Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Barack Obama, hat in Berlin für einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen geworben. Vor mehr als 200.000 jubelnden Zuhörern forderte er Amerikaner und Europäer auf, ihre Konflikte hinter sich zu lassen und gemeinsam gegen globale Probleme wie Klimawandel und Terrorismus zu kämpfen.

"Jetzt ist die Zeit, Brücken zu schlagen"
Obama warb in seiner mit Spannung erwarteten Rede für ein neues Verhältnis zwischen Europa und den USA. "Jetzt ist die Zeit gekommen, neue Brücken zu schlagen", sagte er. Wahre Partnerschaft und Freundschaft bedeute, gemeinsam Lasten zu tragen.
Obama betonte, Verbündete müssten auf einander hören, von einander lernen wollen und einander vertrauen. "Deshalb darf Amerika sich nicht einigeln." Es gebe auf beiden Seiten des Atlantik Vorbehalte, sagte der demokratische Senator. Es gebe Meinungsverschiedenheiten. Er forderte: "Amerikaner und Europäer werden mehr tun müssen." Dies sei der einzige Weg zum Schutz der Sicherheit und Fortentwicklung der Beziehung.
Erinnerungen an die Luftbrücke von Berlin
Der Senator erinnerte an die Luftbrücke nach Berlin vor 60 Jahren. "Die größte und unwahrscheinlichste Rettungsaktion brachte den Menschen Hoffnung und Essen." Obama sagte: "Die Menschen von Berlin haben die Flamme der Hoffnung am brennen gehalten - sie gaben nicht auf." Deutsche und Amerikaner hätten Vertrauen aufgebaut und zusammengearbeitet. Wo die Menschen zusammenstünden, sei jedes Problem zu überwinden.
"Mohn aus Afghanistan wird Herion in Berlin"
Als konkrete Aufgabe nannte er den Aufbau Afghanistans. "Das afghanische Volk braucht unsere Truppen und eure Truppen, unsere und eure Unterstützung." In der globalisierten Welt wirke sich die Entwicklung Afghanistans global aus: "Aus dem Mohn in Afghanistan wird das Heroin in Berlin." Obama will mehr US-Truppen in das Land schicken und erwartet mehr Beiträge der Verbündeten.
Brücken auch nach Afghanistan
Obama rief die Europäer daher zu weiterem Engagement in Afghanistan auf. Konkrete Forderungen um mehr Truppen stellte er aber nicht. "Amerika kann das nicht alleine machen", sagte er. "Die Afghanen brauchen Ihre Truppen und unsere Truppen." Es stehe zu viel auf dem Spiel, um jetzt dort auszusteigen. Der demokratische US- Präsidentschaftsbewerber forderte eine globale Partnerschaft für den Kampf gegen den Terrorismus. "Das ist der Zeitpunkt, wo wir den Terrorismus zurückschlagen müssen und den Sumpf austrocknen müssen."
Obama verlangte eine Renaissance der engen Zusammenarbeit zwischen Europa und den USA. "Amerika hat keinen besseren Partner als Europa." Es sei an der Zeit, neue globale Brücken aufzubauen.
Deutsche Regierung höflich zurückhaltend
Die deutsche Regierung äußerte sich dazu vor dem Besuch zurückhaltend. Auch die Zuhörer vor der Siegessäule reagierten beim Thema Afghanistan eher mit Pflichtapplaus. Steinmeier sagte aber nach seinem Treffen mit Obama, er sehe Übereinstimmung in der Frage des deutschen Einsatzes in Krisengebieten.
Im Zentrum des einstündigen Gesprächs zwischen Merkel und Obama standen die Außenpolitik, die Wirtschaftspartnerschaft, der Klimaschutz, die Energiepolitik und die Weltwirtschaft, sagte Merkels Sprecher. Obama würdigte in einer Erklärung den Einsatz Europas für Klimaschutz und die Lösung von Krisen. Er lobte Merkels Führung beim Klimaschutz, für den er Amerika zu größeren Anstrengungen verpflichten werde. Nach dem Gespräch Steinmeier bekräftigte er das Ziel, den Iran vom Bau von Atomwaffen abzuhalten.
Europa-Tournee live im US-Fernsehen
Obama richtete sich mit seiner Rede in Sichtweite des Brandenburger Tors nicht nur an die Zuhörer in Berlin, sondern vor allem an ein amerikanisches Publikum. Die Ansprache wurde live im US-Fernsehen übertragen. Es ist seine einzige öffentliche Rede während einer einwöchigen Reise, die ihn zuvor nach Afghanistan, Irak, Jordanien und Israel führte. Sie soll sein außenpolitisches Profil im Wahlkampf gegen seinen republikanischen Rivalen John McCain schärfen. Nach seinem Besuch in Berlin, der unter hohen Sicherheitsanforderungen statt, will Obama am Freitag nach Paris und London reisen.