U
nsere Fernbedienung ist kaputt. Das heißt: Eigentlich ist nur eine einzige Taste kaputt. Sie ist abgerissen. Es sagt eine Menge über einen aus, welche Taste der Fernbedienung man am meisten strapaziert. Bei uns ist es die für den Teletext.
Ich bin nämlich Teletext-süchtig. So etwas gibt es, das ist so etwas ähnliches wie die E-Mail-Sucht, mit der ich auch vertraut bin, und die mich dazu zwingt, 24 Stunden am Tag den Computer laufen zu lassen und während dieser 24 Stunden im Fünf-Minuten-Takt das Programm Outlook-Express aufzurufen: Dabei hat sich schon wieder nur ein nigerianischer Häuptlingssohn gemeldet, dem ich helfen soll, ein paar Millionen ins Ausland zu verschieben . . .
Zeitverschwendung also. Und mit dem Teletext, den ein Kabarettist einmal "Internet für Arme" getauft hat, ist es noch schlimmer. Ich meine: Wie oft können sich Kate Moss und Pete Doherty noch trennen, ehe ich die Seite 145 ruhen lasse? Muss ich wirklich halbstündlich über den Gesundheitszustand von Ariel Sharon informiert werden? Was interessieren mich Rezepte? Ich koch nicht einmal gerne.
Und außerdem: So oft, wie ich die TXT-Taste drücke, können die das gar nicht aktualisieren!
Doch Sucht ist Sucht, längst sehe ich nicht mehr fern, sondern höre fern - ich konsumiere die Filme als Hörspiel und blättere mich dabei mit der Fernbedienung durch die jüngsten Gesundheits-Tipps - und während ich nach dem Wiener Wetter auch noch das Tiroler (da wohnt mein Vater) und das Vorarlberger (meine Mutter) aufrufe, was bei einer abgerissenen Taste echtes Fingerspitzengefühl erfordert, überlege ich mir, ob ich sie - die blöde Taste nämlich - einfach aus dem Fenster werfen soll.
Das lasse ich hübsch bleiben: Tatsächlich hält mich meine Teletext-Sucht davon ab, fernsehsüchtig zu werden, was nur halb so paradox ist, wie es klingt: Dank Teletext kann ich jederzeit nachlesen, was sich in meinen Lieblingsserien so tut, ob Amy in "Everwood" beim Drogenkonsum ertappt wird oder wen Lorelai von den "Gilmore Girls" gerade verehrt - und mehr muss ich ja auch gar nicht wissen.
Das spart Zeit.
Schade nur, dass das bei "CSI Miami" und "Six Feet Under" nicht klappt.