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AUA-Verkauf: Lufthansa ist erklärter Favorit

24.07.2008 | 18:02 | HEDI SCHNEID (Die Presse)

Der künftige Kurs der AUA ist klar und lautet Blau-Gelb statt Rot-Weiß-Rot. Boston Consulting empfiehlt einen Verkauf an die Lufthansa. Einziger realistischer Konkurrent der Deutschen: die russische Aeroflot.

Wien. Alleingang oder Partner: Angesichts der drohenden Wirtschaftsflaute und der damit verbundenen sinkenden Nachfrage nach Flugreisen sowie des hohen Ölpreises stellt sich diese Frage für die AUA nicht mehr. Der internationale Berater Boston Consulting (BC) zieht nach sieben Wochen intensiver Prüfung der Zukunftsperspektiven der AUA einen eindeutigen Schluss: Die AUA braucht einen strategischen Partner, um überleben zu können.

Ebenso klar fällt die Empfehlung der Berater an den AUA-Vorstand und den Aufsichtsrat aus, wie der ideale Gatte für die rot-weiß-rote Braut aussieht: Die Lufthansa, seit Beginn der Käufersuche als logischer Partner gehandelt, steht mit Abstand ganz oben auf der Liste von BC, wie die „Presse“ aus Konzernkreisen erfuhr.

Außer der Lufthansa haben die Experten, die dem AUA-Aufsichtsrat am Montag ihren Optionenbericht vorlegen werden, Air France/KLM, Qatar Airways, Aeroflot, Singapore Airlines und die japanische ANA analysiert.
•Die Lufthansa, Nummer zwei in Europa nach Air France/KLM, hat nicht nur das Rennen gemacht, weil ihr Boss Wolfgang Mayrhuber Österreicher ist und sich bei den – sicher noch harten – Verhandlungen mit den Deutschen keine Sprachprobleme ergeben. Die Airline mit dem Kranich auf dem Leitwerk dominiert das Flugbündnis Star Alliance, dem die AUA ebenfalls angehört. Ein mehrere hundert Millionen Euro teurer Allianzwechsel, der bei einer Partnerschaft mit der zum SkyTeam gehörenden Air France/KLM notwendig wäre, fällt daher weg. Zwischen AUA und Lufthansa gibt es im Deutschlandverkehr schon eine enge Partnerschaft, von der beide profitieren. Diese Allianz würde zerbrechen und Beobachter gehen davon aus, dass die Lufthansa den Konkurrenzdruck auf die AUA massiv erhöhen würde. Dasselbe gilt für das Osteuropa-Netz – die Cash-Cow der AUA schlechthin. Bei einer Partnerschaft würde die Lufthansa die AUA als Passagier-Zubringer aus Osteuropa zu Intercontinentalflügen ab München oder Frankfurt nützen.

Ein Paarflug mit den Deutschen sollte der AUA auch erhebliche Einsparungen beim Kerosineinkauf und bei der Flottenerneuerung bringen – beides Schwachstellen der heimische Fluglinie. Beim Flugzeugeinkauf ist von bis zu 15-prozentigen Rabatten die Rede. Die Lufthansa hat offen Interesse an der AUA signalisiert – Mayrhuber hat allerdings deutlich gemacht, dass er die AUA nur „ganz oder gar nicht“ wolle.

Weder Singapore Airlines noch ANA oder Qatar Airlines sollen die gewünschten positiven Effekte bringen – obwohl mehrere heiße Eisen taktisch für den Verkauf von Vorteil wären.
•Dagegen schaffte es die Aeroflot in die engere Wahl. Die russische Staatsfluglinie sucht dringend einen Türöffner in den Westen. Nachdem der Einstieg bei der Alitalia gescheitert ist, haben die Russen ein Auge auf die AUA geworfen und Interesse bekundet. Um eine Annäherung zu erleichtern, sollen sie auch Bereitschaft signalisiert haben, vom SkyTeam in die Star Alliance zu wechseln.

Dass die AUA letztlich bei der Lufthansa andocken dürfte, überrascht Brancheninsider wenig. Zumal auch die AUA-Führung und der Aufsichtsrat mit ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis an der Spitze längst auf Lufthansa-Kurs sind.

Die Deutschen wiederum bringen sich in Startposition: Für heute, Freitag, soll Mayrhuber Investmentbanken zur Konzept-Präsentation eingeladen haben, um einen Finanzberater für den Einstieg auszuwählen. Das große Rätsel ist der Kaufpreis (siehe unten stehender Bericht).

Faktbox

Politische Einigung

Um den Einstieg der Lufthansa perfekt zu machen, werden Michaelis und AUA-Boss Alfred Ötsch Überzeugungskraft brauchen. Nach langen Querelen scheint zwar die Zustimmung des Ministerrats zum Privatisierungsauftrag nun fix. Mit der Lufthansa tauchen aber auch alte Ängste auf, dass die AUA zur Regionalllinie degradiert werden könnte. Das würde den Flughafen Wien doppelt ins Mark treffen: Schwechat würde massiv Einnahmen verlieren – die AUA ist Hauptkunde. Und gleichzeitig würde Wien die Drehkreuz-Position Richtung Osteuropa an München verlieren. Dagegen spricht, dass München an der Kapazitätsgrenze ist.

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