Jörg Haider hat sich immer wieder als legitimer Nachfolger Bruno Kreiskys in der österreichischen Innenpolitik präsentiert. Das sollte wohl einerseits eine Provokation sein: Haider, der wenig Probleme mit latent antisemitischen Tönen in seiner Umgebung hatte, als direkter Nachfahre des großbürgerlichen Juden Bruno Kreisky?
Hinter Haiders Inanspruchnahme des Kreisky-Nachfolgerechts steckte aber auch ein legitimer Anspruch: Kein anderer Politiker der Zweiten Republik war auch nur annähernd das Naturtalent, das Haider repräsentierte. Außer eben Kreisky. Die große Begabung Kreiskys bestand darin, Menschen, die mit der sozialistischen Idee wenig bis nichts zu tun hatten, "ein Stück des Weges" mitzunehmen. Eine "linke" Mehrheit im alten sozialistischen Sinn hat es in diesem Land vermutlich nie gegeben. Dass die SPÖ 13 Jahre lang mit absoluter Mehrheit regieren konnte, lag nur daran, dass Kreisky weit über seinen "eigentlichen" Aktionsradius als SPÖ-Chef hinaus agierte und agieren konnte. In dieser Kunst kam ihm Haider, dem Ideologie immer nur Mittel zum Zweck war, am Nächsten. Wohl auch, was das geschickte Alimentationssystem der wichtigsten Mitspieler außerhalb der engeren Grenzen der eigenen Partei betrifft. In Kärnten hat Haider das erreicht, was Kreisky bundesweit gelang.
Ein faszinierendes Paar: Zwei begnadete Linkspopulisten, der eine aus jüdisch-großbügerlichem, der andere aus nationalsozialistisch-kleinbürgerlichem Milieu. Dass jetzt alle, auch seine ehedem erbittersten Gegner, von einem Verlust für die österreichische Politik und von einer Ausnahmebegabung sprechen, ist wahrscheinlich nicht einmal geheuchelt: Der gerade erst beendete Wahlkampf hat es überdeutlich gezeigt.
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(fle)

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