[*] TV-Kritik Wir sind Europa (ORF2) Stöcklgrafie für den Bierbauch

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opografie. Welch Tücke! Eine Landkarte ohne Anhaltspunkte. Stumm. Nur das Meer ist er kennbar. Und da soll man was finden, sollen Kandidaten Fähnchen dorthin heften, wo sie die Ewige Stadt, Amsterdam, Stockholm vermuten! Das erinnert an schweißdurchtränkte Geografiestunden, lange bevor Pisa mehr war als ein Ort mit einem erstaunlich schiefen Turm. Dazwischen spaziert Barbara Stöckl quer über das auf den Boden gemalte Europa, um den klugen jungen Leuten in der ORF-Show "Wir sind Europa" ihre Welt zu erklären, die sich offenbar nicht in die üblichen Himmelsrichtungen, sondern nach der Stöcklgrafie richtet: "Estland ist oben." Dafür müsste es eigentlich ein glattes Minus geben.

Aber wir sind ja nicht in der Schule! Dafür im ORF. Und da muss man sich, wenn so was Wichtiges ansteht, darauf gefasst machen, dass Ö3 und die "Seitenblicke" die frohe Kunde vom völkerverbindenden Wissensquiz ins Land tragen. In der Sendung erfuhren wir Österreicher, dass wir uns nicht vor Fremden fürchten müssen - sogar die milchkaffeebraune Zypriotin sprach fließend Deutsch und wirkte beruhigend integriert. Auch die Frage, in welchem EU-Land Vollzeitbeschäftigte "am meisten" arbeiten - in Österreich nämlich - ließ den Bierbauch zufrieden grummeln. Übrigens: Dass das Bundeskanzleramt diese Show im ORF angeregt hat, ist ein Gerücht. Ein böses.

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