Alpinisten vom Nanga Parbat gerettet

24.07.2008 | 18:04 |  Von unserem Korrespondenten PAUL KREINER (Die Presse)

Während ein Helikopter die beiden italienischen Bergsteiger auf 6000 Metern Höhe in Pakistan abholte, kamen am Mont Blanc vier Niederländer ums Leben.

ROM. Auf diesen Anruf hatten alle gewartet, elf bange Tage lang. Am Donnerstag gegen neun Uhr pakistanischer Zeit traf er im Basislager des Nanga Parbat ein. „Wir sind mit den Skiern knapp tausend Meter abgefahren, auf ein sicheres Plateau. Wir sind außer Gefahr“, meldeten Walter Nones und Simon Kehrer. Kurze Zeit später stieg ein Militärhubschrauber auf, um die beiden zu holen; der Rest war eine Sache weniger Minuten.

„Gut geht's uns, gut geht's uns“, rief der 36-jährige Trentiner Nones übers Satellitentelefon nach Europa herüber: „Gestern hat's zwar noch eine kleine Lawine gegeben, aber heute sind wir gut runtergekommen.“ Durch die Rettungsleitstelle im oberitalienischen Bergamo gellten Freudenschreie: „Bravo, Jungs! Willkommen zurück!“ Einsatzleiter Agostino Da Polenza, selbst Himalaya erfahren, teilte anschließend mit, müde seien Nones und Kehrer durchaus, aber tatsächlich in guter Verfassung.


Plakette für toten Kollegen

Und auch dies sagte er: Für den tödlich verunglückten Karl Unterkircher habe man im Beisein aller eine Plakette am Basislager angebracht. Für eine Gedenkzeremonie, wie Nones und Kehrer sie gleich nach ihrer eigenen Rettung gewollt hätten, habe die Zeit nicht gereicht. Die beiden Bergsteiger wurden praktisch sofort ausgeflogen, hinunter ins Tal, in ein „komfortables Hotel“, wo sie sich von ihren Strapazen erholen sollten.

Die Leiche des Südtirolers Karl Unterkircher, der die Expedition auf einem bisher unbegangenen Weg zum 8125 Meter hohen Gipfel hatte führen wollen, bleibt am Nanga Parbat; eine Bergung „wäre zu gefährlich“. Der 38-jährige Unterkircher war am Mittwoch vergangener Woche während des Aufstiegs durch die Rakhiot-Eiswand in eine Gletscherspalte gestürzt. Seine beiden Seilkameraden hatten ihn nicht retten können.


Vater und Söhne abgestürzt

Und noch während Italien, das am Schicksal der Himalaya-Expedition regen Anteil genommen hatte, sich am Donnerstag über den Ausgang freute, kam vom Mont Blanc die nächste Katastrophenmeldung. Am höchsten Berg Europas (4807 Meter) waren vier Holländer verunglückt. Ein Vater, drei Söhne – in einen Gletscherabbruch gestürzt, tot. Nur die Mutter hat überlebt. Sie wurde mit einem schweren Schock ins Krankenhaus gebracht. Damit starben, während Italien zum Nanga Parbat schaute, allein in den Alpen insgesamt acht Bergsteiger, an die 15 saßen fest und mussten gerettet werden, ebenso viele verletzten sich bei ihren Touren. „Tja“, sagte Einsatzleiter Da Polenza am Donnerstag, „der Berg ist zwar Freund und Herausforderung, aber Gefahren lauern immer und überall.“

Unterkircher, Nones und Kehrer waren vor mehr als einem Monat am Nanga Parbat angekommen – er war eher zweite Wahl, weil sie ihr eigentliches Ziel nicht hatten erreichen können: China verweigerte ihnen im Vorfeld der Olympischen Spiele den Zugang zum gewünschten Achttausender, dem Gasherbrum. Der Nanga Parbat hingegen liegt im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs; dorthin war der Weg frei.

Offensichtlich aber war ihnen nicht recht wohl bei der Sache. Unterkircher schrieb noch am Sonntag vergangener Woche in seinem Internet-Blog aus dem Basislager, die Rakhiot-Eiswand, „diese 3000 Meter hoch aufragende, steile Teufelswand“ lasse ihn nicht ihn Ruhe: „Sie macht mich unschlüssig und skeptisch. Angst und Kopfzerbrechen bereiten mir die Eisklumpen, die sich ständig von der zerklüfteten Wand lösen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Eiswand genau während unseres Hochsteigens loslöst, ist zwar minimal. Sie ist kein russisches Roulette. Aber ausschließen kann man es nie.“

Das pakistanische Militär hatte sich vorgesehen: Bevor sie loszog, musste die Expedition eine Kaution von 4000 Euro hinterlegen – für den Fall, dass sie eine Rettung per Helikopter benötigen würde. Den Rest der zu erwartenden Kosten bezahlen Versicherungen, wie bei jeder derartigen Unternehmung.

APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2008)


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3 Kommentare
 
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Von Gast: Ludwig Ammer am 25.07.2008 um 00:31

Zoomwalk

Alpinisten brauchen nicht weiter einfache Menschen in die Todeszonen locken. Bergwanderer können auch einen höchsten Berg unserer Erde oder Europas im Zoomwalk während der Urlaubswochen im moderateren Mittelgebirgsland bewältigen. Da sucht man sich eine der vielen angebotenen Bergstrecken mit der persönlich besten Neigung, und dann geht der Zoomwalker immer eine Bergkapelle oder ein Pillain im Visier ein paar Hundert Höhenmeter und fährt mit der Seilbahn talwärts. Das schont die Knie und das Leben, denn die verunglückten Bergwanderer hatten sich oft zu viel vorgenommen und hatten weder Glykogen noch Puste für einen langen Marsch ins Tal. Jeder kann sich selber ausrechnen, wie oft er seinen Pichel gehen muß, bis er die Höhenmeter vom Basislager des Mt. Everest bei 3500m bis zum Gipfel gemacht hat. Der Reiz der Todesangst wurde mit Jesus auch Juden als schlecht vermittelt. Warum sollten wir nicht alle christlicher einen Berg angehen?

Von Gast: Gerd47 am 24.07.2008 um 19:22

Kosten

Hallo

wer übernimmt eigentlich die Kosten für die Rettung in solchen Fällen?

Ich denke mal, wenn das so stimmt wie es geschreiben war, dass es sich um Extremsportler handelt, müssten diese die Kosten selber tragen.
Zumal die Gefahren dieser schwierigen Passage bekannt waren.

Gruß
Gerd47

Antworten Von Gast: Alex am 24.07.2008 um 21:02

Re: Kosten

Man beachte den letzten Absatz. ;-)

Gruß
Alexander

 
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