Steiermark liebäugeln? Da bleiben angesichts der Reibereien im blau-orangen Lager massive Bedenken, dass Schwarz-Blau-Orange tatsächlich „hält“ und „echte“ Regierungsalternative für die ÖVP ist. Ein Hauptargument: Mit der FPÖ sei – Stichwort EU-Volksabstimmung – noch schwieriger ein gemeinsamer Europakurs zu finden als mit Werner Faymanns SPÖ. Als Indiz für die Vorbehalte wird auch gewertet, dass ÖVP-Obmann Josef Pröll zuletzt in der „ZiB 2“ zwar Schwarz-Blau-Orange nicht ausgeschlossen, aber als „nicht sehr wahrscheinlich“ beurteilt hat.

Anders ist die Situation in der SPÖ: In den Reihen der Sozialdemokraten steigen angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Probleme die Hoffnungen, dass in der ÖVP die Befürworter einer neuen rot-schwarzen Regierung langsam doch Aufwind bekommen. Diese finden sich vor allem in der Wirtschaft und in Niederösterreich. Eines vermeidet man in der SPÖ derzeit: Josef Pröll zu reizen, ihn unter Druck zu setzen. Führende Sozialdemokraten halten sich daher auch mit Kritik zurück.

Das Kalkül auf SPÖ-Seite: Mit dem Schnüren eines Konjunkturpakets bis 28.Oktober, wie dies Faymann und Pröll vereinbart haben, könnte gezeigt werden, dass die rot-schwarze Zusammenarbeit im Krisenfall für Österreich noch immer die beste Variante sei.

In der ÖVP ist man sich einig, dass nun nicht „die Zeit der Spielchen“ ist, sondern Zeichen der Stabilität gefordert sind. Es ist daher auch nicht daran gedacht, Wilhelm Molterer als Finanzminister durch Josef Pröll zu ersetzen.

Der neue ÖVP-Chef hatte Donnerstag in der „ZiB 2“ auch gemeint, dass nun „rasch die richtigen Schritte gesetzt“ werden müssten. Was darunter zu verstehen ist? Pröll will in informellen Gesprächen mit Faymann relativ schnell abklären, wie weit SPÖ und ÖVP in den wichtigsten Fragen auseinander sind, und ausloten, wie ein gemeinsames Programm aussehen könnte. Zudem müsse in Gesprächen mit den Obleuten der anderen Parteien geklärt werden, wie man künftig mit den Gesetzesmaterien, die einer Verfassungsmehrheit unterliegen, verfahren soll. Denn SPÖ und ÖVP verfügen über keine Zweidrittelmehrheit mehr.

 

Parteicheftreffen am Dienstag

Das von Pröll verlangte „Österreich-Gespräch“, ein runder Tisch mit allen Parteichefs, wurde für Dienstag, 16.30 Uhr, fixiert. Ein weiteres Zweiertreffen zwischen Faymann und Pröll könnte am Montag stattfinden. Bestätigen wollte das am Freitag aber weder die eine noch die andere Seite.

AUF EINEN BLICK

Am kommenden Dienstag werden sich die Chefs aller fünf Nationalratsparteien um 16.30 Uhr im Parlament am runden Tisch treffen. ÖVP-Obmann Josef Pröll hatte ein derartiges „Österreich-Gespräch“ verlangt, bevor mit der SPÖ Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2008)


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67 Kommentare
 
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Von Lichtherz am 14.10.2008 um 10:57
Zum Artikel: Schwarz-Blau-Orange: Für Pröll "nicht sehr wahrscheinlich"

Strache

tut gut daran, seine Aggressivität, die natürlich nur ein Schutzmechanismus darstellt, zu zügeln. Im Interesse einer gemeinsamen starken Opposition!

Von optimus am 13.10.2008 um 14:25

Finanzkrise erhöht Druck auf Pröll

Offensichtlich sind “schwarze” Banken gefährdet. Zuviel bei den nördlichsten Vikingern investiert. Eine saga?

Antworten Von optimus am 13.10.2008 um 14:31

Island,

hoffentlich bleibt vieles hier hängen. Im übrigen übt sich der Vikinger stets in Empfang von Tributen in Form von Gold/Geld, dazu noch Frauen

Von Markus Neuner am 13.10.2008 um 10:35

In Zeiten der Finanzkrise

ist es nun notwendig neue Wege zu gehen und sich total um zu stellen.
Ich bin der Meinung das gerade in finanziell schwierigen Zeiten viel getan werden muss weil es nicht nur um die Banken sondern auch um die Wirtschaft geht.
Ich frage mich was die Finanzkrise ausgelöst haben könnte. Wir gehen auf wirtschaftlich schwierige Zeiten zu die selbst für die Politik in Österreich und Europa nicht leicht sein werden. Wir brauchen rasche Lösungen. Und diese können nur in der neuen Regierung erarbeitet und durchdacht werden.
Im Moment geht es nicht um Neuwahlen sondern viel mehr um die Frage wie man Lösungen schafft wie man schnelle Hilfe leisten kann.


