Das österreichische Tischtennis-Team hat am Samstag seinen Erfolgslauf bei den Europameisterschaften in St. Petersburg eindrucksvoll fortgesetzt. Werner Schlager, Robert Gardos und Liu Jia fixierten mit Semifinal-Einzügen gleich drei Einzel-Medaillen, nachdem es schon für das Herren-Team Bronze gegeben hatte. Zudem gewann Schlager mit dem Niederländer Trinko Keen sein Doppel-Semifinale, spielt damit um die Gold-Medaille.
Rekordausbeute eingestellt
Mit insgesamt fünf Medaillen hat das ÖTTV-Team seine Rekordzahl eingestellt, 2005 in Aarhus gab es je zwei Mal Gold und Silber sowie ein Mal Bronze. Diese Bilanz kann nun übertroffen werden, da ja noch drei Goldmedaillen möglich sind. Vorerst stehen für die ÖTTV-Asse am Sonntag ab 9.30, 10.30 und 11.30 Uhr MESZ die Einzel-Semifinali auf dem Programm, ehe es ab 14.00 Uhr MESZ mit den Finalspielen losgeht.
Und Schlager wird immer mehr zum Supermann dieser Titelkämpfe. Damit er es wirklich wird, muss er auch noch am Finaltag zuschlagen. Zuerst gilt es, in sein erstes EM-Einzel-Finale einzuziehen. Alle seine bisherigen 16 in der russischen Metropole bestrittenen EM-Partien hat der Niederösterreicher gewonnen. Legt der 36-Jährige noch drei Erfolge drauf, würde er mit zwei Gold- und einer Bronze-Medaille die Heimreise antreten.
Schlager in Top-Form
"Wie von einem anderen Stern!" Der in St. Petersburg für die ITTF-Marketing-Agentur TMS tätige Karl Jindrak zog vor seinem früheren Doppel-Partner den Hut. "Ich spiele wirklich gut", meinte Schlager. Nachdem er Lokalmatador Fedor Kusmin in seinem im russischen Fernsehen live übertragenen Achtelfinale 4:1 in die Schranken gewiesen hatte, setzte er sich am Abend im Viertelfinale gegen den Schweden Jens Lundqvist 4:0 durch.
Das ÖTTV-Ass hatte sich seinen knappen 3:2-Sieg gegen den Skandinavier im Mannschaftsbewerb auf Video angesehen und ein Erfolgsrezept gefunden. "Ihn zeichnen die guten Vorhand-Punkte aus", erklärte der als Nummer vier gesetzte Schlager. "Also habe ich ihm viel auf die Rückhand gespielt. Es war dann meine immer gute Qualität, die ihn an der Backhand gefesselt hat."
Gardos deklassiert Monteiro
Unmittelbar vor Schlager hatte auch Gardos 4:0 triumphiert, das war in dieser Höhe überraschend. Der 29-Jährige bestach freilich gegen den Portugiesen Joao Monteiro durch sein konzentriertes Spiel, das war bei der Niederlage im Doppel-Viertelfinale mit Chen noch anders gewesen. "Daraus habe ich viel gelernt", erklärte der Spanien-Legionär. "Ich habe da noch zu sicher gespielt, habe nur die Medaille gesehen."
Das änderte Gardos diesmal, indem er die Initiative ergriff. Es ist Gardos' erste EM-Medaille in Individual-Bewerben, nachdem er 2002, 2005 und 2008 jeweils eine mit der Mannschaft geholt hatte.
Liu Jia hatte hart zu kämpfen
Liu Jia sicherte sich mit einem hart erkämpften 4:2 gegen die französische Verteidigerin Xian Yi Fang sowie einem 4:2 gegen die Türkin Hu Melek ihre zweite EM-Einzel-Medaille nach Gold 2005 in Aarhus. "Ich bin körperlich am Ende, auch durch die Nervosität und die Konzentration", erläuterte die Linzerin. "Aber ich habe gedacht: 'Du musst kämpfen'."
Ereignisreicher Finaltag
Den EM-Finaltag eröffnet aus österreichischer Sicht Liu Jia gegen die Ungarin Krisztina Toth. "Ich muss mich an ihr noch revanchieren", erinnerte sich "Susi" an das Team-Viertelfinale, als sie im Eröffnungseinzel gegen die Ungarn bei einer 2:0-Führung Matchball gegen Toth hatte und dennoch verlor. Toth steht übrigens auch im Doppel-Finale und könnte noch erfolgreicher abschneiden als Schlager. Mit dem Team hatte sie ja Silber geholt.
Eine Stunde nach Liu tritt Gardos um 10.30 Uhr gegen Samsonow an die Platte. Es ist dies ein Club-Duell, denn der Triple-Ex-Europameister spielt seit dieser Saison bei Cajagranada. "Ich kenne ihn dadurch jetzt besser,", merkte Gardos an, "aber er mich natürlich auch. Doch ich habe mit 'Wladi' noch eine Rechnung offen." Bei den Chile Open Anfang Juli 2006 war Gardos nämlich nach zwei vergebenen Matchbällen Samsonow im Finale 3:4 unterlegen.
Schlager schließlich bekommt es wieder eine Stunde danach mit Titelverteidiger Timo Boll zu tun. Österreichs "Sportler des Jahres 2003" hatte im Team-Semifinale das Duell mit dem Weltcup-Zweiten mit 3:1 für sich entschieden und geht nun als leichter Favorit in das Match um den Final-Einzug. Außerdem musste Boll im Viertelfinale gegen den Dänen Michael Maze einem 0:2-Satzrückstand nachlaufen.
Damit hat Schlager eine Doppel-Chance, Boll die Wiederholung des EM-Gold-Triples von Belgrad 2007 zu vereiteln. Denn im Doppel-Endspiel trifft der SVS-NÖ-Spieler um 15.00 Uhr MESZ mit dem Niederländer Trinko Keen nach einem 4:1-Semifinalsieg gegen die Schweden Robert Svensson/Jon Persson auf die topgesetzten deutschen Titelverteidiger Boll/Christian Süß. Für danach sind die Einzel-Finali angesetzt.
Fix ist jedenfalls, dass das österreichische Tischtennis sein Medaillen-Konto bei nun 27 Europameisterschaften auf 23 aufgestockt hat. Bisher gab es vier Gold-Medaillen, aber noch nie eine im Herren-Einzel. Schlager und Gardos haben nun die Chance dazu. Klar ist freilich ebenso, dass Schlager sein EM-Medaillenkonto nun auf bereits 14 Stück aufgestockt hat, bei jedem der vergangenen sieben Titelkämpfe hat er zumindest einmal zugeschlagen.
(APA)

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