WIEN. Die Sensation im Finale hatte sich früh abgezeichnet: Gael Monfils, als Favorit in das Endspiel in der Wiener Stadthalle gegangen, verhedderte sich in Kritik am Schiedsrichter und Unzufriedenheit mit sich selbst. Der Deutsche Philipp Petzschner hingegen, Nummer 125 der Weltrangliste und bei der BA-TennisTrophy nur als Qualifikant dabei, nützte seine Chancen, rang den Franzosen Gael Monfils nach einer Stunde und 29 Minuten mit 6:4, 6:4 nieder und holte seinen ersten ATP-Titel.
Die Finalisten personifizierten gleich auch das neue Konzept der TennisTrophy, die es auch 2009 wieder geben wird – dank mündlicher Zusagen von Sponsoren. Aber sie wird zwei Wochen später bei gleichem Preisgeld (674.000 Euro) und weniger Weltranglistenpunkten stattfinden. Die Stadthalle will dabei wieder auf „junge, aufstrebende Spieler“ setzen, wie „Turniervater“ Leo G. Huemer betonte. „Es muss ein Glücksfall sein, wenn wir einen der Top drei kriegen.“ Nicht nur das Startgeld, das sich im Vorjahr bei Novak Djokovic gerechnet hatte, als er noch nicht so unverschämt war wie heuer, als er absagte. „Die 7000 Serben, die voriges Jahr in die Halle gekommen sind, haben uns heuer gefehlt“, sagt Huemer. Dank „hochklassiger Spiele“ zählte man bei der Trophy dennoch 50.000 Tennisfans, was als Indiz gewertet wird, „dass das Interesse wieder da ist.“
Melzer, ein Zugpferd
Auch dank des besten Jürgen Melzer, den man je in Wien gesehen hat, auch wenn er im Viertelfinale von Feliciano Lopez, dem Sieger 2005, gestoppt worden war. Während sich die Stadthalle auch 2009 einen oder mehrere Lokalmatadore à la Melzer wünscht, fordern die Spieler einen noch schnelleren Belag. Melzer präzisierte: „20 Prozent schneller als heuer wäre ideal, damit ich mein Spiel besser aufziehen kann.“ Huemer zeigt sich wie immer bereit, auf Spielerwünsche einzugehen. „Von allem anderen, Hotel, Ambiente, Transport und der neuen Players Lounge, waren alle total begeistert...“
Ihm und Altmeister und Jung-Turnierdirektor Peter Feigl hatten es neben Jungstars wie Monfils (Stadthallenchef Gruber: „Er hat Charisma“), Melzer und Martin Fischer, der Del Potro gefordert hatte, auch Daviscup-Hero Alex Peya angetan. War ihm im Einzel die mögliche Sensation gegen Monfils vom Schläger gerutscht, so stand er mit dem anderen Finalisten, Philipp Petzschner, im Doppel-Endspiel. Gegen Mirnyi/Ram (BLR/ISR) aber unterlag das Duo 1:6, 5:7. Zwar harmoniert Peya, 28, seit dem Daviscup in Wimbledon voll Selbstvertrauen, immer besser mit dem Bayreuther Petzschner, 24, will sich aber vorerst noch nicht auf das Doppel à la Julian Knowle spezialisieren. „Wir waren heuer schon im Wimbledon-Viertelfinale, aber ich will alles im Single ausschöpfen, für das Doppel ist es noch zu früh.“ Auch wenn er dann nicht Qualifikation spielen müsste. Mitunter, Ironie am Rande, auch gegen Petzschner, dem in Wien ein Durchbruch gelang, von dem Peya, aber auch Melzer, nur träumen können.