TV-Kritik: Voll Total (Super RTL) Schmuddel versus Olympia

Olympia hat uns fest in der Hand. Uns, die wir nachmittags vor dem Fernseher ein wenig Er frischung suchen, damit uns die Hausstaub-Milben nicht zerfleischen. Uns, die wir uns gerne einen abendlichen Abspann gönnen, bevor wir das müde Haupt auf Gänsedaunen (aus Prä-H5N1-Zeiten!) betten. Uns halten die Raser, die Durchtrainierten, die wahren Könner in Atem. Was, aber, wenn die Medaille gewonnen ist? Wenn man am honigsüßen Siegestaumel mitgenascht hat? Wohin dann? Bei Super RTL versuchte man am Mittwoch, gegen die athletische Übermacht mit einem Ringkampf der anderen Art zu punkten: "Voll total" heißt eine Sendung, in der zum Beispiel keifende Nachbarinnen aufeinander losgelassen werden.

Die kreischen sich dann wechselseitig Vorwürfe und Verwünschungen zu und beurteilen die Brut der jeweils anderen als trunksüchtig und faul. Später kommt ein 22-Jähriger zu Wort, der aussieht, als wäre er dreizehn, und denkt, als wäre er drei: Mama soll ihm ruhig alles hinterherräumen. Was sie auch tut. Weshalb er nicht daran denkt auszuziehen. Wer hätte gedacht, dass sich Wühlen in der Schmuddelkiste einmal als alternativ-olympische Disziplin erweisen würde? Schlafen kann man danach jedenfalls herrlich . . . , wenn man keine solchen Nachbarn und keinen solchen Sohn hat.

isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com

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