Man sieht und hört wenig von ihm. Doch Alfred Gusenbauer ist weiterhin in Amt und Würden. Wenn auch weniger im Kanzleramt an sich. Er ist unterwegs. Dort, wo er sich immer schon wohler fühlte: bei Staatsmännern, Sportlern, Künstlern.
Am Mittwoch war Gusenbauer bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele, gestern sah er sich dort die Krenek-Oper „Karl V.“ an. Dann geht es weiter nach Salzburg, wo Samstag die Festspiele eröffnet werden. Sonntag hat Gusenbauer dort seinen großen Auftritt. Als Gastgeber der Konferenz für Stabilität in Südosteuropa. Er empfängt unter anderem die Ministerpräsidenten von Kroatien, Bosnien, Mazedonien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Bulgarien. Montag hält er dann im Mozart-Haus die Laudatio für Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, der den „Herbert- Batliner-Europapreis für Verdienste um den Kleinstaat“ erhält.
Von Paris bis Podgorica
Den montenegrinischen Premier Milo Djukanovic hatte Gusenbauer bereits diesen Montag in Podgorica getroffen. In der Vorwoche hatte er in der Ukraine Ministerpräsidentin Julia Timoschenko österreichisches Know-how für die Fußball-EM 2012 angeboten. Und davor war Gusenbauer bei der Gründung der Mittelmeer-Union und der Feier zum Französischen Nationalfeiertag in Paris gewesen.
Die österreichische Olympia-Mannschaft verabschiedete Gusenbauer am Dienstag in Wien. „Viele Medaillengewinne für eine Nation gelten auch immer als Ausdruck der Größe und Stärke eines Landes. Österreich braucht dabei den Vergleich nicht zu scheuen“, gab er Markus Rogan und Co. mit auf den Weg nach Peking.
Völlig losgesagt von der Innenpolitik hat sich Gusenbauer aber nicht. Die wenigen Dinge, die es jetzt noch zu koordinieren gibt, stimmt der Kanzler wie bisher mit seinen Ministern ab. Wie die Verschiebung des Sommerministerrats vom 6. auf 12. August. Auch die Tagesordnung für dieses Meeting wird von ihm ausgearbeitet.
Auch wenn Kanzler Gusenbauer aus dem Rampenlicht getreten ist – es gibt ihn noch. Und er scheint die letzten Wochen als Regierungschef genießen zu wollen.
Wobei die Frage, ob Gusenbauer die Amtsgeschäfte nicht schon jetzt an Werner Faymann übergeben sollte, immer wieder auftaucht – in seiner Partei und auch in den Medien. Doch Gusenbauer will das nicht. Auch Faymann will es nicht. Also wird eine vorzeitige Amtsübergabe auch nicht stattfinden. Die jüngere Erfahrung lehrt aber: In der SPÖ kann alles schnell ganz anders sein. Meinung Seite 31