SAINT ETIENNE (fin). Was haben Fausto Coppi, Eddie Merckx, Bernard Hinault, Richard Virenque oder Laurent Jalabert mit Bernhard Kohl gemein? Freilich sind sie allesamt Radgrößen, sie alle haben aber auch das Bergtrikot bei der Tour de France gewonnen. Dem 26-jährigen Wolkersdorfer ist das weiße Trikot mit den roten Punkten – die Gestaltung geht auf Sponsor „Chocolates Menier“ zurück, der seine Ware so verkaufte – nicht mehr zu nehmen. Kohl ist der erste Österreicher, dem es gelungen ist, diese Auszeichnung, die seit 1933 bei der Tour vergeben wird, zu gewinnen. Der Triumph ist nicht nur mit Prestige und 25.000 € dotiert, sondern die Eintrittskarte in eine sichere Zukunft.
Während das Team Gerolsteiner weiterhin nach Sponsoren sucht, sollen Kohl bereits Top-Angebote vorliegen. Der Rauchfangkehrer schwebt im siebenten Himmel, doch Geld allein genügt ihm nicht. Dafür ist er zu sehr Sportler, der nach Erfolgen strebt. Er hat einen Traum, den er sich am Sonntag in Paris erfüllen will: „Ich will unbedingt auf dem Podest stehen.“
„Wie ein Mönch gelebt“
Kohl, 1,72 m groß und 60 kg leicht, ist mit dem Bergtrikot vorerst am Gipfel seiner Vorstellungskraft angelangt. Er hatte sich als Jugendlicher in vielen Sportarten versucht. Für Fußball oder Tennis aber war er zu klein, der Radclub URC Wolkersdorf jedoch nahm den willensstarken, zielsicheren und ambitionierten Zwölfjährigen auf.
Damit begann seine Karriere, er fuhr für Team Schwölberger (94), Bank Austria (96), Bosch Junkers (01), Elk-Haus (03), Radobank (03), T-Mobile (05) und seit 2006 für Gerolsteiner. Team-Manager Hans-Michael Holczer hatte ein Auge auf ihn geworfen, als Kohl bei der Dauphine Libere auf Rang 3 landete. Kohl: „Mir war von Beginn an klar, dass ich Profi werden will. Bei einer großen Rundfahrt dabei zu sein, war mein Traum. Momentan lebe ich ihn. Ich bin kein Rennfahrer, der viele Rennen gewonnen hat, war aber in den Bergen immer vorne dabei. Gute Bergfahrer sind immer gesucht.“
In seiner Erfolgsliste steht ein Sieg in der Pyrenäen-Tour 2004 (U23) und der Staatsmeistertitel 2006 sowie der dritte Platz bei der Tour-Generalprobe. Das stört Kohl, der seit sieben Jahren von Werner Zanier betreut wird, aber nicht ungemein, er beschreibt sich als „ruhigen Typen“, der nicht im Rampenlicht stehen muss. Tut er es aber, kann er den Moment durchaus genießen. Popularität sei schön, aber für ihn nicht zwingend notwendig.
Kohl gilt als besessener Trainierer, heuer setzte er von Beginn an voll auf die Tour und nahm viele Entbehrungen auf sich. „Er hat die letzten Monate wie ein Mönch gelebt, das zahlt sich aus“, sagt der Steirer Bernhard Eisel und Teamkollege Peter Wrolich, ebenfalls ein Trainingspartner, beschreibt eine andere Stärke des Senkrechtstarters. „Niemand bereitet sich so akribisch vor wie er.“
Nach dem Zeitfahren am Samstag wird Bernhard Kohl wissen, ob er die größte Radrundfahrt der Welt in den Top 3 beendet und sein Ziel erreicht hat. Insgeheim aber hat sich für den Radfahrer nicht viel verändert. Denn es war wahre Liebe auf den ersten Tritt.
18. ETAPPEBourg-d'OisaNs – Saint Etienne
1. Burghardt (D) 4:30:21
2. Barredo (Sp) gleiche Zeit
3. Feillu (F) 3:33 Min. zurück
4. Le Mevel (F) 3:33
5. Astraloza (Sp) 3:35
Tour-Leader Sastre (Sp) kam mit dem Feld, Bernhard Kohl und Cadel Evans (Aus) ins Ziel.