Meinung: Die Wehwehchen des teuflischen Generals

Belgrad hat im Fall des flüchtigen Ratko Mladic die Dinge schon längst überreizt. Jetzt bleibt der EU nichts anders übrig, als Härte zu zeigen.

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er spielt da wohl mit wem Katz' und Maus? Ratko Mladic mit den serbischen Behörden? Oder doch die Belgrader Regierung mit der EU? Tatsache ist: Der vermutlich größte Kriegsverbrecher in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg läuft weiter frei herum, genauso wie sein ziviler Mordkumpane, Radovan Karadzic. Die Auslieferung von Mladic an das Haager Tribunal bis zum vergangenen Wochenende, die der Belgrader Regierungschef Vojslav Kostunica so feierlich versprochen hatte, ist jedenfalls nicht erfolgt.

Inzwischen berichten serbische Minister über die Enttarnung und laufende Verhaftungen von angeblichen Fluchthelfern, meldet die Belgrader Boulevardpresse jedes vermeintliche Wehwehchen des flüchtigen Generals: Depressionen, erhöhter Blutdruck, leichte Diabetes, ein Nierenleiden. Von irgendwoher stammen die Informationen, es muss Kontakte zu Mladic geben, einige Leute wissen genau, wo er sich befindet. Nur der alles andere als unprofessionelle serbische Geheimdienst und die Polizeifahnder sollen da ahnungslos sein?

Belgrad hat die Sache eigentlich schon seit längerem überreizt, hätte das Katz-und-Maus-Spiel im Fall Mladic längst beenden sollen. Die EU kann nach dem jüngsten Fehlschlag gar nicht anders, als Härte zeigen und die Gespräche über einen Stabilitäts- und Assoziierungsvertrag mit Serbien auszusetzen. Sonst läuft sie selbst Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit nach innen und vor allem auch in Südosteuropa zu verspielen. (Bericht: S. 6)

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