
Was können Maschinen? Unsere Körper ersetzen und überbieten, natürlich, jeder Tritt aufs Gaspedal zeigt es - und es kränkt uns nicht. Bei dem, was wir "Intelligenz" nennen, ist das anders, seit den 50er-Jahren träumen Spezialisten von der artificial intelligence, inzwischen sind sie geduldiger geworden, vor allem bei Gehirnleistungen, die uns am leichtesten fallen, beim Führen eines Gesprächs etwa, das schafft bisher kein Programm.
Auf der anderen Seite wird seit den 50er-Jahren unsere Intelligenz als etwas Singuläres verteidigt, das sich der maschinellen Simulation grundsätzlich entziehe. Auch diese Fraktion musste zurückstecken, vor allem bei hoch formalisierten Aufgaben halten Programme längst mit, gegen "Deep Blue" haben Schachweltmeister größte Mühe. Und gegen "Chinook" - ein Programm für das Damespiel - schafft es überhaupt kein Mensch mehr, davon sind seine Entwickler um Jonathan Schaeffer (University of Alberta) überzeugt: "Checkers is solved", überschreiben sie kurz und bescheiden ihre Publikation in Science: "Dieses Programm kann nicht geschlagen werden" (19.7.).
500 Milliarden Milliarden Positionen
Dahinter steckt viel Mühe und noch mehr Rechnerkapazität. Obwohl das Damespiel relativ einfache Regeln hat - man spielt mit "Steinen" auf einem Schachbrett und kann "Steine" des Gegners überspringen und so aus dem Spiel nehmen -, gibt es mehr als 500 Milliarden Milliarden (5 mal 10 hoch zwanzig) mögliche Positionen. Die lässt Schaeffer seit 1989 von durchschnittlich 50 Computern durchrechnen und in ein lernfähiges Programm eingehen. Der erste Erfolg zeigte sich rasch, 1990 wurde "Chinook" zu den Dame-Weltmeisterschaften zugelassen - die gibt es -, 1992 trat das Programm gegen den besten Spieler aller Zeiten an, Marion Tinsley, er hatte seit 1950 ganze drei Partien verloren.
Er behielt die Oberhand, aber bei der Revanche, 1994, lag das Programm vorne, als Tinsley wegen Krankheit aufgeben musste, erstmals wurde ein Computerprogramm in einer Sportart Weltmeister. Sein Entwickler pausierte ein wenig, ging 1997 wieder ans Werk und hat es nun vollendet, das Programm rechnet mit "brute force" alle Konstellationen durch, gegen gleich perfekte Spieler gibt es immer ein Remis.
Aber es gibt keine gleich perfekten Spieler mehr, Tinsley ist tot, Nachwuchs wurde immer rarer, das Programm demotiviert (und stellt damit, auf einer anderen Ebene, die Frage nach der Intelligenz der artificial intelligence). Was nun? Neues Spiel, neues Glück! Nächste Woche schickt Schaeffer "Polaris", ein Poker-Programm, an den Tisch zu zwei Berufsspielern, Einsatz: 50.000 Dollar.

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