Meinung: Noch ist Serbien nicht verloren

Zu einer demokratischen Koalition in Belgrad gibt es nur eine bedrohliche Alternative: eine Regierung der chauvinistischen Rülpser.

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ie schlechte Nachricht: Es ist mehr als bedenklich, dass eine absonderliche Partei wie die Radikalen wieder stärkste politische Kraft Serbiens wurde: eine Partei, deren Chef wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist; eine Partei, die nichts aus der blutigen jüngeren Geschichte gelernt hat. Die gute Nachricht: Diese Partei der ultranationalistischen Rülpser hat bei weitem nicht die Mehrheit im neuen Parlament - auch nicht zusammen mit ihren potenziellen Partnern, den Milosevic-Sozialisten.

Es sei denn, das nationalistische Herz des Vojislav Kostunica schlägt stärker als sein proeuropäisches - und er wagt sich wirklich in eine Regierung der serbischen Chauvinisten. Freilich, Kostunica weiß genau, dass er damit das Land in die Isolation treiben würde. Klar, die Russen würden einer solchen Nationalistenrunde viel verbale Unterstützung angedeihen lassen - und ansonsten versuchen, sich möglichst viel vom serbischen Tafelsilber unter den Nagel zu reißen.

Nein, zu einer demokratischen Koalitionsregierung in Belgrad gibt es eigentlich keine vernünftige Alternative. Und wenn die Herren Parteiführer des demokratischen Lagers endlich einmal ihre Animositäten vergessen und das Wohl des Landes über ihr eigenes stellen, dann könnte eine ganz passable, zukunftsorientierte Regierung herauskommen. Es wäre den Serben nach all diesen schweren Jahren des nationalistischen Wahnsinns, der politischen Selbsttäuschung und des wirtschaftlichen Niedergangs sehr zu wünschen. (Bericht: S. 7)

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