WIEN. Auf Färöer ging alles schief, was nur schief gehen konnte. Das österreichische Fußball-Nationalteam erlitt mit dem mehr als dürftigen 1:1 einen gewaltigen Dämpfer, den zweiten nach der Niederlage in Litauen. Jetzt noch an eine erfolgreiche WM-Qualifikation zu glauben, wäre nach den zuletzt gezeigten Leistungen etwas vermessen, wenn nicht sogar naiv. Auch Karel Brückner gelingt es offenbar nicht, dem Team Siegermentalität einzuimpfen, seit der Euro erlebt man Stagnation.
Sein Vorgänger Josef Hickersberger wollte die Leistung auf Färöer zunächst gar nicht näher kommentieren. Er war eigentlich als Stargast der Live-Übertragung im „Goaleador“ in Hütteldorf geladen, die Veranstaltung aber schrumpfte zu einem ungewollten Hörspiel, weil der ORF der Live-Übertragung nicht nachkommen konnte. „Versagen des Vertragspartners“, bekam man zu lesen. „Jetzt werden auch die Schwarzseher am Küniglberg anrufen!“, war sich der Ex-Teamchef sicher. Eine fachmännische Analyse fiel ins Wasser, war nicht möglich, „vom Hörensagen kann man auch keine Kritik üben“.
Fehler bei Terminplanung
Hickersberger wirkt seit seinem Timeout nach dem Ende der Euro 2008 erholt, er spielte mit seinem neuen Handy, telefonierte, die Kommentare von ORF-Reporter Thomas König plätscherten manchmal nur so an ihm vorbei. „Ich bin froh, dass ich mir das nicht mehr antun muss“, meinte er. „Ich habe schon vor dem Anpfiff gewusst, dass das eine Zitterpartie bis zum Schluss wird.“
Die ersten Fehler sind dem ÖFB offenbar bereits bei der Terminkonferenz unterlaufen. Die Fußball-Großmacht Frankreich beispielsweise wehrte sich mit Händen und Füßen gegen einen Spieltermin im Herbst, Teamchef Domenech weiß aus eigener Erfahrung, dass die Bedingungen im Oktober/November im Nordatlantik nahezu irregulär sein können. „Unruhiger Flug, Wind, Regen, Kälte – das bereitet jeder Mannschaft Probleme“, behauptet Hickersberger. „Da wirst dann eben vom Winde verweht – und stehst wie ein Depp da.“
Der Brückner-Vorgänger zeigte Mitgefühl für den alten Mann aus Olmütz, der seine personellen Möglichkeiten alle ausschöpfte. „Jetzt hat er drei Stürmer drinnen – und das Siegestor gelingt trotzdem nicht. Das sind genau diese Spiele, bei denen du Magengeschwüre bekommst.“ Später warf Karel Brückner auch den 19-jährigen Arnautovic in die Schlacht, aber der Youngster verpuffte ebenfalls wirkungslos. „Dabei habe ich geglaubt, Brückner hat eine gute Hand...“
Nach exakt 93 Minuten war der Spuk vorbei, Österreich vom Färöer-Trauma wieder eingeholt. „Jetzt brauchen wir eine Jetzt-erst-Recht-Stimmung“, fordert Hickersberger vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen Serbien. „Die WM-Qualifikation ist noch lange nicht vorbei, wir haben kein einziges Spiel gegen Rumänien oder Serbien absolviert. Aber für uns ist jedes Match schwierig, wir werden schon auch das nötige Glück brauchen. Und für eine erfolgreiche Qualifikation hätten wir die Punkte auf Färöer bitter notwendig gebraucht. Aber wir tun uns gegen athletisch starke Mannschaften sehr schwer, die stellen sich hinten rein, schirmen den Strafraum komplett ab. Wenn du dann im Abschluss noch ein bisschen Pech hast, dann...“ Sprachs, zog sein Sakko an und ging. „Naja, gemma halt wieder. Die Engländer schießen ja auch kein Tor.“ Diese Partie (gegen Kasachstan) war im „Goaleador“ live zu sehen – zur Pause stand es 0:0, am am Ende hieß es 5:1.
Fünf Stunden Verspätung
Derweil stand sich die Mannschaft, die dumm aus der Wäsche schaute, am Flughafen Vagar im Westen der Färöer die Füße in den Bauch. Das Flugzeug der Atlantic Airlines stand nicht bereit, insgesamt sammelte sich eine Verspätung von fünf Stunden an. Planankunft in Wien wäre um 3 Uhr gewesen, so aber setzte die Maschine um 8 Uhr in Schwechat auf. Damit hatte Karel Brückner gar keine andere Chance, als der Mannschaft den Sonntag frei zu geben, ein Training hätte keinen Sinn gemacht.
Brückner wirkte fix und fertig, geschlaucht und frustriert. „Wir hatten zehn Tor-Chancen, mehr geht nicht“, schüttelte er den Kopf. Am Mittwoch gegen Serbien wird er die Mannschaft wieder umstellen (Aufhauser), auf Martin Harnik kann er jedenfalls nicht bauen. Der Werder-Legionär erlitt einen Bänderriss im linken Sprunggelenk, er muss zwei Wochen pausieren. Meinung S. 31