Investor Pecik greift nach SkyEurope

LUFTFAHRT. Niki Lauda und der Oligarch Vekselberg könnten Partner in einer europäischen Billigfluglinie werden.

wien.In der an der Wiener Börse notierten Billigfluglinie SkyEurope dürfte bald kein Stein auf dem anderen bleiben: Investor Ronny Pecik, der mit Partner Georg Stumpf die Mehrheit an den Schweizer Konzernen Oerlikon und Saurer kontrolliert, plant offenbar die Übernahme der slowakischen Billigfluglinie. Pecik hält schon knapp fünf Prozent an SkyEurope und wird den Erwerb gemäß Börsegesetz demnächst melden.

Pecik, der schon mit dem Einstieg bei der inzwischen von Siemens übernommenen VA Tech (damals mit Mirko Kovats) und den Schweizer Deals für großes Aufsehen gesorgt hat, dementiert die am Finanzmarkt kursierenden Gerüchte, dass er die Billigfluglinie mehrheitlich übernehmen wolle, nicht. Auf „Presse“-Anfrage sagt er nur: „Kein Kommentar“. Die Frage, ob er an der SkyEurope-Hauptversammlung (HV) am 16. Februar teilnimmt, beantwortet er allerdings eindeutig: „Ja, das werde ich sicher.“

Die Aktionärsversammlung dürfte er nicht aus reiner Neugier besuchen. Faktum ist, dass er Aktien für die HV hinterlegt hat und dort den Kampf um die Macht eröffnen wird. SkyEurope-Chef Christian Mandl will nämlich eine Kapitalerhöhung im Volumen von knapp vier Mio. Euro genehmigen lassen, mit der Aktien-Optionen für den Vorstand bedient werden. Ein Vorhaben, das Pecik nicht besonders goutieren soll, heißt es.

Pecik wird sich – wie er schon bei Oerlikon und Saurer gezeigt hat – mit einem Fünf-Prozent-Paket nicht zufrieden geben. Insider glauben, dass er über Optionen schon jetzt mehr als fünf Prozent an SkyEurope hält und schrittweise auf bis zu 30 Prozent aufstocken wird. Erst ab dieser Grenze muss er laut Übernahmegesetz den anderen Aktionären ein Pflichtoffert machen. Damit würde er ein Gegengewicht zum US-Fonds York bilden. York hat SkyEurope im Vorjahr mit dem Kauf von Aktien und Wandelanleihen vor der finanziellen Bruchlandung gerettet. York hält 23 Prozent.

Niki Lauda als Berater an Bord?

Pecik verfolge mit dem Einstieg bei SkyEurope den Plan, aus SkyEurope eine europaweit agierende Billigfluglinie zu machen, wird in Luftfahrt-Kreisen spekuliert. Da sich Peciks Airline-Kompetenz auf den Mitbesitz einer Bedarfsflug-Gesellschaft beschränkt, liegt es auf der Hand, dass sich der Finanz-Tycoon mit einem Riecher für Unternehmen mit Potenzial (Oerlikon hat den Börsewert binnen eineinhalb Jahren verfünffacht)einen Fachmann an Bord holt. Der dürfte Niki Lauda heißen, der mit Pecik befreundet ist und seit kurzem das Oerlikon-Logo auf seinem Kapperl trägt. Lauda meinte nur, er wolle weder SkyEurope-Aktien kaufen noch besitze er bereits welche. Was nicht ausschließt, dass er künftig als Berater fungiert.

Lauda ist allerdings Partner der Air Berlin, die 24 Prozent an seiner Fluglinie „Niki“ hält. „Herr Lauda hat uns versichert, dass weder er als Person noch seine Fluglinie bei SkyEurope im Spiel sind“, sagt Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel zur „Presse“. Und wenn Lauda und „Niki“ doch bei SkyEurope andockt? „Das ist bei uns kein Thema, solange es reine Spekulation ist.“ Es wird für möglich gehalten, dass „Niki“ von Air Berlin zur SkyEurope wechselt.

Gefallen an dem SkyEurope-Projekt dürfte auch der russische Oligarch Viktor Vekselberg haben. Vekselberg hält knapp 14 Prozent an Oerlikon. Er soll auch hinter der zypriotischen Gesellschaft Gorosa stehen, die die Hälfte der Everest BeteiligungsgmbH besitzt – die andere Hälfte gehört Pecik. Everest wurde einst von Pecik und Kovats als Übernahmevehikel gegründet. Vekselberg soll zudem auch ein Naheverhältnis zu den Brüdern Boris und Alexander Abramowitsch haben. Sie bauen gerade aus fünf russischen Fluglinien die AirUnion auf, Boris hat erst jüngst ein Übernahmeangebot für die ungarische Malev abgegeben.

Inline Flex[Faktbox] ÜBERNAHME GEPLANT("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2007)

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