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Die Große Koalition ist nun noch wahrscheinlicher

12.10.2008 | 18:25 |  CLAUDIA DANNHAUSER UND MARTIN FRITZL (Die Presse)

Selbst die Verfechter von Schwarz-Blau-Orange in der ÖVP gehen nun von Rot-Schwarz bis Mitte Dezember aus. „Österreich-Gespräch“ aller Parteien soll aber Dienstag stattfinden.

WIEN. An der Großen Koalition führt nun kein Weg mehr vorbei. Davon zeigten sich am Sonntag bei einem Rundruf der „Presse“ selbst die eingefleischtesten Freunde von Schwarz-Blau-Orange überzeugt. Der Tod Jörg Haiders mache das Projekt noch unsicherer, als es schon vorher war. Und auch die Oppositions-Option halten die meisten in der ÖVP nicht mehr für realistisch. Daran ist aber vor allem die ausufernde Finanzkrise schuld, die keine raschen Neuwahlen möglich mache.

Daher sieht alles danach aus, dass sich alle fünf Nationalratsparteien zwar am Dienstag zum „Österreich-Gespräch“ im Parlament zusammenfinden, schon Mitte Dezember aber eine große Koalition stehen könnte. SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann hatte die Anregung von ÖVP-Chef Josef Pröll aufgenommen und zur gemeinsamen Ideenfindung in Zeiten der Börsenkrachs geladen. Sonntag hieß es in der SPÖ, man habe aus dem BZÖ Signale erhalten, dass man an dem Gespräch trotz des Unfalltods von Haider teilnehmen werde. Man wolle dem BZÖ aber keinen Stress machen. Notfalls müsste ein Ersatztermin gefunden werden.

In der ÖVP macht man sich unterdessen keine Illusionen mehr, dass alles, was abseits der Großen Koalition – von der Konzentrationsregierung über Schwarz-Blau-Orange bis zur Opposition – überlegt wurde, tatsächlich umgesetzt werden könnte. Der Unmut über ein neuerliches Zusammengehen mit der SPÖ hat zwar nicht abgenommen, doch sind zwei Unsicherheitsfaktoren – Wirtschaftskrise und BZÖ-Zukunft – einer zu viel.

Offiziell will einen Tag nach dem Tod des BZÖ-Chefs schon aus Pietätsgründen niemand Stellung nehmen. Doch selbstverständlich wird schon über die Folgen für die Regierungsbildung nachgedacht. Die Analyse in der Volkspartei verläuft meist nüchtern, was die Zukunft des einstigen Koalitionspartners betrifft: Entweder das BZÖ zerfällt im Streit und versinkt angesichts der Führungslosigkeit im Chaos. Oder man vereinigt sich wieder mit der FPÖ. Beide Varianten brauchen wohl ihre Zeit und die hat man für die Regierungsbildung angesichts der Wirtschaftslage nicht mehr wirklich.

Das Problem für Koalitionsgespräche: Man weiß jetzt nicht, ob sich der gestern installierte Parteichef Stefan Petzner auch langfristig tatsächlich im BZÖ durchsetzen wird und ob man mit ihm auch Vereinbarungen schließen kann. Vorher wäre Jörg Haider der sichere Partner für die Mitte-Rechts-Koalition gewesen – das Problem hätte darin bestanden, auch noch die FPÖ ins Boot zu holen. Jetzt gäbe es zwei unsichere Kantonisten. Außerdem, meinen die Kritiker von Rot-Schwarz, habe die ÖVP mit der Wahl von Josef Pröll zum neuen Parteichef ohnehin schon den Weg in Richtung Großer Koalition geebnet. „Und selbst wenn er das nicht wollte. Die, die ihn dazu gemacht haben, werden ihn daran erinnern“, heißt es.

Auch die, die mit der Opposition geliebäugelt haben, halten das jetzt nur noch für eine unrealistische Fantasie. Zwar nicht deshalb, weil die ÖVP damit auf Macht, Einfluss und unzählige Posten verzichten müsste. Vielmehr sei die Konsequenz aus der ÖVP in Opposition, dass die SPÖ auch keine Option mehr für die Bildung einer Koalition hätte und eine Minderheitsregierung auf die Beine stellen müsste. Das ist nicht so einfach: Schließlich ist nach Auszählung der Briefwahlstimmen die Unterstützung durch nur eine kleinere Partei nicht mehr ausreichend. Die SPÖ bräuchte aus der Auswahl von Blau, Orange oder Grün zumindest zwei sichere Unterstützer. Dass die ÖVP selbst eine SPÖ-Minderheitsregierung unterstützen könnte, wird als völlig unsinnig abgetan.

Selbst wenn es der SPÖ also gelingen würde, eine Minderheitsregierung auf die Beine zu stellen, wäre wohl mit baldigen Neuwahlen zu rechnen – und das spätestens im Mai oder Juni, wenn das Budget geplatzt ist. Ein Szenario, das sich die ÖVP erst recht nicht wünschen kann.

 

Koalition bis zum Parteitag?

