Die Mehrheit der Ukrainer will eine orange Regierung - unter Führung Julia Timoschenkos. Juschtschenko wird sich fügen müssen.
O
range bleibt in der Ukraine nach dem Wahlsonntag zunächst die Modefarbe. Das kühle Blau bleibt zwar im Osten des Landes weiter dominant - wenn auch bei weitem nicht so, wie das zuvor prognostiziert wurde. Landesweit hat das pro-westliche, demokratische, reformerische, patriotische Lager die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. Indes könnten die orangen Parteien diese Mehrheit bald wieder verspielen.
Julia Timoschenko ist durch ihr egomanisches und flatterhaftes Wesen sowie ihren Hang zum Populismus gewiss eine nicht unproblematische Führungsfigur. Doch nach dem Willen der Wähler symbolisiert sie besser als das Lager von Präsident Viktor Juschtschenko die Werte der orangen Revolution vom Herbst 2004. Timoschenko hat Feuer, Leidenschaft und den Willen zur Veränderung.
Juschtschenko muss das anerkennen. Es nicht zuletzt sein Zaudern, Lavieren und Kompromisse-Schmieden selbst mit den ärgsten Feinden von gestern, das die Wähler nicht goutieren und weshalb sie seine Partei nur auf den dritten Platz gewählt haben. Wenn der Präsident jetzt auch bei der Regierungsbildung als permanenter Bremser in Erscheinung treten sollte, wird das bei den Wählern sehr schlecht ankommen. Sie wollen das orange Lager an der Macht, auch wenn das für die stärkste Partei, die blaue "Partei der Regionen" bitter ist. Aber gerade in Österreich, bei der SPÖ, kennt man dieses Gefühl seit 2000 ja ganz gut. (S. 9)