Von citoyen am 12.10.2008 um 14:29

Wenn Pröll nicht den Kanzler macht, ist er ein arges Weichei

Raiffeisen, der Onkel Erwin und eine links-grüne Medienallianz werden Pröll in die Koalition mit Faymann treiben (was er im übrigen auch selbst will).

Pröll hört nicht auf die Basis; das wird bei der nächsten Wahl sein Ende bedeuten, weil dann die ÖVP weiter dramatisch verloren haben wird.

Es gibt eine Koalition Mitte - Rechts. Pröll soll kein Weichei sein und den Kanzler machen.

Dann werden zwar einige linke Journalisten (leider auch in der Presse), die links-populistische ZIB Redaktion und Gutmenschen wie der Heller Franzi böse sein, aber: wen stört das wirklich?

Wenn Pröll die Macht nicht annimmt, kann er gleich aufhören. In einem Lagerhaus im Weinviertel wird er schon einen Job kriegen.

Antworten Von Gast: H,H, am 13.10.2008 um 01:39

Re: Wenn Pröll nicht den Kanzler macht, ist er ein arges Weichei

stimmt, pröll muss kanzler werden so wie 2000 schüssel - als dritter und einer abwahl - schon das zweitemal seit 2006 MINUS 8% - die wohl einmalig ist (wann ist jemals eine partei zweimal hinter einander mit minus 8% abgewählt worden).
da die övp meint, dass NUR ihr der kanzler zusteht wenn sie dritte wird braucht sie nur noch fpö und bzö überzeugen, dass sie wieder "zusammen gehen" und schwupps sie hat es geschafft, sie ist dritte.
nur muss die övp aufpassen, dass die fpbzö die övp-regeln anerkennt und nicht der meinung ist, dass nur ihr als eindeutigen gewinner der wahl der kanzler zusteht.
hoffentlich verwählen sich die wähler nicht wieder wie 2006, als sie der schwarz-bunten-koalition einen absturz auf ca. 38% insg. für beide parteien "verpasste".
sehr oft kann sich die övp nicht mehr minus 8% leisten.

Von Gast: AEIOU am 12.10.2008 um 13:01

Erwin "Schlehmils" Meinung.

Es kann nicht schnell genug vorangehen.Was denn eigentlich?Die Bassenakoalition-Bildung?Die Ingnoranz des Wählerwillens.Kann Erwin der Erste nicht etwas zuwarten. Das dicke Ende kommt schon noch.Soll ich oder soll ich nicht.Diese Frage stellt sich Neffe Pröll seit dem Urnengang.Vorher hat er noch auf die ÖVP-Mehrheit spekuliert.Und sich schön ausgemalt,was er den Roten alles antun und wie er sie kujonieren würde.Jetzt ist es gerade umgekehrt.Tja, jetzt ist guter Rat teuer.Aber wie beim Schachspiel,es gibt manchmal nur ein Patt.Also Neuwahlen?Na, probiert das schnell nocheinmal.Die Wähler werden Euch diesmal eine Ordentliche überbraten. BZÖ und FPÖ wetzen schon die Schlachtermesser.Heissa, wird das ein Fest werden.Die Wortbruchkoalition ist ein Ausweg? Falsch.Ein Irrweg.So oder so,das Ergebnis wird das gleiche sein.Und eines nicht vergessen:Die Massen müssen jetzt kalmiert werden.Mit den Goodies,die knapp vor der Wahl in Panik noch versprochen wurden.War gelogen?Nicht doch,schon wieder?

Von Gast: timeo am 11.10.2008 um 19:00

GroKo

Wenn die ÖVP ehrlich ist, darf sie keine GroKo mit der SPÖ eingehen, solange Faymann deren Obmann ist. Warum ? Was war schließlich der ausschlaggebende Grund, warum die ÖVP sagte: " Es reicht...." Es war die Meinungsänderung der SPÖ betreffend Volksabstimmungen in EU-Angelegenheiten: Und Faymann erklärt auch jetzt noch, dass er nur eine Bedingung für eine GroKo stellt: Nämlich seine Haltung über einen Volksabstimmung in wichtigen EU-Fragten, die dazu noch so verschwommen ist, dass er nach seinem Belieben entscheiden kann, ob Volksabstimmung Ja oder Nein. Wenn nun die ÖVP in dieser Frage nachgibt, dann waren die Neuwahlen umsonst, denn dann hat die SPÖ und Faymann ihre Meinung durchgesetzt und das wird der ÖVP -mit Recht - als Schwäche angerechnet werden.

Antworten Von Gast: AEIOU. am 12.10.2008 um 13:03

Re: GroKo

Ein analytisches Meisterstück, das Sie liefern. Ganz im Stile unserer hochdotierten Auguren. Im Volksmund heißen die Kaffeesudleser.

Von W. Serro am 11.10.2008 um 17:13

Rot / Schwarz ist der sichere Niedergang für die ÖVP

Obwohl unbestritten die beste Lösung für das Land, ist eine rot-schwarze Neuauflage der Koalition (GrKo) wahrscheinlich der sichere Niedergang für die ÖVP.

