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ie gut, dass es Verbrechen gibt. Fürs Fernse hen zumindest. Weil so ganz ohne Vorlage würde den Autoren bald der Stoff ausgehen. Die ARD hat da ein interessantes Doku-Format: "Die großen Kriminalfälle" - das klingt nach "Aktenzeichen XY", hat aber etwas mehr zu bieten als den herben Charme eines Eduard Zimmermann und das frustrierende Szenario unaufgeklärter Mordfälle.
In "Al Capone von der Pfalz" wusste man sofort, von wem die Rede ist. Mit amikaler Leichtigkeit und grauem Opa-Bart erklärte der Kopf der "Kimmel-Bande" seine Welt. Wie das halt so passiert, dass man erst jung und übermütig im Wald rumballert, dann als zielgenauester Schütze verehrt wird, um schließlich ganz aus Versehen einen Polizisten totzuschießen. Das klingt in etwa so, als habe sein lieber Hund leider einen Hasen gerissen. Nicht ganz o. k., aber halb so schlimm.
Ausführliche Interviews, Spielfilm-Material, Archivbilder von den Wirtschaftswunder-Fräuleins bliesen den Staub von einer Zeit, in der man sich Mitte zwanzig noch als Mitglied einer "Jugendbande" verstehen durfte. Und als man sich in Kino und Fernsehen noch gute Ideen für einen trickreichen Einbruch holen konnte. Seit "MacGyver" bleibt das Filmgeschehen jedoch unnachahmliche Theorie.
Zum Glück.