Auch am Sonntag standen die Menschen vor dem Amt der Kärntner Landesregierung Schlange. Sie legten Kerzen nieder, trugen sich ins Kondolenzbuch ein, weinten. Jörg Haider polarisierte Zeit seines politischen Lebens. Seine Anhänger verehrten ihn, seine Gegner verfolgten ihn. Beiden wird er fehlen. Haider hat eine ganze Generation politisiert. Man war für ihn. Oder gegen ihn. Kalt ließ er keinen.
Samstag früh ist Jörg Haider mit seinem Auto tödlich verunglückt – der Tacho blieb bei 142 km/h stehen.
Von seiner Hochburg in Kärnten aus lehrte er die Große Koalition in Wien, aber auch Europa und die Welt das Fürchten. Zur 27-Prozent-Partei machte er seine FPÖ 1999. Haider war am Höhepunkt. Doch wie so oft zerstörte er alles. Und raffte sich doch wieder auf. Bis ihm der Tod in die Quere kam.
Haider war ein vielschichtiger Charakter: charmant und aufmerksam im persönlichen Umgang. Doch kaum sprach er in ein Mikrofon, ging die Lust an der Provokation mit ihm durch. Begonnen hatte er als frecher, eher linker Sozialpolitiker. Obwohl er später nach rechts abdriftete – mit NS-Anspielungen, seiner Ausländerpolitik – blieb das Soziale sein politisches Lebensthema. Das Wohl des kleinen Mannes lag ihm am Herzen. Er fürchtete auch dessen (kleinbürgerliches) Urteil: Daher war es für ihn etwa ausgeschlossen, in der Ortstafelfrage konziliant zu sein.
Jörg Haider war Populist. Für ihn selbst ein zu hundert Prozent positiver Begriff. Die Massen, die nun, vor allem in Kärnten, um ihn trauern, bestätigen ihn posthum in seiner Ansicht. oli
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2008)

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