Filme über den Afghanistan- oder den Irak-Krieg sorgen in den USA nicht gerade für große Umsätze. Hollywood hat sich nun umorientiert und setzt verstärkt den Zweiten Weltkrieg in Szene. Bis Weihnachten laufen mindestens ein halbes Dutzend Spielfilme über den Zweiten Weltkrieg in den amerikanischen Kinos an. Den Auftakt machte am 26. September Spike Lees "Miracle at St. Anna", den Weihnachtsstartplatz am 26. Dezember schnappte sich "Operation Walküre" mit Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Vier Schwarze Soldaten im Nazi-Gebiet
"Miracle at St. Anna" schildert den Zweiten Weltkrieg aus afroamerikanischer Sicht. In Anlehnung an eine wahre Begebenheit wird die Geschichte von vier schwarzen Soldaten in der Toskana erzählt, die 1944 hinter die deutsche Front geraten. Bei mäßigen Kritiken musste sich der Streifen bei seinem Debüt Ende September gleich geschlagen geben. Nur dreieinhalb Millionen Dollar flossen am Premierenwochenende in die US-Kinokassen.
Die Miramax-Produktion "The Boy in the Striped Pyjamas" ("Der Junge im gestreiften Pyjama") läuft am 7. November in den USA an. In dem Film geht es um zwei achtjährigen Buben, die durch den Stacheldrahtzaun eines Konzentrationslagers voneinander getrennt sind. Ende November bringt "Moulin Rouge"-Regisseur Baz Luhrmann sein Epos "Australia" in die USA. Nicole Kidman spielt darin eine britische Adlige im australischen Busch während der Bombardierung der Stadt Darwin durch die japanische Luftwaffe.
Heimliche Liebe
Am 12. Dezember bläst Hollywood gleich zweifach zum Angriff, mit Edward Zwicks Kriegsfilm "Defiance" und der Filmversion von Bernhard Schlinks Bestseller "Der Vorleser". In "Defiance" spielt Daniel Craig einen Juden, der sich im Nazi-besetzten Polen dem Widerstand anschließt. "Der Vorleser" mit Kate Winslet und dem Deutschen David Kross in den Hauptrollen dreht sich um die heimlichen Liebe zwischen einem Schüler und einer deutlich älteren Frau, die später bei einem Kriegsverbrecherprozess auf der Anklagebank sitzt.
Nach mehreren Aufschüben war "Operation Walküre" im August überraschend von Februar 2009 auf den 26. Dezember vorverlegt worden, ein Spitzenplatz in der gewöhnlich lukrativen Feiertagssaison. Die Trailer locken mit einen Action-Thriller statt einem Historienfilm. Der Wirbel um den von Bryan Singer inszenierten Streifen begann schon im vergangenen Jahr bei den Dreharbeiten in Deutschland. Hitzig wurde diskutiert, ob ein bekennender Scientologe wie Tom Cruise den Hitler-Attentäter spielen darf. Es gab Unfälle und Pannen auf dem Set, Querelen um die Genehmigung für Aufnahmen im historischen Berliner Bendlerblock.
Zehn Jahre ist es her, dass Hollywood mit einem Film über den Zweiten Weltkrieg richtig viel Geld machte. Steven Spielbergs blutiges D-Day-Gemetzel in der Normandie, "Der Soldat James Ryan", spielte damals alleine in den USA 216 Millionen Dollar ein. Doch ein berühmter Name ist keine Erfolgsgarantie. Clint Eastwoods "Flags of Our Fathers" über die Schlacht um die japanische Pazifikinsel Iwojima im Jahr 1945, brachte 2006 gerade einmal 33 Millionen Dollar in die Kasse.
Irak und Afghanistan floppen
Mit den Themen Irak oder Afghanistan lassen sich nur wenige in die Kinos locken: Im vergangenen Herbst hatte Hollywood mit Kriegsfilmen mehrere Niederlagen einstecken müssen. Das Polit-Drama "Von Löwen und Lämmern" über den Krieg in Afghanistan und machthungrige Politiker war trotz der Star-Power von Tom Cruise, Meryl Streep und Robert Redford gefloppt. Auch Tommy Lee Jones in "Im Tal von Elah" als Vater eines ermordeten US-Soldaten im Irak floppte. Brian De Palma scheiterte mit seinem bedrückenden Irakkriegs-Drama "Redacted". Auch der politisch brisante Thriller "Machtlos" über die Verschleppung und Folter von Terrorverdächtigen durch die CIA in geheimen Lager außerhalb der USA blieb auf der Strecke, ebenso wie "Grace Is Gone" mit John Cusack als Kriegswitwer und Vater, dessen Ehefrau im Irak getötet wird.
Für die Aufbereitung des Irak-Krieges auf der Leinwand war es möglicherweise noch zu früh, versuchten Psychologen und Kinoexperten die Kassen-Pleite von 2007 zu erklären. Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs dürften diese Bedenken hinfällig sein. Doch ob den US-Bürgern - mitten im Wirtschaftskrise - die schwere Kinokost schmecken wird, ist fraglich. Statt einem "Happy End" beschert Hollywood in den kommenden Monaten Hinrichtungskommandos, Bomben, Totschlag und Verrat.