Es ist also zu erwarten, dass demnächst Verhandlungsgruppen von SPÖ und ÖVP gebildet werden. Die SPÖ lässt sich jedenfalls schon am Donnerstag in Parteipräsidium und Parteivorstand die Strategie für die Koalitionsgespräche absegnen und die Verhandlungsteams nominieren. Die ÖVP, so heißt es, könnte dann auf ihrem Sonderparteitag am 28.November den Delegierten bereits ein großteils fertiges Koalitionskonzept präsentieren.

PARTEIENGESPRÄCHE

Dienstag findet aller Voraussicht nach trotz des Todes von BZÖ-Chef Jörg Haider das „Österreich-Gespräch“ aller fünf Parlamentsparteien statt. Angeregt hat es ÖVP-Obmann Josef Pröll. SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann hat die Idee sofort aufgenommen.

Donnerstag treffen sich SPÖ-Präsidium und Vorstand, um die Linie für die geplanten Koalitionsgespräche mit der ÖVP und die Verhandlungsteams festzulegen.

Parallel laufen seit vergangener Woche Gespräche zwischen allen Parteichefs. Ausständig ist zum Beispiel noch ein Treffen von SPÖ-Chef Faymann mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Ein Termin wird schon gesucht, wurde am Sonntag versichert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)


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15 Kommentare
 
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Von Gast: andreas am 13.10.2008 um 10:30

wähler verlieren

angesichts der konkurrenz von petzner und strache kann die övp sogar als blindes huhn die wähler wieder einsammeln... irgendwann geht auch jeder protest zu ende, wenn keine antworten mehr kommen und wer sollte die jetzt geben?

Antworten Von W. Serro am 13.10.2008 um 12:15

Re: wähler verlieren

So sehe ich das nicht. Die Herren von FPÖ und BZÖ gehören in die Pflicht genommen. Immerhin hat sie ein knappes Drittel gewählt. Das ist ein eindeutiger Regierungsauftrag. Nicht nur als Hinterbänkler gescheite Sürüche klopfen. An die Arbeit mit den Gewinnern.

Von W. Serro am 13.10.2008 um 09:19

Was heißt unsicherer?

Das BZÖ ist willens an Prölls vorgeschlagenen Österreichgespräch teilzunehmen. Nun sollte raschest die Grünen und die FPÖ angesprochen werden.

Die ÖVP will doch nicht im ernst eine große Koalition ansteuern. Will sie ihre letzten Wähler verlieren? Von der SPÖ ständig pflanzend in eine Neuwahl getrieben werden - weil die Roten zu feig waren einzugestehen, dass sie nicht mehr regieren wollen - und sich jetzt wieder in ihr Bett legen?

Wer zu Wanzen und Läusen sich abends ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er übersät mit Dippeln aufwacht;-)

Herr Pröll soll ein bißchen in seinen Wählerkreis horchen, vor allem, den jungen. Wenn er sich mit den Roten zusammenwirft, verliert er deren Stimmen garantiert.

Sein Oheim wird die U-Bahn auch ohne große Koalition bauen können.

Von GHS am 13.10.2008 um 08:56

Ein Albtraum...

Ein schrecklicher Albtraum hat mich erfasst: Schüssel und Strache haben zusammen 85 Mandate. Es brauchen nach der Verewigung des Haider nur 7 von den 21 seiner Abgeordneten zum Strache zurückgehen, dann haben wir eine schwarz-blaue Mehrheit und Koalition und einen Bundeskanzler Schüssel .... ein grässlicher Gedanke !

Antworten Von Gast: Crusader am 13.10.2008 um 09:36

Re: Ein Albtraum...

Ich dachte auch Schüssel war schlimm - aber dann kamen Gusenbauer und Faymann.....

Antworten Antworten Von Gast: andreas am 13.10.2008 um 10:31

Re: Re: Ein Albtraum...

schüssel war schlimm, immerhin hat man die österr. mit dem nulldefizit in atem gehalten und ordentlich belogen, seine regierungen haben nicht gehalten, schon gar nicht was er versprochen hat... immer nur wir sind nr1... ist kein inhalt

Antworten Antworten Antworten Von W. Serro am 13.10.2008 um 12:11

Re: Re: Re: Ein Albtraum...

Aber dass unsere Gesamtverschuldung während 2000 bis 2007 von 70 % auf unter 60 % abgesenkt wurde, dürfte Ihnen bei Ihrem letzten "Gehirn-Flatus" entgangen sein?

Sie glauben auch alles, was die Finanzpfeife Maznetter an Latrinengerüchten aus Brüssel mitnimmt, wenn Gusenbauer ihn dorthin schickt.

Apropos Gusenbauer, er ist auf einmal wieder da. Haben's ihn aus der Parteihaft wieder entlassen?

Von Gast: isodora am 13.10.2008 um 01:18

Nun - ich denke, mit dem Tod Haiders ist auch der politische von Wolfgang Schüssel besiegelt.

Noch vor 4 Tagen hat er (ja) fröhliche Urständ´ in der ÖVP gefeiert, als sich der Herr Pröll jun. wie ein Pflanzerl geziert haben wollte, auch nur irgendetwas anzugreifen.

