Meinung: Provozieren, bis die Kugeln pfeifen

Dem italienischen Reformminister Calderoli hätte von der Regierung Berlusconi schon längst die rote Karte gezeigt werden müssen.

Der Protest gegen die Mohammed- Karikaturen in der islamischen Welt ist längst ein Selbstläufer, in dem Appelle zur Zurückhaltung nicht viel helfen. Da mag der Dialog auf hoher Ebene zwischen europäischer und islamischer Welt - wie vergangene Woche in Wien - noch so gut gemeint sein: Unten, auf der Straße, wird mit Steinen, Brandsätzen und Eisenstangen argumentiert. Dutzende Tote in Nigeria, wo Moslems Jagd auf Christen machten, und in Libyen, wo die Sicherheitskräfte scharfe Munition gegen Demonstranten einsetzten, markierten an diesem Wochenende einen neuen traurigen Höhepunkt dieser blutig-abstrusen Kontroverse.

Europa darf sich angesichts dieses Aufstands gewiss nicht dazu zwingen lassen, fundamentale Grundwerte wie die Presse- und Meinungsfreiheit einzuschränken. Doch Europa und seine politischen Vertreter dürfen sich auch nicht auf das Niveau des randalierenden Mobs herab begeben. Genau das hat der italienische Reformminister Roberto Calderoli getan, als er sein T-Shirt mit Mohammed-Karikaturen in die Fernsehkameras hielt. Dass dieser Politiker eine Schande für sein Land ist, hat er wiederholt bewiesen. In einer Regierung hatte er schon längst nichts mehr verloren. Aber der Exzentriker musste offenbar erst tödliche Zwischenfälle provozieren, ehe ihm die rote Karte gezeigt wurde. Der Schandfleck Calderoli ist so auch eine Schande für Italien.

burkhard.bischof@diepresse.com

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