Weiberrede Widerrede: Unser Klimt?

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etztlich hat mir ein Leser zur Aufmunterung ein hübsches Foto gemailt: Es zeigt die Richard-Wagner-Villa in der Hadikgasse. Er wusste auch noch eine nette Geschichte dazu, dass Wagner nämlich damals bei Nacht und Nebel Wien verließ und seinem damaligen Hausherrn, einem Seidenfabrikanten, die Miete schuldig geblieben ist. Das hat mich daran erinnert, warum ich überhaupt nach Wien gezogen bin. Es waren nämlich die Häuser. Ich meine damit gar nicht einmal die Villen oder Palais, sondern die schönen Zinshäuser mit all den Fenstergiebeln und all den Friesen und schönen Toren. Einerseits. Andererseits waren es die Museen, speziell die Österreichische Galerie im Oberen Belvedere. Ich war nämlich gerade in der Schiele-Phase: Mit 16 muss man in der Schiele-Phase sein - oder man steckt in der Klimt-Phase fest. Klimt fand ich "dekorativ". Schiele oder Klimt, Sartre oder Camus, Hesse oder Hesse, Beatles oder Rolling Stones, Schiller oder Goethe, Puma oder Adidas. So geht das, wenn man 16 ist. Meine Güte, war ich in Wien verliebt! Meine Güte, war ich ein arroganter Fratz.

20 Jahre später liebe ich Wien immer noch so innig, wie es nur eine Tirolerin kann. Ich lebe in einem Zinshaus mit Putten, in dem Mozart einst ein und aus ging, weil er dort seine Logenbrüder traf. Und ich wünsche mir, dass irgendwer, egal wer, solange es nur ein Österreicher ist, wenigstens drei jener Klimt-Gemälde kauft, die wir an Maria Altmann restituieren.

Nicht, dass ich zum großen Klimt-Fan mutierte wäre. Ich habe meine Meinung zwar relativiert, aber gerade die Gemälde, um die es geht, habe ich immer links liegen lassen. Es ist auch nicht so, dass ich um unsere "kulturelle Identität" besorgt wäre. "Kulturelle Identität" hat ganz gewiss viel weniger mit dem Besitz von Bildern zu tun, als man glaubt.

Nein, mir ist als Österreicherin nur entsetzlich peinlich, wie wir in diesem "Fall" vorgegangen sind. Und wenn wir uns nicht schleunigst aufmachen und das Geld zusammenkratzen, um jene Bilder bei uns zu behalten, für deren Verbleib in Österreich wir so lange so erbittert gekämpft haben - dann kann uns jeder zu Recht vorwerfen: Es ging uns all die Zeit über nie um die Kunst. Nur um ihren Wert. Und das wäre wirklich schäbig.

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