Sosehr ich den Wolfgang nun schon seit mehr als 40 Jahren kenne, (und nicht wirklich lieb gewonnen habe nach 1991 mit dem Erhard), sosehr ist der Pröll jun. nicht einmal ein Erstklassler im eigenständigen Taktieren.

Antworten Von W. Serro am 13.10.2008 um 09:38

Re: Nun - ich denke, mit dem Tod Haiders ist auch der politische von Wolfgang Schüssel besiegelt.

Ihre Wortwahl und Pietätlosigkeit alleine verrät ihre Herkunft und die GENOSSENe Kinderstube.

Sie kennen Schüssel tatsächlich seit der Zeit vor 1968? Sozusagen von seiner Kindheit bzw. frühsten Jugend an?

Sie sollten sich lieber selber mal kennenlernen und an ihren Anstand arbeiten, soweit dieser noch verbesserbar ist.

Von my2cent am 12.10.2008 um 22:54

ein BZÖ mit haider war ein "verlässlicher partner"?


sorry, aber warum sollte jetzt das BZÖ unberechenbarer sein als MIT haider?

jörg "bin schon weg und wieder da" haider als garant für eine stabile politik hinzustellen grenzt imho an heiligsprechung

etwas bessere gründe sollte es da schon geben wenn wieder rot-schwarz kommt

Von Gast: Orakel am 12.10.2008 um 20:54

1. kommt es anders, 2. als man denkt!

Und Haiders Ideen leben weiter.....

Antworten Von Gast: schumpeter am 13.10.2008 um 07:56

Re: 1. kommt es anders ...

Worin bestehen denn "seine" Ideen? Mir sind keine langfristigen Ideen bekannt, ausgenommen das "Aufbrechen des Proporzsystems". Haider selbst hat für Probleme zu keiner Zeit gute, nachhaltige Lösungen angeboten, exzellente Maßnahmen gesetzt. Er war Meister im Zwietrachtsäen, Polarisieren ... s o hat er "seine" Loser angesprochen, ihre Stimmen gewonnen. Er war STIMMENMAXIMIERER, nicht WOHLFAHRTSMAXIMIERER. In diesem Sinne war er weniger Politiker, vielmehr Demagoge! Das ist jetzt vorbei. Ich bezweifle, ob ein Strache oder Petzner in der Lage sind, es Haider gleichzutun ...

Antworten Antworten Von Gast: Crusader am 13.10.2008 um 09:38

Re: Re: 1. kommt es anders ...

Gerade die Linke sollte über das Ableben tief erschüttert sein! Hätte Haider noch Jahre weitergemacht wäre er eben ein bekannter Politiker mit vielen Erfolgen geblieben aber doch nur ein Politiker. Vielleicht hätten die Wähler ihm wie schon Kreisky eines Tages die Zustimmung versagt und damit wäre er einfach nur ein ehemaliger Politiker gewesen. Mit seinem Ableben mitten in einem seiner Erfolge wird er zum Mythos - zur Haider Legende. Wie lange wird es dauern bis die ersten sagen "mit dem Haider wär`s aber ganz anders (besser)". Ich habe seine Politik der letzten Jahre zwar nicht mehr mitgetragen aber er hat große Veränderungen bewirkt die richtig waren!
An die ganzen Linken die sich über sein Ableben so freuen, daß man sogar die Foren schließen mußte: Wie bekämpft man einen Mythos der nichts mehr falsch machen kann?
BZÖ und FP werden sich über kurz oder lang wiedervereinen mit dem "historischen Haider" als gemeinsame Identifikationsfigur!
Rechts hat nun seinen eigenen Kreisky!

Antworten Antworten Antworten Von Gast: schumpeter am 13.10.2008 um 10:57

Re: Re: Re: 1. kommt es anders ...

Dr. Haiders "Erfolge" beziehen sich auf seine Fähigkeit, Stimmen zu gewinnen. In sachpolitischen Belangen hat er kläglich versagt. Die Entzauberung Haiders hat ja schon längst begonnen, in einigen Jahren wird man mit seiner durchtriebenen Demagogie abrechnen ... Haider ist selbst geläutert, hat sich in den letzten Monaten sehr staatsmänisch und kompromissbereit gegeben. Diesem Mann hat die internationale Ächtung, die er zu Recht erfahren hat, bis ins Mark getroffen ...

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: Crusader am 13.10.2008 um 12:13

Re: Re: Re: Re: 1. kommt es anders ...

Wissen`s bei einem Che Statuen bejubler ist Hopfen und Malz verloren sülzen`s doch lieber im Standard dort passen`s hin - zu ihren besonders tiefsinnigen posthumen Haider Beschimpfern.
Und abgerechnet wird ganz sicher aber ganz anders als sie sich das vorstellen.
Da braucht`s keinen Haider/Strache/FP oder BZOE nur ein Volk das von euch Socken genug hat.
Der Linken wird nach ihrer jahrzehntelangen Diktatur in Medien und Politik schon noch gezeigt wo der "Bartl den Most herholt".

 
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