Wenn die SPÖ eine solche Neuauflage der GroKo will, dann muss trotz der Eile das Programm in detaillierte Form niedergeschrieben werden, und dies klar und deutlich. Die Roten haben sich zig-fach nicht an das letzte Programm gehalten, sie haben innerhalb 24 Stunden 180 °-Wendungen eingeschlagen und schon von Verhandlungsbeginn der GrKo an, diese GrKo mit Füssen getreten, in dem sie die ÖVP ständig provozierten (UA's).

Daher sollen die Genossen nur schön artig ihr Lügenmaul halten - und wenn sie bereit sind mit der ÖVP zu koalieren, wieder zu den Grundregeln des menschlichen Anstands zurückfinden.

Die Idee Pröll mit den Österreichgesprächen an den alle Parteieln teilnehmen sollen, finde ich für sehr gut. Damit können neue Wege der Zusammenarbeit auf non-populistischen Weg gefunden werden.

Antworten Von derpradler am 11.10.2008 um 19:44

Re: Rot / Schwarz ist der sichere Niedergang für die ÖVP

Lügenmaul...zum politischen Anstand zurückkehren......
Wer sind Sie, daß Sie glauben solch einen Mist von sich geben zu können. Sie können doch nicht voraussetzen, daß die Leser wissen, einen Irren vor sich zu haben.

Antworten Antworten Von W. Serro am 13.10.2008 um 12:47

Re: Re: Rot / Schwarz ist der sichere Niedergang für die ÖVP

Die Wahrheit ist meist schwer zu hören und die wenigsten können mit ihr Leben;-)

Oder wollen sie allen ernstes behaupten, dass Faymann nie gelogen oder die Meinung gewechselt hat?

Antworten Antworten Von Gast: Dr.Gernot Stöckl am 12.10.2008 um 15:14

Re: Re: Rot / Schwarz ist der sichere Niedergang für die ÖVP

Das ist so einer der Zeitgenossen, deren wegen die Presse die Kommentierung zum Unfalltod Haiders unterbinden hat müssen!!!

Von Lepanto am 11.10.2008 um 12:20

Ist es nicht ein Jammer ...


... dass die politischen Hoffnungen des Volkes, also diejenigen, die für die Bonzokratie unbequem sind, oft viel zu früh aus dem Leben gerissen werden.

Etwa Jörg Haider oder Pim Fortyn.


Antworten Von Lepanto am 11.10.2008 um 12:23

Re: Ist es nicht ein Jammer ...


Wie hieß der deutsche FDP-Fallschirmspringer gleich? Ah ja, Jürgen Möllemann.

Antworten Antworten Von Gast: Hasta la vista am 11.10.2008 um 14:09

Re: Re: Ist es nicht ein Jammer ...

Genau! Denn der Barschel ist ja in Genf in einer Badewanne ertrunken. Könnte der Angie auch passieren, sollte sie nicht weiter freudig zahlen.

Von Gast: Graf Gudenus am 11.10.2008 um 12:12

Finanzkrise erhöht Druck auf Pröll

Diese erhöht Druck auf Österreich. Will man sich dessen wehren; hilft nichts anderes als sich zusammentun mit anderen Ländern, wie Luxembourg, so diesen Östreich goutiert.

Antworten Von udalricam am 11.10.2008 um 19:11

Re: Finanzkrise erhöht Druck auf Pröll

Ist Ihre Muttersprache neben dänisch noch gsahdgjehr43uzrubfhdcbndcajh?

Antworten Antworten Von optimus am 13.10.2008 um 14:22

Muttersprache,

Ihre, einem's hat wohl hier nichts zu suchen

Antworten Antworten Antworten Von udalricam am 13.10.2008 um 15:58

Re: Muttersprache,

Er hat nicht verstanden.

Von Gast: Sterntaler am 11.10.2008 um 10:54

Cash Flow

Also, Pepi, mach dir wegen einer Finanzkrise keine Sorgen. Kauf halt mit dem Werner die restlichen sechs Teuro-Fighter nach und mit dem Schmattes sind wir wieder liquide. Pax et cash nobiscum!

Von Gast: Neoliberal am 11.10.2008 um 10:47

alea iacta est

Die Koalition der Verlierer kommt jetzt 100%ig. Strache wird sich mit dem führerlosen BZÖ versöhnen. Bei der nächsten (vorgezogenen) Wahl so um 2010 herum, wird Strache Erster. Die Koalition der Verlierer wird wieder nichts zusammen bringen. Der Holzkopf Faymann wird sich als Holzkopf entpuppen, da kann er mit seinen Hundsaugerln noch so treuherzig schauen.

Antworten Von Gast: latinum am 11.10.2008 um 15:21

Re: alea iacta est

nun du bist der lebendige beweis dafür, das lateinkenntnisse nicht für intelligenz stehen.

Antworten Antworten Von udalricam am 11.10.2008 um 19:16

Re: Re: alea iacta est

Das wissen wir doch alle, nur ein Zeichen von besonderem Sitzenvermögen.

Von Gast: raven am 11.10.2008 um 09:10

steuersenkung für arbeitnehmer

das wichtigste ist eine steuersenkung für arbeitnehmer! wenn sich das volk nichts leisten kann, wird es der wirtschaft nicht gut gehen

 
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