WIEN. Die Frage nach der staatlichen Hilfe für finanziell angeschlagene Banken polarisiert die österreichische Bevölkerung. Das ergab eine Umfrage von Info Research International im Auftrag der „Presse“. Demnach sprechen sich 41 Prozent der Bevölkerung dagegen aus, heimische Banken mit Steuergeld zu retten. 40 Prozent der Befragten treten für eine staatliche Rettung ein.
Auch bei der Frage, ob Staaten generell Banken retten sollen, sind die Lager sehr gespalten. 37 Prozent der Österreicher sagen „Ja“, 36 „Nein“.

Pro und Kontra sind übrigens in der Bevölkerung sehr unterschiedlich verteilt. „Speziell Männer und Personen aus Westösterreich sind verstärkt gegen staatliche Rettungsaktionen“, sagt Erich Werndl, Geschäftsführer von Info Research International.
Vertrauen in Banken ist gut
In Wien sind 50 Prozent der Menschen für den österreichischen Staat als Retter, falls es eine heimische Bank erwischen sollte. Nur 33 Prozent sind der Meinung, man sollte die Banken, im Falle des Unglücksfalles, ihrem Schicksal überlassen. Ganz anders sieht die Sache im Westen aus. Nur 28 Prozent würden es begrüßen, dass Steuergeld in die Banken gepumpt wird. 50 Prozent sprechen sich strikt dagegen aus.

Trotz dieses Zwiespalts beim Thema „Staatshilfe“ kommt die Umfrage zu einem klaren Ergebnis. „Es herrscht ein relativ großes Vertrauen in das österreichische Bankensystem“, sagt Werndl. 19 Prozent erachten ihre Ersparnisse als „absolut sicher“, immerhin 36 Prozent als „sehr sicher“. Nur drei Prozent der Österreicher meinen, dass ihr Geld bei den heimischen Banken „eher unsicher“ ist. Trotzdem erkennt Werndl in den Angaben der Österreicher eine leichte Vertrauenskrise.
„Immerhin 32 Prozent geben bereits an, dass das Geld ,eher sicher‘ ist“, attestiert der Wiener Markt- und Meinungsforscher zumindest eine aufkeimende Verunsicherung unter den Sparern.
Frauen sind skeptischer
Was das Vertrauen in die österreichischen Banken betrifft, gibt es allerdings einen gravierenden Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen sind skeptischer. Nur 13 Prozent meinen, ihr Erspartes sei „absolut sicher“. Hingegen genießen die Banken bei 25 Prozent der Männer absolutes Vertrauen.
Fest steht: Die Finanzkrise ist in allen Bevölkerungsschichten und Regionen dieses Landes präsent. 98 Prozent der Menschen geben an, von der Finanzkrise gehört zu haben.
Während der Ruf nach dem Staat die Österreicher sehr stark polarisiert, herrscht bei der Schuldfrage nahezu Einigkeit. Die Hauptschuld an der Misere tragen in den Augen der Österreicher die Manager. Also die Führungsriege der Finanzbranche. 26 Prozent der Befragten meinen, dass sie schuld an der Krise ist.
22 Prozent geben an, dass die Finanzkrise von „Spekulanten“ verursacht worden ist. Immerhin 18 Prozent der heimischen Bevölkerung sehen die Banken selbst als Auslöser der Bankenkrise.
Kapitalismus ist nicht schuld
„Die Schuldigen werden also vornehmlich im Bereich der Banken und an der Börse gesucht, weniger im Finanzsystem selbst oder im Versagen der Aufsicht“, erklärt Marktforscher Werndl.
Der Kapitalismus als Wirtschaftssystem wird von den Österreichern übrigens nicht in Zweifel gezogen. Lediglich ein Prozent der Befragten gibt dem Kapitalismus die Schuld an der Finanzkrise. Auch die Globalisierung dient den Menschen nicht als Sündenbock. Nur zwei Prozent sehen diese in direktem Zusammenhang mit der Panik auf den internationalen Finanzmärkten.
Viel mehr Menschen sehen die Rolle des Staates in einem kritischen Licht. Zehn Prozent der Befragten geben der Politik und dem Staat sogar eine Schuld an dem Finanz-Crash der vergangenen Tage.
Info Research International befragte 501 Personen in der Zeit von 6. bis 8. Oktober.