KAIRO. US-Präsident George Bush war dieses Jahr zweimal in Israel, der französische Präsident Nicolas Sarkozy war dort ebenfalls jüngst zu Besuch. „Doch die Visite von Barack Obama wird in Israel mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt als selbst der von Clara Bruni“, witzelt die israelische Tageszeitung „Haaretz“. Den Besuch der anderen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain in Israel vor vier Monaten erwähnt die Zeitung in dieser Auflistung zunächst nicht.
Anders in der arabischen Welt: Dort lautet die Antwort meist: „Barack – wer?“ Doch wer ihn von Casablanca bis Bagdad kennt, der gibt stets die gleiche arabische Grundstimmung wieder: „Jeder ist besser als George W. Bush“ wie die jordanische Zeitung El-Ghad am Dienstag nach einem Kurzbesuch Obamas im haschemitischen Königreich kommentierte.
Obamas Forderung, innerhalb von 16 Monaten den Großteil der US-Truppen aus dem Irak abzuziehen, findet im Nahen Osten Zustimmung. Unbehagen schafft dagegen, dass viele Soldaten nicht nach Hause, sondern nach Afghanistan verlegt werden sollen.
Offene Fragen: Irak, Iran, Israel
Die Gesprächsbereitschaft in Richtung Iran findet ein geteiltes Echo. In Israel überwiegt die Angst, in der arabischen Welt ist man ebenfalls besorgt über das Atomprogramm des Nachbarn, möchte aber eine militärische Konfrontation vermeiden. Und Obamas Position zum israelisch-palästinensischen Konflikt? Mit seiner Aussage letzten Monat vor einem Kongress der Israel-Lobby, als er von Jerusalem als der ungeteilten Hauptstadt Israels sprach, mit der er sich ins arabische Abseits manövriert hat.
Später ruderte Obama zurück und erklärte, dass der Status Jerusalems durch Verhandlungen bestimmt werden müsse. Immerhin traf Obama mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas zusammen, was sein Konkurrent McCain bei seiner Nahostreise nicht für nötig befunden hatte und versprach ihm, sich im Friedensprozess zu engagieren.