[*] TV-Kritik EU-Doku (Phoenix) Mit Bier zum Lauschangriff

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enn sich eine Sendung "Was Sie schon im mer über die EU wissen wollten" nennt, wundert man sich, dass der Satz nicht mit einem " . . . sich aber nicht zu fragen trauten" endet. Der öffentlich-rechtliche Sender Phoenix (eine Kooperation von ARD und ZDF) geht in einer Doku-Reihe dem Mysterium EU nach. Und das zu einer Luxus-Sendezeit (18.45 Uhr), und nicht - wie es meist im ORF geschieht - als Feigenblatt im Nachtprogramm.

Wo fängt das Zusammenwachsen an? Am Biertisch! Auch wenn es um Schengen geht. Ungarische Zöllner wollen eben nicht gern mit Bier anstoßen, weil anno 1848 der österreichische Feldmarschall Von Haynau auf die Hinrichtung ungarischer Revolutionsführer mit Bier angestoßen haben soll. So etwas vergisst eine Nation nicht. Die Doku vergaß es auch nicht. Es wurde eine durchaus informative, wenngleich nicht durchgehend spannende halbe Stunde, die zwischen viel sagenden Stilmitteln (Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom Zöllner am verdächtigen Kfz) und der einschläfernden Ästhetik eines Videos vom Betriebsausflug schwankte. Dabei war nicht nur EU-Begeisterung zu hören. Auch Kritisches - etwa, dass die Zahl der Telefonüberwachungen hierzulande im Vergleich zur Bevölkerungszahl ein x-faches der USA erreichen, weil Österreich ein "lauschgeiles Land" sei. Das ist nicht nett. Aber es ist nett, dass es gesagt werden darf.

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