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Haider ist mit 142 km/h in den Tod gerast

12.10.2008 | 18:23 | ROBERT BENEDIKT (Die Presse)

Für die Staatsanwaltschaft besteht an der Unfallursache kein Zweifel.

Klagenfurt. Die technischen Untersuchungen am Wrack des VW Phaeton, in dem Landeshauptmann Jörg Haider den Tod gefunden hat, waren am Sonntag überraschend schnell abgeschlossen. Das Ergebnis: Der Tachometer war bei 142 km/h stecken geblieben. Haider war in der Nacht auf Samstag auf der Loiblpass-Bundesstraße also mindestens doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt. In diesem Straßenabschnitt gilt nämlich ein Tempolimit von 70 km/h, das wenige Meter hinter der Unfallstelle in eine 50er-Begrenzung übergeht.

Kriminalisten haben das Unfallwrack gemeinsam mit zwei Technikern des VW-Konzerns in der Krumpendorfer Polizeiwerkstatt untersucht. Die erst drei Monate alte Luxuslimousine war in einwandfreiem technischen Zustand. Wie Gottfried Kranz, Chef der Staatsanwaltschaft in Klagenfurt berichtete, besteht kein Zweifel: „Unfallursache war allein die weit überhöhte Geschwindigkeit.“

Im Unfallbereich beschreibt die Loiblpass-Bundesstraße eine leichte Linkskurve. Dies dürfte Haider aufgrund des zur Unfallzeit herrschenden Nebels und der hohen Geschwindigkeit zum Verhängnis geworden sein. Für die Staatsanwaltschaft ist die Angelegenheit abgeschlossen, weil weder Fremdverschulden noch eine Beteiligung Dritter vorliegt.

 

Keine Rettung mehr möglich

Noch nicht abgeschlossen ist die Obduktion des Leichnams, der am Samstagabend in das gerichtsmedizinische Institut in Graz überstellt worden ist. Eine erste Untersuchung ergab dieselbe Diagnose, wie sie schon in der ersten Pressekonferenz von Thomas Koperna, dem ärztlichen Leiter des Klagenfurter LKH, gestellt worden war: Jörg Haider hatte schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich erlitten. Der linke Oberarm war fast zur Gänze vom Körper abgetrennt. Zudem hatte man einen Bruch der Halswirbelsäule festgestellt. Die Mediziner sind sich einig: Jede der festgestellten Verletzungen hätte auch für sich allein zum Tod geführt. Auch wenn ein Notarzt an Ort und Stelle gewesen wäre, hätte der Kärntner Landeshauptmann nicht gerettet werden können.

Als sich Jörg Haider Samstag um 1.15 Uhr am Klagenfurter Stadtrand mit seinem Dienstwagen überschlug, hatte er einen anstrengenden, mit Terminen vollgepackten Tag hinter sich. Der 10.Oktober wird in Kärnten im Gedenken an die Volksabstimmung im Jahr 1920 als Landesfeiertag begangen. Das bedeutete für den Landeschef eine Reihe offizieller Termine vom Totengedenken am Annabichler Friedhof bis zur Zeremonie im Landhaushof.

 

90.Geburtstag der Mutter

Ausklingen ließ Haider den Tag in der Veldener Nobeldisco „Le Cabaret“, wo Promi-Fotograf Egon Rutter das erste Erscheinen seines Szene-Magazins feierte. Man hatte dort mit dem Erscheinen des Landeshauptmannes gar nicht mehr gerechnet, weil dieser wegen des 90.Geburtstages seiner Mutter alle Wochenendtermine abgesagt hatte.

Chauffeur Friedrich Schager hat seinen Chef nach Mitternacht noch nach Klagenfurt gebracht. Dort übernahm dieser selbst das Volant, um nach Hause ins Bärental zu fahren. An der südlichen Stadtgrenze überholte Haider mit seinem 240 PS starken Fahrzeug einen vor ihm fahrenden Kleinwagen einer Klagenfurterin und verlor in der Linkskurve die Herrschaft über den Phaeton.

Wie die Ermittlungen ergaben, schlitterte der 2,5 Tonnen schwere Wagen an einer Thujen-Hecke entlang, mähte ein Verkehrsschild um, prallte gegen einen Betonsockel und eine Lärmschutzwand und überschlug sich. Danach kam das Fahrzeug wieder auf allen vier Rädern zum Stillstand. Die kurz zuvor überholte Pkw-Lenkerin alarmierte die Einsatzkräfte, die wenige Minuten später eintrafen. „Nach dem Überholvorgang hab' ich nur mehr eine Staubwolke gesehen“, gab die Frau zu Protokoll.

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